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München - Timo Werner ist beim FC Chelsea seit zehn Spielen ohne Tor. Trainer Lampard kritisiert den Stürmer öffentlich. Der Ex-Leipziger gesteht Probleme mit der Körperlichkeit.

Die Euphorie beim FC Chelsea ist vorerst verflogen.

Nach gutem Start in die Premier-League-Saison machten sich die Blues Hoffnungen, vielleicht sogar schon in dieser Saison ihre großen Ambitionen verwirklichen und um Titel mitspielen zu können.

Doch nach der 1:3-Pleite am Boxing Day beim krisengeplagten Stadtrivalen FC Arsenal ist Ernüchterung an der Stamford Bridge eingekehrt. (Service: Ergebnisse der Premier League)

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Das gilt auch für Timo Werner.

Lampard kritisiert Timo Werner

Der deutsche Nationalstürmer blieb gegen die Gunners einmal mehr blass und wurde bereits zur Pause ausgewechselt. "Werner war besonders enttäuschend", urteilte der Guardian. "Das nächste schreckliche Spiel für den glanzlosen und armen Werner", schrieb die Sun. "Besorgniserregend" nannte das Blatt die Performance des Deutschen.

Und auch vom Trainer gab es öffentliche Kritik. "Heute hat uns Timo mit und ohne Ball nicht genug gegeben", rüffelte Lampard Werner nach der Partie öffentlich. Allerdings sei Werner nicht der einzige Spieler gewesen, mit dem Lampard unzufrieden gewesen sei. "Ich hätte noch mehr Wechsel vornehmen können", erklärte der angefressene Blues-Coach. (Service: Tabelle der Premier League)

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Vor der Partie hatte er seinen Stürmer noch in Schutz genommen, auch nach dem Spiel betonte die Blues-Legende, Werner Zeit geben zu wollen. Allerdings war die Akzentverschiebung bemerkbar, er setzte er den 24-Jährigen auch unter Druck: "Wir müssen mit ihm möglichst schnell dahin kommen, wo wir hin wollen."

Doch wo will Lampard mit Werner hin?

Längste Torlosserie für Werner seit 2016

Der 42-Jährige scheint für den Deutschen noch keine optimale Verwendung gefunden zu haben. Stellte er Werner zu Saisonbeginn noch des Öfteren in der Sturmzentrale auf - dort fühlt sich Werner am wohlsten -, agierte er in den vergangenen Spielen als Linksaußen, der früheren Position von Eden Hazard. Anders als bei RB Leipzig, wo er seine Schnelligkeit mit Läufen in die Tiefe ohne Ball optimal ausspielen konnte, muss Werner bei den Blues vermehrt ins Dribbling gehen.

Ausgezahlt hat sich das bisher nicht - im Gegenteil. Werner ist aktuell seit 674 Pflichtspielminuten ohne Treffer. Zehn Pflichtspiele in Serie ohne Tor gab es für ihn zuletzt 2016 (damals waren es sogar zwölf). Und auch das ganze Team steckt momentan im einem Formtief, drei der vergangenen vier Ligapartien gingen verloren.

Auch Werner selbst gestand jüngst, dass ihm die für ihn neue Liga noch Probleme bereite. "Es ist härter als ich dachte", erklärte er bei Sky Sports. Die körperliche Härte der Premier League sei mit der der Bundesliga nicht zu vergleichen. "Die Zweikämpfe sind härter als in Deutschland. Ich habe so etwas erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß", konstatierte er.

Auch an die Belastung müsse er sich noch gewöhnen. "Der Anfang war sehr gut, aber nach diesen ganzen Spielen hatte ich ein paar Probleme. Es ist einfach hart, wenn man alle drei Tage spielt - und dann noch am Wochenende gegen Mannschaften spielen muss, die die ganze Woche frei hatten."

Trotz des aktuellen Formtiefs ist Werners Quote aktuell sogar noch in Ordnung. In 22 Pflichtspielen, die er bereits absolvierte, erzielte er acht Treffer und gab sechs Vorlagen. Kein Blues-Spieler traf bisher öfter, auch Werners Sturmkollegen Tammy Abraham und Olivier Giroud trafen bisher achtmal - der französische Routinier Giroud benötigte dafür allerdings nur 14 Spiele.

Auch Kai Havertz sucht nach seiner Form

Lampard erwartet mehr von dem Mann, den er für 53 Millionen Euro aus Leipzig holte. Und auch Werner hat höhere Ansprüche an sich selbst. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison netzte der DFB-Spieler 34-Mal in 45 Partien.

Auch der andere deutsche Neuzugang Kai Havertz sucht noch den optimalen Platz im System Lampards. Nach ordentlichem Start setzte eine Corona-Erkrankung den 21-Jährigen Ende Oktober außer Gefecht. Seit seinem Comeback läuft es noch nicht wieder rund für den 80-Millionen-Transfer von Bayer Leverkusen.

Hartes Programm für den FC Chelsea

Fast 250 Millionen Euro gab Chelsea im vergangenen Sommer für Neuzugänge aus - eine Summe, die Chelseas Ambitionen, nach drei Spielzeiten ohne Meistertrophäe wieder oben anzugreifen, überdeutlich unterstrich, gerade in Coronakrisenzeiten.

Dass nach einem solchen Umbrauch nicht automatisch direkt ein Rad ins andere greift, dürfte Lampard im Vornherein klar gewesen sein. Dennoch: Klubeigner Roman Abramowitsch ist nicht als Geduldsmonster bekannt, der Druck auch auf Werner nicht geringer - und die Gegner nicht einfacher.

In den kommenden drei Ligaspielen müssen die Blues unter anderem gegen Manchester City und Leicester City antreten. Zunächst kommt allerdings bereits am Montag Aston Villa an die Stamford Bridge. Der Klubs aus Birmingham hat wie Chelsea 25 Punkte auf dem Konto, allerdings zwei Spiele weniger absolviert (Premier League: FC Chelsea - Aston Villa, Montag 18.45 Uhr im LIVETICKER)

Nach diesen Aufeinandertreffen dürfte Lampard endgültig wissen, wo die Reise in dieser Saison hingehen kann.

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