Wie Rocky! Feigenbutz mit irrem Schnee-Training
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SPORT1-Expertin Regina Halmich beleuchtet in ihrer Analyse den kommenden Kampf von Vincent Feigenbutz. Dieser habe viel gelernt, aber auch die Schattenseiten erlebt.

Liebe Boxfans,

am Samstag dürfen wir uns auf das nächste große Spektakel bei SPORT1 freuen. Insgesamt acht Kämpfe werden zu sehen sein, darunter das mit hoher Spannung erwartete Duell zwischen Vincent Feigenbutz und Ryno Liebenberg.

Ich bin davon überzeugt, dass wir ein sehr interessantes Gefecht erleben werden. Für beide Boxer geht es um äußerst viel, der Ausgang des Kampfes entscheidet über ihre Zukunft. Alles oder nichts - so könnte das Motto für beide lauten.

Liebenberg musste im vergangenen Jahr zwei Niederlagen gegen Enrico Kölling einstecken, eine weitere Pleite wäre wegen seiner 34 Jahre gleichbedeutend mit dem Karriereende. Sollte er allerdings gewinnen, bekäme er wahrscheinlich seine letzte Chance auf einen Titelkampf.

Für Feigenbutz wäre eine Niederlage derweil eine Katastrophe im Hinblick auf die kommende Weltmeisterschaft. Er ist mit seinen 22 Jahren zwar noch sehr jung, doch dürfte man eine solche Pleite niemals unterschätzen - gerade was die Psyche anbelangt.

Als Feigenbutz zuletzt verlor - es war der 9. Januar 2016 gegen Giovanni De Carolis -, hat er lange gebraucht, um wieder aufzustehen. Etwas Ähnliches könnte abermals drohen, deswegen wäre ein Sieg ungemein wichtig, für ihn und seine Mentalität.

Ich traue Feigenbutz durchaus zu, Liebenberg zu schlagen. Er ist fokussiert und konzentriert und hat sich in den vergangenen Wochen nur ums Boxen gekümmert. Sein Kopf ist frei, und solange er das beibehält, wird er diesen Kampf gewinnen. Liebenberg ist zweifellos ein Prüfstein, aber darf Feigenbutz nicht aufhalten.

Vor dem Kampf wurden zwar viele Töne gespuckt, aber ich weiß, dass Feigenbutz mit der nötigen Ernsthaftigkeit herangeht. Gepaart mit seiner ihm geschenkten Lockerheit erachte ich ihn für bestens gewappnet.

Was das Alter angeht, sehe ich jedoch keine Vorteile bei Feigenbutz, der zwölf Jahre jünger ist als der Südafrikaner. Er mag zwar frischer und unverbrauchter sein, aber das ist im Boxen nicht immer entscheidend. Und Liebenberg konnte große Erfahrung sammeln in den Kämpfen gegen Kölling.

Wer denkt, Liebenberg sei wegen der Pleiten mental geschwächt, mag sich irren. Denn gerade darin liegt seine große Stärke oder Möglichkeit. Er hat nichts mehr zu verlieren und wird alles in den Ring werfen, was er zu geben vermag. Dieser Umstand könnte für Feigenbutz zu einer hohen Gefahr werden.

Umso wichtiger wäre es, dass er gut in den Kampf kommt. Dabei sind die ersten Runden entscheidend. Kommt er gut in den Kampf, wird er das nötige Selbstvertrauen gewonnen haben und sollte das Duell zu seinen Gunsten gestalten. 

Bei jener angesprochenen Niederlage gegen De Carolis hat Feigenbutz die Schattenseiten des Boxens, der Medien und der Fans kennengelernt. Er hat anschließend viel über sich nachgedacht und wichtige Dinge gelernt. Er ist nun deutlich reifer und erwachsener und bereiter denn je, ein großer Boxer zu werden.

Trotz aller Euphorie kann man noch nicht sagen, ob sich Feigenbutz in der absoluten Weltspitze durchsetzen wird. Aber er ist allgemein auf einem sehr guten Weg. Von Kampf zu Kampf stelle ich einen Fortschritt fest. Von seinem Naturell her ist er ohnehin ein großer Kämpfer. Wenn er jetzt noch stetig an seiner Technik und Boxintelligenz arbeitet und man ihm auch die Zeit gibt, ist vieles möglich. 

Eure Regina Halmich

Die Kämpfe im Überblick:

18.50 Uhr (Light Heavyweight/4 Runden): Ufuk Temur (Deutschland) - Ata Dogan (Türkei)
19.20 Uhr (Heavyweight/6 Runden): Kem Ljungguist (Dänemark) - Igor Mihaljevic (Kroatien)
20.15 Uhr (Super Middleweight/6 Runden): Patrick Rokohl (Deutschland) - Mika Joensuu (Finnland)
20.45 Uhr (Light Heavyweight/8 Runden): Leon Bunn (Deutschland) - Maurice Possiti (Frankreich)
21.30 Uhr (WIBF/GBU World Female Featherweight Championship/10 Runden): Nina Meinke (Deutschland) - Vissia Trovata (Italien)
22.00 Uhr (Super Middleweight/8 Runden): Denis Radovan (Deutschland) - Mattia Scaccia (Italien)
23 Uhr (IBF Inter-Continental Super Middleweight Title - 12 Runden):  Vincent Feigenbutz (Deutschland) - Ryno Liebenberg (Südafrika) 

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