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Brooklyn - Die WWE-Karriere von Batista ist nach dem WrestleMania-Match gegen Triple H zu Ende. Sie war sehr erfolgreich, aber auch von manchem Stunk geprägt.

Er hat es genau so durchgezogen, wie er es schon vor Jahren angekündigt hat: Nach einem letzten Match gegen den alten Weggefährten Triple H bei WWE WrestleMania 35 im April 2019 hat Batista im Alter von 50 Jahren seine Karriere im Wrestling offiziell beendet.

"Danke, dass ich euch unterhalten durfte", schrieb Batista alias Dave Bautista nach dem Kampf bei Twitter: "Ich liebe dieses Geschäft und ob ihr mich bejubelt oder ausgebuht habt, ich bin dankbar, dass ich kein kleiner Teil eures Lebens war. Ich bin offiziell im Sports-Entertainment-Ruhestand und dankbar für jede Sekunde meiner wundervollen Reise."

Batista - der im Lauf seiner WWE-Karriere auch mit dem Undertaker, John Cena, Bill Goldberg, Roman Reigns und vielen anderen kollidierte - ist im Hauptberuf inzwischen erfolgreicher Hollywood-Schauspieler, bekannt durch Filme wie Guardians of the Galaxy, James Bond - Spectre, Blade Runner 2049.

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Triple H riss Batista den Nasenring heraus

Der 50 Jahre alte Batista verlor zum Abschied gegen Triple H, seinen alten Rivalen, gegen den er bei WrestleMania 21 im Jahr 2005 seinen großen Durchbruch und Aufstieg zum World Champion bei WWE gefeiert hatte.

Es war ein "No Holds Barred Match" ohne Disqualifikation, bei dem Batista von seinem Gegner in einer besonders skurrilen Einlage seinen Nasenring mit einer Zange herausgerissen bekam. Am Ende machte ein Eingriff des gemeinsamen Weggefährten Ric Flair den Unterschied. Eine Attacke Batistas auf Ric Flair an dessen 70. Geburtstag hatte die Fehde eingeleitet.

Batista, Triple H und Flair bildeten zwischen 2003 und 2005 zusammen mit Randy Orton die erfolgreiche Gruppierung Evolution, in dem die Veteranen Flair und Triple H dem jungen Orton und Batista zu den Stars der Zukunft machen sollten.

Nach "Evolution" 2005 der Durchbruch

Entgegen der Erwartung vieler klappte das bei Batista besser als bei Orton: Nachdem Ortons Aufstieg zum Champion 2004, sein Rauswurf aus Evolution und eine anschließende Fehde mit Triple H floppte, entpuppte sich stattdessen Batista als richtiger Mann zur richtigen Zeit.

Zarte Andeutungen, dass er sich gegen Triple H wenden könnte, wurden von den Fans begeistert aufgenommen - und mündeten dann in einer clever durchgezogenen Abnabelung: Batista gewann den Royal Rumble 2005, nahm seinen Mentor ins Visier und entthronte ihn bei WrestleMania 21 als World Champion.

Vor allem der Moment, in dem Batista sich gegen Triple H wandte, ist unvergessen: Scheinbar erfolgreich manipuliert, von RAW zu SmackDown zu wechseln und dessen Champion JBL statt Triple H herauszufordern, senkte Batista über ihm den Daumen und ließ ihn durch einen Tisch krachen. Das Segment machte später als vielfach aufgegriffenes Internet-Meme eine Zweitkarriere.

Als Spätstarter zum WWE-Debüt

Der griechisch-philippinisch-stämmige Batista wuchs in schwierigen Verhältnissen im Großraum Washington auf, als Sohn eines Friseurs und einer lesbisch gewordenen Mutter (was er selbst immer wieder positiv hervorhebt).

Der frühere Rettungsschwimmer und Türsteher - nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung in diesem Job einst zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - war ein Spätberufener, der seine Karriere erst mit 30 Jahren begann. Er kämpfte bei der früheren Konkurrenzliga WCW vor und wurde als untalentiert abgelehnt.

WWE gab ihm eine Chance und er entwickelte sich erfolgreich: Nachdem er in der Nachwuchsliga OVW den monströsen "Leviathan" spielte, feierte er 2002 ein eher skurriles Debüt als "Deacon Batista", Handlanger des damals als bösem Priester auftretenden D-Von Dudley, ging dann aber recht bald in eine ernstzunehmende Richtung.

Batista hielt zwischen 2005 und 2010 viermal den World und zweimal den WWE Title, war der zweitgrößte Star hinter John Cena, bestritt auch eine vielgelobte Fehde mit dem Undertaker und ein sehr gelungenes Abschiedsprogramm als böser "Heel".

Letzteres krönte er mit einem denkwürdigen letzten Auftritt, in dem er in einem Rollstuhl sitzend seine Kündigung mitteilte und eine hoch unterhaltsame letzte Schimpfkanonade gegen Liga und Fans abfeuerte.

2010 verließ er die Liga tatsächlich aufgrund kreativer Differenzen und wurde erfolgreicher Schauspieler, ein zwischenzeitliches WWE-Comeback 2014 endete ebenfalls im Streit.

Batista skizzierte seinen Plan schon 2017

Das Wunschszenario für seinen endgültigen Abschied skizzierte Batista schon 2017 in einem Podcast-Interview mit seinem früheren WWE-Kollegen Chris Jericho.

Eine abschließende Fehde mit Triple H wolle er noch führen und damit seine Karriere abrunden. Es sei "die einzige Sache, an der ich interessiert bin".

Nach Jahren des Vertröstens ging WWE schließlich auf Batistas Wunsch ein, in Gefahr brachte sie zum einen ein Brustmuskelriss von Triple H, aber auch Abwerbeversuche des neuen Rivalen AEW. Ebenjener Jericho, bei dem Batista sich vor zwei Jahren beklagt hatte, versuchte Batista für seinen neuen Arbeitgeber zu gewinnen - vergeblich.

Bösewicht - und Spaß dabei

Manch ein Fan ist irritiert, dass Batista sein letztes großes Programm bei WWE als Heel, also als Bösewicht bestritt. Das ist aber keine Entscheidung, die ihm aufgezwungen wurde, im Gegenteil.

Batista selbst hatte sich 2016 in einem Interview beklagt, dass Ligachef Vince McMahon ihn bei seinem ersten Comeback 2014 als Liebling besetzte: "Ich habe ihm gesagt: 'Das wird nicht funktionieren, ich bin ein Böser. Die Fans wollen mich als Böser.'"

Generell sei er damals im ständigen Clinch mit den WWE-Oberen über die Ausrichtung seines Charakters gewesen: "Ich stand jeden Tag vor Vinces Büro und wollte mit ihm reden. Er wollte mich den Fans reinwürgen, als Babyface, und es wurde schlimmer und schlimmer."

Tatsächlich wandten sich die Fans gegen Batista, es war die Zeit, in der sie den Aufstieg von Daniel Bryan zum Underdog-Champion sehen wollten, Batista wurde letztlich doch zum Heel und zum Steigbügelhalter für Bryan gemacht, der Batista und Orton bei WrestleMania 30 besiegen durfte.

Auf die Streitigkeiten gab es auch in Batistas Abschiedsfehde Anspielungen, als Triple H Batista vorwarf, jedesmal aufzugeben und zu gehen, wenn ihm etwas nicht passe - was diesmal aber reine Story war.

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