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Oleksandr Usyk v Tony Bellew - Cruiserweight World Title Fight
Oleksandr Usyk v Tony Bellew - Cruiserweight World Title Fight © Getty Images
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München - Oleksandr Usyk bestätigt gegen Bellew sein Ausnahmetalent und visiert den Schwergewichts-Thron an. Wladimir Klitschko brachte er auch schon ins Schwitzen.

An dem Mann, der sich anschickt, das nächste große Ding im Schwergewicht zu werden, soll auch Wladimir Klitschko schon verzweifelt sein.

Vor drei Jahren war Oleksandr Usyk, bevor er Vierfach-Weltmeister im Cruisergewicht wurde, Sparringspartner seines ukrainischen Landsmanns.

Klitschko bereitete sich damals auf seinen (dann verlorenen) Fight gegen Tyson Fury vor. In einem Showtraining stand Usyk mit dem damaligen Weltmeister im Ring - und wie der britische Kommentator Johnny Nelson später berichtete, schickte Klitschko Usyk nach einer Runde aus dem Ring. Er hätte ihn vor der versammelten Presse zu schlecht aussehen lassen.

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"Er hat Wladimir im Ring herumkommandiert", erinnerte sich Augenzeuge Nelson - und bekam das Gefühl: Er ist etwas Besonderes, dieser Oleksandr Usyk.

Joshua sieht Usyk als "perfekten Boxer"

Usyk hat diese Vorahnung bestätigt: Im vergangenen Jahr vereinigte der Schwergewichts-Olympiasieger von 2012 als erster Gewinner der Muhammad Ali Trophy die Titelgürtel von vier Weltverbänden - und besiegte dabei bemerkenswerterweise alle drei Turniergegner (unter ihnen Marco Huck) in deren jeweiligen Heimatländern.

Am Samstag verteidigte Usyk nun seine Trophäensammlung mit einem endrucksvollen K.o gegen den Briten Tony Bellew - sein 16. Sieg im 16. Profikampf, der zwölfte durch K.o. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dieser Kampf für Usyk nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum nächsten großen Ziel war: der Eroberung des Schwergewichts-Throns.

"Er muss definitiv gegen Anthony Joshua kämpfen", befand Alexander Krassjuk nach dem Sieg über Bellew. Krassjuk ist Teil der von den Klitschkos gegründeten Firma K2 Promotions, die zusammen mit der britischen Firma Matchroom Usyks Interessen vertritt.

Matchroom Boxing ist auch die Promotion von Schwergewichts-Champ Joshua, der Usyk bereits vor dem Sieg über Bellew als "perfekten Boxer" gewürdigt hat. Der ausgeknockte Bellew hielt nach der Niederlage ehrfurchtsvoll fest: "Er ist wohl der beste Cruisergewichtler aller Zeiten. Schwergewichte, haltet euch von ihm fern."

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Eine explosive Mischung

Ein bisschen Übertreibung ist bei diesen Lobeshymnen dabei, Usyk hatte in vielen seiner größeren Kämpfe Schwächephasen, auch gegen Bellew. Dennoch: Dass Usyk sich zur veritablen Bedrohung für Joshua, Deontay Wilder und Co. entwickeln kann, ist nicht zu übersehen.

Der 1,90 Meter große Rechtsausleger - Spitzname: "The Cat" - bietet eine explosive Mischung aus technischer Finesse, Schlagtempo, außerordentlicher Beweglichkeit und Kondition. Experten ordnen ihn als eine Art großen Bruder seines Landsmanns Wassyl Lomatschenko ein - der Leichtgewichts-Weltmeister gilt als derzeit bester Boxer der Welt.

Usyks Allround-Talent könnte den Größen- und Reichweitenvorteil der jeweils rund zehn Zentimeter größeren Joshua und Wilder durchaus ausgleichen.

Ein politischer Mensch - wie die Klitschkos

Usyk hat übrigens nicht nur die Nationalität und das sportliche Talent mit den Klitschkos gemeinsam: Wie die beiden Superstars ist er Akademiker, hat einen Uni-Abschluss an der Sporthochschule Lwiw.

Auch als politisch denkender Mensch hat er sich zu erkennen gegeben: Usyk ist auf der Krim geboren, die 2014 im russisch-ukrainischen Konflikt von Russland annektiert wurde. Usyk bekannte sich damals zu seiner ukrainischen Heimat und erklärte, dass er niemals die russische Staatsbürgerschaft akzeptieren würde. Er zog mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern nach Kiew - die ukrainische Hauptstadt, in der Vitali Klitschko jetzt Bürgermeister ist.

Zuletzt hat Usyk sich mit politischen Statements allerdings zurückgehalten: Es scheint so, als ob er inzwischen alle Energien bündelt, sich das sportliche Erbe der Klitschkos zu erarbeiten.

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