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München - Jürgen Klopp plant eine Reds-Ära, hält aber eine Dominanz wie Fergusons ManUnited für unmöglich, eine United-Legende widerspricht. Van Dijk droht der Konkurrenz.

Der erste Meistertitel seit 30 Jahren ist nach dem Neustart der Premier League nur noch eine Frage der Zeit.

Jürgen Klopp hat mit dem FC Liverpool aber schon ganz andere Ziele im Blick. Nach unglaublichen 27 Siegen aus 30 Ligaspielen will er mit seiner Mannschaft eine Ära prägen, auch wenn er die größte Dynastie des englischen Fußballs für unerreichbar hält: Sir Alex Fergusons Manchester United.

"Ich bin sicher, Fergie sagte am Anfang nicht, er wolle 13 Meisterschaften gewinnen. Er hat getan, was er getan hat und gute Entscheidungen getroffen. Wir werden auch gute Entscheidungen treffen und sehen, wo uns das hinführt", sagte Klopp vor dem Derby gegen Everton, das aus Sicht der Reds mit einem enttäuschenden 0:0 endete.

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Van Dijk denkt schon an nächste Saison

Zwischen 1993 und 2013 hatte ManUnited seine unglaublichen 13 Meistertitel geholt - außerdem zweimal die Champions League gewonnen.

Dies ist Klopp im vergangenen Jahr bereits gelungen, in der aktuellen Saison tritt sein Team - trotz des Ausscheidens in der Königsklasse - noch dominanter auf.

Star-Verteidiger Virgil van Dijk blickt auch schon nach vorne: "Wir brauchen noch zwei Siege, aber das reicht uns nicht. Wir wollen alle Spiele gewinnen und damit den Grundstein für die nächste Saison legen und genauso weitermachen."

Liverpool hat kaum ältere Spieler

Das ist der Erfolgshunger, den es für dauerhaften Erfolg in einer so umkämpften Liga wie der Premier League braucht. Der Kader hat durchaus noch Potenzial.

Abgesehen von Routinier James Milner (34) hat von den wichtigen Spielern lediglich Kapitän Jordan Henderson die Marke von 30 Jahren erreicht. Dejan Lovren (30) ist nur noch Ersatz und hatte 19/20 erst neun Premier-League-Einsätze.

Mit Joe Gomez, Trent Alexander-Arnold, Naby Keita der Alex Oxlade-Chamberlain gibt es noch sehr junge, aber bereits etablierte Spieler. Dazu kommen Supertalente wie Ben Woodburn.

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Drohung an Konkurrenz: "große Sprünge möglich"

Van Dijk und das grandiose Offensiv-Trio Sadio Mané, Roberto Firmino und Mo Salah sind allesamt auch erst 28 und damit im besten Fußball-Alter.

"Wir können uns als Team immer weiter verbessern. Wir haben Spieler mit Potenzial, die große Sprünge in ihrer Entwicklung machen können. Der Titel könnte sie auf ein neues Level heben", sagt Van Dijk. Das darf die Konkurrenz durchaus als Drohung verstehen.

Klopp hat seinen Vertrag erst im Dezember um vier Jahre verlängert und hat keine Ambitionen von Bord zu gehen: "Ich habe Zeit gebraucht, aber Mike Gordon (der starke Mann im Verein und von den Eignern eingesetzte Präsident, Anm. der Red.) hatte Geduld, weil er den Fortschritt sah. Unser Verhältnis ist großartig."

Rooney traut Liverpool goldene Ära zu

Trotzdem hält der Erfolgstrainer eine Ära wie jene der Red Devils für unrealistisch. "Ich glaube, das ist nicht mehr möglich. Andere Klubs hatten damals nicht den herausragenden Manager und so eine Mannschaft. Heute sind viele Teams ähnlich. ManCity, United wird zurückschlagen, Chelsea ist da. So eine Dominanz ist nicht möglich", betont Klopp.

Da widerspricht ihm allerdings eine United-Legende.

"Klopp sagt, das ist nicht möglich, aber er hat unrecht. Für Liverpool gibt es einen einfachen Weg: behaltet Klopp. Wenn Klopp noch zehn Jahre in Anfield bleibt, gewinnen sie mindestens fünf Meisterschaften", sagte Wayne Rooney der Times.

Die Corona-Pandemie könnte den Reds dabei zumindest kurzfristig in die Karten spielen, denn die ganz großen Transfers wird es wohl in diesem Sommer nicht geben. Somit werden die Kontrahenten kaum wirklich Boden auf Liverpool gutmachen.

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Zu United fehlt etwas

Dennoch erscheint eine Dominanz in Uniteds Sphären unrealistisch. Neben der größeren Dichte in der englischen und europäischen Spitze fehlt Liverpool trotz aller Talente dann (noch) diese goldene Generation der Ferguson-Zeit um Ryan Giggs und Paul Scholes, die im Verhältnis zu Liverpool jetzt im Kern noch früher zusammenfand, viele Jahre zusammenwuchs und nur punktuell verstärkt werden musste.

Klopp muss in spätestens zwei, drei Jahren einen größeren Umbruch bewältigen - gerade bei seiner von der Kraft lebenden bevorzugten Spielweise.

Wenn er aber weiter ein so gutes Händchen für Transfers und Personalentscheidungen hat, wird es für alle Kontrahenten auf absehbare Zeit extrem schwer, Liverpool vom Thron zu stoßen. Dann wird Anfield auch bald mit vollem Haus Titel feiern.

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