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München - Ex-Profi Rafael van der Vaart spricht bei SPORT1 über die Rückkehr von José Mourinho auf die Trainerbank und verrät, warum Mauricio Pochettino zu Bayern passen würde.

Das nennt man mal einen Trainertausch. Mauricio Pochettino ist weg. José Mourinho ist der neue Chefcoach bei den Tottenham Hotspur.

Mit dem Portugiesen präsentierten die Klub-Bosse schnell eine Premium-Lösung. "The Special One" soll die Spurs wieder in die Erfolgsspur bringen. Die Londoner haben von den zurückliegenden zehn Pflichtspielen nur drei gewinnen können, in der Premier League steht der Klub nach 14 Partien nur auf Platz 14. Am Samstag (Premier League: West Ham United - Tottenham ab 13.30 Uhr im LIVETICKER) muss Tottenham im Spiel eins nach Pochettino bei West Ham ran.

Einer, der 2010 bei Real Madrid kurz unter Mourinho trainierte und danach zwei Jahre bei den Spurs spielte, ist Rafael van der Vaart. Der 36-Jährige, der zuletzt seine Karriere beendete, spricht im SPORT1-Interview über Mourinho, Pochettino und sagt, wie realistisch ein Wechsel des Argentiniers zum FC Bayern wäre.

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Van der Vaart staunt über Mourinho-Wechsel zu Tottenham

SPORT1: Herr van der Vaart, was dachten Sie, als Sie hörten, dass José Mourinho neuer Tottenham-Coach ist?

Rafael van der Vaart: Erst mal dachte ich wow! Vor ein paar Jahren hätte er das sicher nicht gemacht. Natürlich ist es schade, dass Pochettino gehen musste, aber Tottenham braucht Titel und Erfolg. Da ist Mourinho natürlich genau der richtige Coach. Er ist die beste Wahl. Er hat mit seinen Klubs so viele Titel gewonnen, ist ein richtig geiler Typ, der liefert. Viele sagen Mourinho ist ein Großmaul, aber er kann auch etwas vorweisen. So einen großen Namen wie ihn zu bekommen, das ist beeindruckend für die Spurs und lässt auf Erfolg hoffen.

SPORT1: Wird Mourinho den Erfolg zu Tottenham zurückbringen?

Van der Vaart: Am Ende des Tages liegt der Erfolg an der Qualität seiner Spieler. Sie müssen eine Schippe drauflegen, ich habe sie ein paar Mal gesehen und das war zu wenig. Nun werden viele versuchen wieder bei Mourinho in die Mannschaft zu kommen und das wird ganz interessant sein, wer sich da zeigt.

SPORT1: Sie halten die Entscheidung also für gut. Es gab auch Kritik für die Bosse, weil sie  Mourinho geholt haben.

Van der Vaart: Es wird doch immer vieles kritisiert. Mourinho hat seine ganz eigene Art. Er braucht manchmal diesen Kampf gegen andere Personen und die Bosse im Verein. Ich konnte in Sommer-Vorbereitung 2010 einige Wochen unter ihm trainieren. arbeiten, als er neu zu Real Madrid kam. Er war damals sehr ehrlich zu mir, als er eine harte Entscheidung traf. Er sagte, dass ich bei ihm nicht oft spielen werde und dass ich zu gut für die Bank sei. Das tat natürlich weh, aber es war ehrlich und direkt. Aber jeden Spieler, den man fragt und der mit ihm zusammengearbeitet hat, wird sagen, dass er ein geiler Trainer ist. Das sagt auch etwas aus.

"Er fand mich damals unheimlich gut"

SPORT1: Wie schwierig war die kurze Zeit mit Mourinho?

Van der Vaart: Er fand mich damals unheimlich gut und wir hatten einen guten Draht zueinander. Aber er hat dann Mesut Özil geholt. Und er hat damals zu mir gesagt, dass ich viel zu gut sei, um auf der Bank zu sitzen und mich lieber umschauen soll. Das habe ich dann getan und bin schließlich zu Tottenham gewechselt.

SPORT1: Wie froh waren Sie im Nachhinein über diesen Wechsel?

