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Parma und München - Franck Ribéry feiert sein Tordebüt für den AC Florenz. Grund zum Jubeln hat er nach dem nächsten sieglosen Spiel nicht. Die Krise der Fiorentina spitzt sich zu.

Als das Unheil seinen Lauf nahm, hatte Franck Ribéry schon Feierabend.

Tatenlos litt der Franzose auf der Ersatzbank mit und musste mitansehen, wie seine Teamkollegen beim AC Florenz eine vermeintlich sichere Zwei-Tore-Führung noch aus der Hand gaben.

Dabei hatte Ribéry während seines 68-minütigen Einsatzes alles für den ersten Saisonsieg der Fiorentina getan. Drei Minuten vor seiner Auswechslung krönte er seine Leistung mit seinem ersten Tor für seinen neuen Arbeitgeber.

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Nach Vorarbeit von Youngster Federico Chiesa versenkte Ribéry den Ball sehenswert per Volley mit links im rechten unteren Eck zum 2:0. Gegner Atalanta Bergamo schien geschlagen.

Ribéry-Auswechslung als Knackpunkt?

Den Sieg vor Augen reagierte Viola-Trainer Vincenzo Montella "vielleicht übertrieben", indem er sowohl Chiesa als auch Ribéry auswechselte, urteilte die Gazzetta dello Sport kritisch.

"Es wurde kompliziert, als es in die letzten Sekunden ging, und ich war wegen Fitnessproblemen zu einigen Wechseln gezwungen", erklärte Montella bei Sky Italia.

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Auch der für Ribéry eingewechselte Kevin-Prince Boateng konnte Atalantas Aufholjagd nicht verhindern. Zwei späte Gegentore durch Josip Ilicic (84.) und Timothy Castagne (90.+5) entrissen der Fiorentina doch noch die sicher geglaubten drei Punkte.

Die bittere Realität lautet: letzter Platz mit nur zwei Punkten. Als einziges Team der Serie A ist die Fiorentina nach vier Spieltagen noch sieglos. (Service: Tabelle der Serie A)

18 Mal sieglos! Florenz baut Negativserie aus

Saisonübergreifend wartet man in der Toskana bereits seit 18 Spielen auf einen Sieg. Eine vergleichbare Durststrecke gab es in Florenz zuletzt vor über 80 Jahren: In der Saison 1937/38 blieb die Fiorentina sogar 21 Spiele ohne Sieg.

Die aktuelle Krise hatte sich bereits gegen Ende der Vorsaison abgezeichnet. Coach Stefano Pioli musste nach sieben sieglosen Spielen Anfang April gehen, doch unter seinem Nachfolger Montella setzte sich die Talfahrt fort. Mit einem 0:0 am letzten Spieltag gegen den FC Genua konnte gerade so die Klasse gehalten werden.

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Mit den Starverpflichtungen von Ribéry und Boateng wurde im Sommer in der Toskana eine Aufbruchsstimmung erzeugt. Dazu konnte mit Chiesa eines der Toptalente Italiens von einem Verbleib überzeugt werden.

"Phänomen" Ribéry allein reicht nicht

Doch der holprige Saisonstart zeigt: Ein Ribéry allein reicht als Heilsbringer nicht aus.

Nach seiner starken Leistung beim 0:0 gegen Juventus vor einer Woche wurde Ribéry als "Phänomen" gefeiert. Auch nach seinem Tordebüt ebbten die Lobeshymnen nicht ab.

"Es ist die physische Verfassung des früheren Bayern-Spielers, die einen sprachlos macht", schrieb die Gazzetta und lobte seinen aufopferungsvollen Einsatz.

Mit seinem Tor schrieb der Flügelstürmer zudem Geschichte: Mit 36 Jahren und 168 Tagen war Ribéry der älteste ausländische Spieler, dem in der Serie A sein Tordebüt gelang. Geholt wurde Ribéry auch als Mentor für die jungen Spieler. In dieser Rolle geht er aktuell voran.

Trainer Montella fordert mehr Kredit

Auch wenn die Punkte bislang ausgeblieben sind, sieht Montella die Situation nicht so negativ.

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"Wir haben gegen Napoli, Juventus und Atalanta gespielt, also gegen die Top drei der vergangenen Saison. Und wir haben gegen alle drei sehr gut gespielt", sagte der 45-Jährige. "Wir hätten in all diesen Spielen mehr verdient gehabt, daher sollte man uns für das unglaublich harte Auftaktprogramm Kredit gewähren."

Zwar werde ihm der späte Nackenschlag gegen Atalanta eine schlaflose Nacht bereiten, dennoch richtete Montella am Sonntagabend den Blick nach vorne: "Ich muss den gesamten Weg dieser Mannschaft betrachten und ich muss sagen, wir sind auf dem richtigen Weg."

Doch am Ende sind es eben nur die Punkte, die einen auch auf diesem Weg wirklich voranbringen.

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