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Neapel und München - Mit einem Traumtor ruft sich Amin Younes beim SSC Neapel wieder in Erinnerung. Nach einem schwierigen Start könnte er für Carlo Ancelotti nun doch noch wichtig werden.

Als hätte sich Amin Younes selbst kopiert, dringt er vom linken Flügel in den Strafraum ein, läuft ein paar Schritte, schaut kurz und schlenzt den Ball dann mit rechts präzise ins rechte Eck.

Sein erstes Tor für den SSC Neapel am vergangenen Sonntag war quasi ein Abbild seines bislang letzten Treffers. Zwischen beiden Ereignissen liegen allerdings 13 mitunter turbulente Monate, in denen Younes vornehmlich keine sportlichen Schlagzeilen produzierte.

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Es war Anfang Februar 2018, da durfte Younes letztmals im Trikot von Ajax Amsterdam jubeln. Wobei seine Reaktion dieser Vokabel spottet, ein nahezu emotionsloses Abklatschen mit den Teamkollegen von Jong Ajax, der zweiten Mannschaft des niederländischen Topklubs, war das Höchste der Gefühle.

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Younes' unrühmliches Ende bei Ajax

Wegen des Versuchs, seinen Wechsel nach Neapel im Januar 2018 erzwingen zu wollen, war Younes bei Ajax in Ungnade gefallen. Nach seiner Versetzung in die zweite Mannschaft durfte er anschließend noch für vier Kurzeinsätze in der Eredivisie ran, ehe das Kapitel Ajax mit einer verweigerten Einwechslung ein unrühmliches Ende fand.

"Ich habe Fehler gemacht. Ich habe den falschen Menschen vertraut, war naiv. Das kreide ich mir an. Es war klar, dass ich im Sommer ablösefrei sein werde. Deshalb haben mir manche Leute Flöhe ins Ohr setzen wollen. Und ich habe sie mir leider reinsetzen lassen", zeigte sich Younes im Spätsommer in einem dpa-Interview geläutert.

Berichte über einen angeblich schon im Januar unterzeichneten Vorvertrag sorgten für Wirbel. Italienische Medien behaupteten zudem, Younes hätte sich damals gegen einen Wechsel zu Neapel entschieden, weil ihm die Stadt nicht gefallen habe und er auf der Straße von einem Mafioso angegangen worden sei. Laut Younes "völliger Quatsch".

Im Sommer landete er schließlich ablösefrei in Neapel - doch die unrühmlichen Schlagzeilen verfolgten ihn weiterhin. Zumal er aufgrund eines beim Privattraining erlittenen Achillessehnenrisses zunächst nicht in der Lage war, mit entsprechenden Leistungen auf dem Platz gegenzusteuern.

Ancelotti beweist Geduld

Doch sein Trainer Carlo Ancelotti, der ihn trotz seiner schweren Verletzung unbedingt verpflichten wollte, glaubte an ihn.

Und seine Geduld zahlte sich jetzt am Sonntag in Form von Younes' Tor beim 4:2-Erfolg gegen Udinese Calcio aus.

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"Er hat ernsthaft und professionell gearbeitet, weil es ihm gut geht", sagte Ancelotti hinterher. Er sei noch nicht wieder hundertprozentig fit, aber vor allem die technischen Fähigkeiten auf engstem Raum schätzt Ancelotti an Younes. "Er wird für uns noch in so vielen Spielen genauso nützlich sein wie heute."

Tordebüt sorgt für Erleichterung

Das hofft auch Younes, nachdem er gleich mit seinem allerersten Torschuss in der Serie A ins Schwarze traf. "Ich bin sehr glücklich über mein erstes Tor. Aber ich weiß auch, dass es noch einiges zu tun gibt", twitterte der 25-Jährige anschließend.

Nachdem seine Leidenszeit Anfang Dezember mit seinem Debüt für Neapel endete, bereitete ihm die schwere Verletzung anschließend immer wieder Probleme und eine weitere Zwangspause.

Nach einem Jokereinsatz in Sassuolo eine Woche zuvor feierte der Linksaußen nun sein Startelfdebüt gegen Udinese, auch weil Lorenzo Insigne verletzt passen musste.

"Er ist der zusätzliche Mann für den Endspurt", titelte die Gazzetta dello Sport.

Younes als Trumpf für die Europa League

In der Serie A ist Platz zwei hinter dem enteilten Spitzenreiter Juventus praktisch zementiert, aber vor allem in der Europa League hat Napoli, das im Viertelfinale auf den FC Arsenal trifft, noch große Ambitionen.

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Younes kennt den Wettbewerb nur allzu gut, vor zwei Jahren schaffte er mit Ajax den Sprung ins Finale.

Sein letztes Tor gelang ihm im Halbfinale gegen Olympique Lyon. Von halblinks im Strafraum, nach ein paar Schritten, einem kurzen Blick und einem Schlenzer mit rechts trudelte der Ball abgefälscht ins linke Eck. Manchmal gelangt man über Umwege aber doch noch zum Ziel.

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