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München - Mit Nathan Aké wechselt erneut ein teurer Verteidiger zu Manchester City, die Ausgaben für Defensivkräfte belaufen sich auf fast 400 Millionen Euro. SPORT1 macht den Kosten-Nutzen-Check.

Nun also Nathan Aké.

Bei der schier endlosen Suche nach einem funktionierenden Defensivverbund bei Manchester City entschied sich Trainer Pep Guardiola nun für den Niederländer von Absteiger AFC Bournemouth, der in vielerlei Hinsicht seinem Landsmann Virgil van Dijk vom FC Liverpool gleicht.

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Aké kann neben seiner Idealposition als Innenverteidiger auch hinten links spielen, eine Verpflichtung des ebenso flexibel einsetzbaren David Alaba vom FC Bayern dürfte damit vorerst vom Tisch sein.

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383,7 Millionen Euro für die Defensive

Aké ist mit 25 Jahren bereits ein gestandener Spieler, auch wenn der internationale Durchbruch noch auf sich warten lässt. Diesen erwartet Guardiola jedoch, sonst hätte sein Klub nicht die in Corona-Zeiten bemerkenswerte Ablösesumme von 45,3 Millionen Euro ausgegeben.

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Damit investierte City seit Guardiolas Ankunft 2016 bereits 383,7 Millionen Euro - nicht in den gesamten Kader, sondern nur in die Abwehrreihe der Citizens.

Zu einem stabilen Verbund hat diese riesige Summe nicht geführt, regelmäßige Abwehrpatzer paaren sich mit der fehlenden Klasse der teuren Neuzugänge. Die verpasste Titelverteidigung in der Premier League lag maßgeblich an der Defensivschwäche.

SPORT1 fasst den Abwehr-Kaufrausch von Guardiola zusammen und analysiert, was er bisher gebracht hat.

LINKSVERTEIDIGUNG

BENJAMIN MENDY - 57,5 Mio. Euro

In drei Jahren absolvierte der Franzose gerade einmal 36 Spiele in der Premier League, immer wieder werfen den Weltmeister Verletzungen zurück. Allerdings hat er auch neben dem Platz schon für ein paar Aufreger gesorgt, unter anderem kam er wegen eines Disco- und Boxkampfbesuchs zweimal zu spät zum Training und erhielt Rüffel von Guardiola.

Sportlich liefert sich Mendy einen Zweikampf mit dem umgeschulten Mittelfeldspieler Oleksandr Zinchenko um den Stammplatz links hinten. Die Rolle des "Left Back" ist Guardiolas größte Schwachstelle, für das Aus im Halbfinale des FA Cup gegen Arsenal war Mendy hauptverantwortlich. Kein Wunder, dass Guardiola für diese Position eine Verstärkung sucht. Im Gespräch war neben Alaba auch Nicolás Tagliafico von Ajax Amsterdam.

ANGELINO - 12 Mio. Euro

Der Spanier kam als großes Talent vor der vergangenen Saison von PSV Eindhoven, spielte sportlich unter Guardiola aber kaum eine Rolle. Gerade einmal sechs Ligaeinsätze verzeichnete der 23-Jährige, ehe er im Winter zu RB Leipzig verliehen wurde. Bei den Sachsen blühte Angelino auf, die Kaufoption in Höhe von 20 Millionen Euro ist für RB momentan aber nur schwer zu stemmen.

Womöglich unternimmt Angelino in der kommenden Saison also einen zweiten Versuch bei ManCity.

INNENVERTEIDIGUNG

AYMERIC LAPORTE - 65 Mio. Euro

Der Baske kam im Januar 2018 aus Bilbao nach Manchester und war mit einer Ablöse von 65 Millionen Euro damals der zweitteuerste Abwehrspieler überhaupt nach van Dijk.

Die hohe Summe rechtfertigte der 26-Jährige aber im Großen und Ganzen, als einziger Innenverteidiger im Kader darf sich der Linksfuß als gesetzt betrachten. Dass er aufgrund einer Knieverletzung in der vergangenen Saison vier Monate fehlte, kostete ManCity einige Punkte und am Ende womöglich die Meisterschaft.

Auf den internationalen Durchbruch wartet Laporte aber noch, so absolvierte er noch kein einziges Länderspiel für sein Heimatland Frankreich.

JOHN STONES - 55,6 Mio. Euro

Als Antrittsgeschenk bei City bekam Guardiola 2016 den englischen Nationalspieler Stones, für den Verteidiger des FC Everton zahlte Manchester die damalige Rekordsumme von 55,6 Millionen Euro.