Van der Vaart: Das war mit eine der besten Entscheidungen in meiner Karriere. Ich habe dort zwei unglaublich schöne und sportlich tolle Jahre gehabt. Am Freitag war ich auf einem Sponsor-Abend von Tottenham eingeladen und da habe ich wieder gemerkt, dass die Menschen mich immer noch lieben. Insgesamt habe ich dort 28 Tore geschossen und wir hatten einen starken Sturm. Das war wirklich eine geile Zeit.

SPORT1: Sie sprechen positiv über Mourinho. Ist er gar nicht so schwierig, wie ihn die Fußballwelt sieht?

Van der Vaart: Nein. Er macht das auch ein bisschen absichtlich. Er steht zu seinen Spielern und würde für sie durch das Feuer gehen. Das sieht man schon auf den Videos vom Trainingsplatz. Er redet mit allen. Er ist sehr menschlich, einfach geil und er ist so überzeugt von sich. In der ersten Pressekonferenz bei Real hat er damals gesagt 'Wenn jeder macht, was ich sage, dann gewinnen wir jedes Spiel'.

SPORT1: Wie würden Sie ihn beschreiben?

Van der Vaart: Er ist positiv arrogant. Das ist einfach herrlich. Ich finde das klasse, sich so authentisch zu geben und so einen Satz als erstes raus zu hauen. Für solche Aussagen liebe ich ihn.

SPORT1: Als Mourinho noch ManUnited-Coach war, stellte er Frank de Boer bloß, indem er sagte dieser sei der schlechteste Trainer in der Geschichte der Premier-League. Eine typische Mourinho-Attacke?

Van der Vaart: Ja. Er sagt einfach dass, was er denkt, will natürlich etwas provozieren. Er fühlte sich attackiert von de Boer. Natürlich wird das wieder hervorgeholt und kritisiert. Ich arbeite inzwischen auch als TV-Experte und finde es gut, wenn auf Pressekonferenzen wieder etwas passiert dank Mourinho, weil er jetzt wieder da ist. Diese Standard-Antworten von manchem Trainer sind doch langweilig, da kann ich die Journalisten verstehen. Man soll einfach sagen, was man denkt, dann bewegt sich etwas.

"Bayern verdient einen Toptrainer und Pochettino ist einer"

SPORT1: Bewegt sich auch etwas bei Gareth Bale? Er hat bei Real keine Zukunft mehr und wird mit Tottenham in Verbindung gebracht.

Van der Vaart: Es kann etwas dran sein, dass Bale zu Tottenham wechselt. Sie brauchen auf jeden Fall Unterstützung für ihr Offensivspiel. Die Mannschaft braucht auch im Mittelfeld kreative Leute. Mourinho wird es bestimmt versuchen, Bale zu kriegen, um die Mannschaft und ihren Wert noch mehr zu stärken. Mal schauen, was er noch plant. Es gibt viele Spekulationen darüber ob Bale bleibt oder geht. Eigentlich müsste Tottenham Hakim Ziyech(von Ajax Amsterdam, d. Red.) holen, er wäre perfekt für das Angriffsspiel.

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SPORT1: Glauben Sie, dass Mauricio Pochettino ein Kandidat für den FC Bayern sein kann?

Van der Vaart: Natürlich. Ich weiß nicht, wie konkret die Gespräche mit Erik ten Hag (Ajax Amsterdam, d. Red.) sind. Bayern München verdient einen absoluten Top-Trainer und Pocchettino ist einer. Er hat bei Tottenham bewiesen, dass er ein großer Coach ist und daher sehr geeignet wäre für einen Wechsel nach Deutschland. Bayern München reizt immer. Da ist es völlig egal, ob die Bundesliga aktuell schwächer ist als die Premier League.

SPORT1: Sollte Pochettino also zu Bayern gehen?

Van der Vaart: Ganz klar ja. Er passt zu Bayern. Ich fände es gut, wenn er es dort versuchen würde. Ich glaube da gibt es auch längst Kontakt. Bayern München ist einer der größten Vereine in Europa und die Geschichte des Vereins ist großartig. Pochettino passt zu den Bayern. Es wäre der richtige Schritt für ihn.

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