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Jürgen Klopp soll im Zuge seines Abgang beim BVB bei Hertha BSC auf dem Zettel gestanden haben
Jürgen Klopp würde wohl liebend gern wieder an der Seitenlinie stehen © Getty Images
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München - Die Premier League präsentiert erste Pläne für einen Liganeustart. Diese sind allerdings umstritten, weswegen in England ein hässlicher Streit ausgebrochen ist.

Im Mutterland des Fußballs tobt derzeit einer der größten Streits, den die Sportart je hervorgerufen hat. Im Fokus steht wie so oft Geld, aber auch der Kampf um Gerechtigkeit. 

Seit dem 13. März ruht der Ball in der Premier League. Wie in Deutschland sind auch die englischen Vereine auf eine Fortsetzung der Saison angewiesen, ansonsten droht den 20 Erstliga-Klubs zusammen ein Verlust von 866 Millionen Euro. 

Mitte Juni soll es weitergehen, wenn die Regierung und das ansässige Gesundheitsamt grünes Licht geben. Für Ärger sorgt aber die Frage nach dem "Wie". 

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Top-Klubs starten Erpressungsversuch

Der momentane Vorschlag der englischen Fußball-Liga (EFL) ist, die Saison an zehn neutralen Orten zu einem Ende zu bringen. Darüber soll zeitnah abgestimmt werden, 14 Stimmen werden benötigt, um das Modell durchzuwinken. Wie die Abstimmung ausgeht ist derzeit aber völlig offen. 

Denn einige Teams halten wenig davon, dass sie ihre Spiele nicht in heimischen Gefilden austragen dürfen, wenn auch ohne Fans. Genauer gesagt ist das die Meinung der letzten sechs Teams der Tabelle. Ihnen werfen die anderen Klubs nun vor, eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu sabotieren, um mit einem Abbruch der Saison den Abstieg zu vermeiden.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Premier League war selten so deutlich auszumachen, wie derzeit.

Die sechs Teams werben nun um Befürworter, um die Abstimmung zu gewinnen. Die Top-Klubs - allen voran die so genannten Big Six - sollen sich hingegen einem außergewöhnlichen Erpressungsversuch hingegeben haben.

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Bei einem Treffen der Klub-Bosse am Freitag sollen sie eine Garantie gefordert haben, dass die letzten drei Vereine absteigen müssen, falls die Saison nicht beendet werden kann. Um dieses Versprechen einzuholen sollen sie bereits zuvor fleißig Lobbyarbeit betrieben haben.

Damit wollen sie die betroffenen Klubs (Norwich, Aston Villa und Bournemouth) dazu zwingen, für das Neustart-Modell zu stimmen. Die Message: Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist eure einzige Chance, den Abstieg noch zu verhindern. 

"Sie drohen, den Fußball zu zerstören, nur um das Risiko eines Abstiegs zu vermeiden", sagte laut Sportsmail eine Führungskraft eines Top-Klubs bei dem Treffen. "Ihr Denken ist so kurzsichtig."

Das Problem der Integrität des Sports

Das Problem daran ist eben jene Gerechtigkeit. Wie kann die EFL eine Mannschaft absteigen lassen, die nur 29 Spiele bestreiten konnte und nicht die gewohnten 38. Im Fall von Aston Villa waren es sogar nur 28. Wenn Villa dieses 29. Spiel gewinnen würde, wären sie nicht einmal mehr auf einem Abstiegsplatz. Es erscheint undenkbar, ein Team in solch einem Fall den Gang in die zweite Liga antreten zu lassen.

Es kommt erschwerend hinzu, dass in England der Unterschied zwischen den ersten beiden Ligen so groß ist, wie wohl in keinem anderen Land Europas. Allein bei den TV-Geldern geht es um astronomische Summen. Wenn sich die Top-Klubs Sorgen um ihre Verluste bei einem Abbruch der Saison machen, dann sollten sie die Angst der kleineren Vereine eigentlich nachvollziehen können.

Brighton & Hove steht derzeit zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Klubchef Paul Barber hat sich in den Zeiten der Uneinigkeit zum Wortführer der Opposition aufgeschwungen. Er sieht die Integrität des Sports gefährdet.

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"Wir wissen, dass wir einige Kompromisse akzeptieren müssen und dass Geisterspiele nötig sein werden", wurde Barber auf der Klub-Homepage zitiert: "Aber die Nachteile für uns, wenn wir nicht in unserem Stadion und unserer gewohnten Umgebung spielen, auch wenn Fans nicht dabei sein können, sind sehr offensichtlich." 

Der Engländer führt durchaus verständliche Gründe für seine Ablehnung des Modells an. Er verweist auf unterschiedliche Zahlen von Heim- und Auswärtsspielen und unterschiedlich schwere Gegner in den Heimspielen.

Brighton hätte zu Hause eigentlich noch Tabellenführer FC Liverpool und die Schwergewichte Manchester City, Manchester United und Arsenal gespielt. Barber will in diesen Partien nicht auf einen Heimvorteil verzichten, den er auch bei Geisterspielen sieht. 

Eine Entscheidung muss spätestens Ende Mai getroffen werden. Wie die Abstimmung auch ausgeht, die Debatte treibt einen großen Keil zwischen die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Premier League. 

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