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Baron Corbin (M.) gewann bei WWE Money in the Bank 2017 den Koffer
Baron Corbin (M.) gewann bei WWE Money in the Bank 2017 den Koffer © WWE
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München - Ein Sieg bei WWE Money in the Bank ist für die meisten Sprungbrett zum Titel. Baron Corbin wurde 2017 stattdessen blamiert - aus einem heiklen Grund.

Mit Edge fing vor 12 Jahren es an, CM Punk, Daniel Bryan, Seth Rollins und viele andere folgten auf ihren Spuren.

Wer bei WWE das Money-in-the-Bank-Match gewinnt, der hat in der Regel die Gewissheit, im Jahr darauf auch zum Champion aufzusteigen. Nicht allen aber, die den prestigeträchtigen Sieg in dem großen Leitermatch einfahren durften, hat der Koffer Glück gebracht. Unter ihnen: Baron Corbin, der Sieger von WWE Money in the Bank 2017.

Auf blamable Art und Weise verspielte Corbin im Sommer 2017 seine Titelchance gegen den damaligen World Champion Jinder Mahal. Es folgte eine klare Pleite gegen Superstar John Cena beim SummerSlam.

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Viel wurde spekuliert über den jähen Absturz des 35-Jährigen, von dem er sich bis heute nicht völlig erholt hat. Die Gründe kamen erst später ans Licht.

Baron Corbin stritt mit WWE-Arzt

Der Pro Wrestling Insider meldete, dass es hinter den Kulissen einen Vorfall gab, der ihm "Backstage-Heat" eingebracht hat - das Branchenwort für Ärger mit Management und Kollegen. Es ging um eine heikle Diskussion, die der "Lone Wolf" mit einem WWE-Arzt angezettelt hat.

Dr. Joseph Maroon, Chef des Gesundheits- und Anti-Doping-Programms der Liga, hielt demnach Anfang August eine Ansprache an die Wrestler, in der es darum ging, dass sie jede Art von Kopfverletzung an das WWE-Management zu melden hätten. Corbin soll Maroon dabei in eine Diskussion verstrickt haben, weil sich unterschiedliche Standpunkte offenbarten.

Man muss wissen: Corbin - bürgerlich: Thomas Pestock - ist früherer Footballer, auch kurz in der NFL. Und der Neurologe Maroon ist ein langjähriger NFL-Arzt, der im Zuge der "Concussion Crisis" Kritik auf sich gezogen hat, weil er die Gehirnerschütterungsfolgekrankheit CTE (chronisch traumatische Enzephalopathie) für nicht ganz so verbreitet hält wie andere Experten.

Tom Pestock alias Baron Corbin stand in der NFL bei den Indianapolis Colts und den Arizona Cardinals unter Vertrag
Tom Pestock alias Baron Corbin stand in der NFL bei den Indianapolis Colts und den Arizona Cardinals unter Vertrag © Getty Images

Die degenerative Krankheit wurde bei diversen verstorbenen Footballern festgestellt, aber auch bei früh verstorbenen Wrestlern wie Chris Benoit, Axl Rotten, Balls Mahoney und Andrew "Test" Martin. Auch bei den zurückgetretenen Daniel Bryan und Bret Hart wurden Symptome von CTE festgestellt (klar diagnostizierbar ist die Krankheit bei Lebenden nicht).

Joseph Maroon kam auch in Hollywood-Film vor

Der bekannte Fachmann Maroon kommt in dem Hollywood-Film "Concussion" vor, in dem es um die Entdeckung von CTE geht. Der 1940 geborene Mediziner wird in dem Film - der die Kopfverletzungs-Debatte stark angeheizt hat - als mindestens unglückliche Figur dargestellt, die das Problem unterschätzt hat.

Corbin soll ihm genau das vorgehalten und auch darauf hingewiesen haben, dass er selber sich einer Klage gegen die NFL angeschlossen habe (was vorher nicht bekannt war).

Mehreren Quellen zufolge entwickelte sich eine längere Diskussion der beiden, in der Corbin zwar nicht aggressiv und laut wurde. Außerdem seien sich Corbin und Maroon letztlich einig geworden, dass CTE ein Problem sei, an dessen richtiger Einordnung alle interessiert seien. Trotzdem war die Situation den Zeugen zufolge "peinlich", auch wenn diverse Kollegen beeindruckt von Corbins Selbstbewusstsein gewesen seien, das hinter den Kulissen generell ähnlich hoch sein soll wie vor der Kamera.

Das WWE-Management hätte es aber wohl als Fehltritt Corbins gewertet, nicht unter vier Augen das Gespräch mit Maroon zu suchen, sondern ihn vor Kollegen bloßzustellen. So hätte er dessen Autorität untergraben - und sei aller Wahrscheinlichkeit nach dafür bestraft worden, um ihm die Grenzen aufzuzeigen.

Karriere-Knick wurde nicht zum Absturz

Bis dahin war die WWE-Karriere Corbins steil nach oben gegangen: Nachdem er es zwischen 2009 und 2011 bei den Indianapolis Colts und den Arizona Cardinals in die Practice Squads geschafft, sich aber nicht durchsetzen konnte, wurde er 2012 von der Wrestling-Liga engagiert und konsequent gefördert.

Von fast 150 auf 125 Kilo heruntertrainiert, etablierte sich der aus einer Bauarbeiter-Familie stammende 2,03-Meter-Mann in der Rolle als fähiger "Heel", der die Abneigung des Publikums effektiv auf sich ziehen kann.

Der Knick 2017 wurde letztlich auch keinesfalls zu einem Totalabsturz: Kurz nach seinem Kofferverlust wurde er zumindest US-Champion, danach übernahm er eine zentrale Rolle bei der Flaggschiff-Show Monday Night RAW - mit neuem, ganz kahlen Haarschnitt. Er spielte erst den bösen "Constable", dann den Interims-GM, der alles daran setzte, selbst General Manager der Show zu werden. Bei WrestleMania 35 durfte er Legende Kurt Angle in dessen letztem Match besiegen, war Fehdengegner von Universal Champion Seth Rollins, im September 2019 wurde er zum King of the Ring gekrönt.

Ligachef Vince McMahon soll viel von Corbin halten. Den großen Titel, für den Corbin prädestiniert schien, durfte er aber bis heute nicht gewinnen. Es bleibt abzuwarten, ob sich das noch ändert.

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