Obwohl Stones weitgehend von Verletzungen verschont blieb, absolvierte er nur 85 von 152 möglichen Ligapartien für ManCity (55,9 Prozent). In der abgelaufenen Saison kam er nur auf 16 Einsätze, nach dem Corona-Restart gab ihm Guardiola sogar nur zweimal das Startelf-Mandat.

Stones, dem zuletzt gar Talent Erik Garcia und Sechser Fernandinho vorgezogen wurden, soll den Verein so schnell wie möglich verlassen - die Ehre als teuerster Verteidiger der Welt konnte der 26-Jährige nie erfüllen.

NATHAN AKÉ - 45,3 Mio. Euro

Stones' Platz im Kader nimmt Aké ein, der für mehr als 45 Millionen Euro aus Bournemouth kommt. Der Niederländer hat für Chelsea, Watford und die "Cherries" schon 146 Spiele in der Premier League absolviert, sein Wechsel löste vor allem aufgrund der hohen Ablöse Zweifel bei Fans und Experten aus.

Ex-Verteidiger Jamie Carragher twitterte beispielsweise, dass er sich neben Laporte nur schwer einen zweiten Linksfüßer in der Innenverteidigung vorstellen könne. Dass die Abwehrproblematik mit Aké gelöst wird, muss der teure Neuzugang erst beweisen.

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RECHTSVERTEIDIGUNG

KYLE WALKER - 52,7 Mio. Euro

Die 2017 ausgegebenen 52,7 Millionen Euro bewertet in England niemals als Fehlinvestition, Walker hat seit seiner Ankunft im Etihad Stadium einen Stammplatz inne.

Der mittlerweile 30-Jährige ist trotz starker Konkurrenz (Trent Alexander-Arnold, Kieran Trippier) auch im Nationalteam gesetzt und gehört auf seiner Position zu den besten Spielern der Welt.

Kyle Walker (l.) ist bei Pep Guardiola gesetzt
Kyle Walker (l.) ist bei Pep Guardiola gesetzt © Imago

Vor einem Jahr verlängerte Walker seinen Vertrag bis 2024, rechts hinten hat ManCity keine Probleme.

DANILO - 30 Mio. Euro

Dass auch auf der Rechtsverteidiger-Position viel Geld verbrannt wurde, beweisen die beiden anderen Transfers.

Für Real-Reservist Danilo gab ManCity immerhin 30 Millionen Euro aus, der Brasilianer floppte jedoch und wechselte nach zwei Jahren 2019 zu Juventus Turin.

JOAO CANCELO - 65 Mio. Euro

Für Danilo nahm City vor einem Jahr sogar satte 37 Millionen Euro ein, die in einem kuriosen Tauschgeschäft gleich in Juves Cancelo reinvestiert wurden.

Die 65 Millionen Euro Ablöse sind Weltrekord für einen Rechtsverteidiger, der Portugiese konnte die Summe in seinem ersten Jahr allerdings nicht rechtfertigen. Gerade einmal 17 Ligaspiele absolvierte der 26-Jährige, am gesetzten Walker kam Cancelo nicht vorbei. Im Winter war der Rekordmann dann sogar wieder als Abgang im Gespräch, der angeblich interessierte FC Bayern entschied sich letztlich aber für Álvaro Odriozola.

Womöglich bietet sich für den bis 2025 unter Vertrag stehenden Cancelo eine neue Chance, die letzten beiden Ligaspiele absolvierte er über die volle Distanz als Linksverteidiger.

Da Mendy in der Champions League gegen Real Madrid (Hinspiel: 2:1) gelbgesperrt fehlt, dürfte Guardiola auch in diesem Spiel auf Notlösung Cancelo setzen (Champions League: Manchester City - Real Madrid am Fr. ab 21 Uhr im LIVETICKER)

FAZIT

Acht teure Defensiv-Spezialisten wechselten seit 2016 für über 380 Millionen Euro zu Manchester City, mit Ausnahme von Walker und (mit Abstrichen) Laporte rechtfertigte jedoch keiner die immensen Kosten.

Vor allem links hinten drückt der Schuh, sodass Guardiola mit Zinchenko und zuvor Fabian Delph zwei gelernte Mittelfeldspieler auf dieser Position ausprobierte.

Mit Aké könnte zumindest die Lücke in der Innenverteidigung geschlossen werden, links bleibt jedoch die Problemposition - für die sich mit Rekordmann Cancelo eine überraschende Lösung ergeben könnte.

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