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LONDON, ENGLAND - NOVEMBER 10: Mats Hummels of Germany and Tammy Abraham of England battle for possession during the International friendly match between England and Germany at Wembley Stadium on November 10, 2017 in London, England.  (Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)
Nach Kane, Rooney und Co.: Das ist Englands neue Sturmhoffnung © Getty Images
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München - Tammy Abraham ist auf der Insel der Mann der Stunde, was auch Nationaltrainer Gareth Southgate nicht verborgen blieb. SPORT1 stellt Chelseas Sturm-Juwel vor.

Diesen Namen sollten Sie sich merken: Tammy Abraham.

Der Stürmer vom FC Chelsea hat sich mit seinen neun Toren und einem Assist in elf Spielen für die Blues eine Nominierung für die englische Nationalmannschaft mehr als verdient.

Kein Wunder also, dass Nationalcoach Gareth Southgate nicht lange zögerte und den 22-Jährigen für die beiden EM-Qualifikationsspiele der Three Lions gegen Tschechen (am 11. Oktober ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) sowie gegen Bulgarien (am 14. Oktober ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) in den Kader berief.

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Nigeria geht bei Chelsea-Talent leer aus

Erst recht, nachdem sich auch der nigerianische Fußball-Verband zuletzt um Abraham stark bemüht hatte: Der Vater des gebürtigen Londoners stammt aus Nigeria und soll gute Beziehungen zum Verbandspräsidenten Amaju Pinnock pflegen.

"Wir werden in unserem Bestreben, gute Spieler für dieses Land spielen zu lassen und Erfolge zu feiern, nicht nachlassen. Wir werden weiterhin mit guten Spielern nigerianischer Abstammung sprechen, um sie von ihrem Vaterland zu überzeugen", sagte Pinnock jüngst im Mirror. "Aber die Jungs haben unabhängige Meinungen. Ich sagte ihm (Anm. d. Red. Abraham), dass er bei uns bessere Chancen hat, regelmäßig zu spielen als mit England, das eine ganze Galaxie voller Top-Stürmer hat."

Abraham stellt sich Englands Sturm-Konkurrenz

England-Coach Southgate hat im Angriff mit den Mittelstürmern Harry Kane (Tottenham Hotspur), Marcus Rashford (Manchester United), Callum Wilson (AFC Bournemouth) sowie den Flügelstürmern Raheem Sterling (Manchester City), Jadon Sancho (Borussia Dortmund), Jesse Lingard (ManUnited) und Callum Hudson-Odoi (Chelsea) wahrlich die Qual der Wahl.

Doch davon ließ sich Chelseas Sturm-Juwel nicht abschrecken: Abraham entschied sich gegen Nigeria und für sein Geburtsland, für das er bereits 2017 zweimal aufgelaufen war. Für England absolvierte der 22-Jährige damals zwei Freundschaftsspiele gegen Deutschland (0:0) sowie gegen Brasilien (0:0), hätte laut FIFA-Statuten aber trotzdem den Fußball-Verband wechseln können, da es noch keine Pflichtspiele waren.

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Southgate: "Ja, es besteht immer die Gefahr"

Eile war geboten, auch wenn es risikobehaftet ist, wie Southgate offen zugab: "Ja, es besteht immer die Gefahr, Spieler zu früh hochzuziehen. Aber nur, wenn sie nicht die Unterstützung erhalten und das richtige Programm haben. Das bekommt er (Anm. d. Red.: Abraham) aber bei uns."

Die Engländer verloren bereits Alex Iwobi (früher FC Arsenal, jetzt beim FC Everton) an Nigeria und müssen auch fürchten den Leipziger Ademola Lookman an die Super Eagles zu verlieren. Bei Abraham und Mannschaftskollege Fikayo Tomori, der erstmals nominiert wurde, wäre diese Gefahr mit einem Pflichtspieleinsatz - wovon stark auszugehen ist - gebannt.

"Ich denke nicht, dass es ethisch richtig ist, einen Spieler nur einzusetzen, um sicherzustellen, dass er nicht für jemand anderen spielen kann", wiegelte Southgate offiziell ab und lobte die beiden Chelsea-Talente vielmehr. "Die beiden Jungs, die diesmal im Kader sind, Fik und Tammy, haben es sich verdient."

Championship, Premier League, 2. Liga und ab in Stammelf der Blues

Vor allem Abraham hat einen langen, steinigen Weg hinter sich und steht verdientermaßen im Kader der Three Lions. Denn der junge Stürmer ließ sich trotz seiner Achterbahn-Karriere nie hängen und macht sich auf, in die Fußstapfen legendärer englischer Nationalstürmer wie Wayne Rooney und Michael Owen zu treten.

In der Saison 2016/17 sorgte er als Leihspieler in der Championship bei Bristol City mit 26 Toren und vier Assists in 48 Spielen für Furore, ein Jahr später in der Premier League bei Swansea City waren es dann aber nur acht Tore und fünf Vorlagen in 39 Spielen.

Folgerichtig trat Abraham 2018/19 wieder den Gang ins englische Unterhaus an: Das war allerdings kein Rückschritt für das Sturm-Juwel, sondern ein Fortschritt. Mit 26 Toren schoss der Angreifer Aston Villa zurück in die Premier League und nahm dieses Selbstbewusstsein mit in die laufende Saison.

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Lampard warnt Abraham und Co.

Bei Chelsea ist der 22-Jährige im Sturmzentrum nun gesetzt, während Weltmeister Olivier Giroud und Michy Batshuayi nur auf der Bank sitzen und mit ansehen müssen, wie Abraham nach Belieben trifft - und so Lampard das Vertrauen zurückzahlt. Dabei profitierte er vor allem von einer FIFA-Sperre.

Chelsea durfte nicht wie gewohnt auf dem Transfermarkt zuschlagen, was der sogenannten "Loan Army" in die Karten spielte. Die Jugend erhielt endlich ihre Chance und nutzte diese. Allen voran die englischen Talente Abraham, Tomori und Mason Mount, der auch im englischen Kader steht und mittlerweile schon zwei EM-Quali-Spiele absolviert hat.

Trotzdem warnt Blues-Coach Frank Lampard seine Schützlinge: "Es ist eine gute Nachricht für sie, aber wie ich immer wieder sage, ist es nur der Anfang. In der Minute, in der Selbstzufriedenheit einsetzt, werden sie leiden."

Stärken und Schwächen von Chelseas Sturm-Juwel

Seiner Meinung nach müssen sie weiter an sich arbeiten und dürfen sich nicht auf dem bislang Erreichten ausruhen: "Sie müssen das jetzt als etwas nehmen, das sie ihrer Waffenkammer hinzufügen können und sagen: Okay, ich bin jetzt ein englischer Nationalspieler, ich bin in der englischen Nationalmannschaft, also muss ich noch mehr - Tag für Tag - zeigen, was ich kann, was ich investiere - Spiel für Spiel - für uns (Anm. d. Red: Chelsea) und für England", so Lampard.

Der 1,90 Meter große Abraham ist ein Roh-Diamant, der noch geschliffen werden muss. Der noch an Robustheit gewinnen muss. Der sich noch in vielen Bereichen verbessern kann, wie Lampard meint: "Er ist ein super Junge, sympathisch und höflich. Einer, der jeden Tag besser werden will."

Trotz seiner Größe sei er sehr beweglich, schirme den Ball gut ab, komme in die richtigen Räume und zum Abschluss - und erziele laut Lampard vor allem viele Tore. "Daraus schöpft Tammy viel Selbstbewusstsein und spielt nun auf einem viel höheren Level", erklärte der Chelsea-Trainer weiter.

Und solange Lampard seine Talente an der Stamford Bridge weiterhin so viel fördert und fordert, haben Abraham, Tomori, Mount, Ross Barkley, Ruben Loftus-Cheek und Callum Hudson-Odoi nicht nur bei Chelsea eine rosige Zukunft, sondern auch im englischen Nationalteam.

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