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Mateusz Przybylko wurde 2017 und 2018 Deutscher Meister im Hochsprung
Mateusz Przybylko wurde 2017 und 2018 Deutscher Meister im Hochsprung © Getty Images
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Mateusz Przybylko sorgt bei der Leichtathletik-EM für eine faustdicke Überraschung. Der Hochspringer holt Gold, die Emotionen kochen über.

Nach seiner goldenen Flugshow war Mateusz Przybylko nicht mehr aufzuhalten und wurde zum echten Feierbiest.

Der neue Hochsprung-Europameister hüpfte völlig losgelöst über die blaue Bahn des Berliner Olympiastadions, tanzte mit Maskottchen Berlino und drehte unter dem Jubel von 60.500 Fans eine nicht enden wollende Ehrenrunde - die hatte sich der Nachfolger des großen Dietmar Mögenburg auch redlich verdient. (Zeitplan der Leichtathletik-EM)

"Ich hatte das Gefühl, dass es für eine Medaille reichen könnte. Ich habe mein gutes Gefühl aus der deutschen Meisterschaft mitgenommen. Hier hatte ich ne weiße Weste, dieses Publikum hat mich über die Latte getragen. Es ist Wahnsinn, unglaublich. Ich glaube ich kann morgen nicht sprechen", sagte er zu SPORT1.

Przybylko außer Rand und Band

"Es war so ein spannender Wettkampf. Danke, danke für alles", rief Przybylko unter Tränen ins Stadionmikrofon. An einem absoluten Sahnetag marschierte der 26 Jahre alte Leverkusener mit 2,35 m zu Gold - ohne einen einzigen Fehlversuch bis einschließlich dieser Höhe! Damit wurde er zum zweiten deutschen Hochsprung-Europameister nach Mögenburg im Jahr 1982.

Noch Minuten nach seinem Triumph war Przybylko völlig aufgedreht: "Ich habe 100, wenn nicht 200 Prozent gegeben. Das war der beste Wettkampf meiner Karriere", sprudelte es völlig euphorisiert beim ZDF aus ihm heraus. "Ich musste einfach heulen. Es war immer mein Traum Europameister zu werden. Ich habe nur noch geschrien. Ich war die ganze Zeit unglaublich nervös, aber ich habe immer daran geglaubt, dass da etwas geht.

Während des Interviews bekam er sogar einen Krampf, krümmte sich in einer Mischung aus Lachen und Schmerz: "Ich war so nervös, ich kann nicht mehr stehen."

Zweite Hochsprung-Medaille in Berlin

Zum Abschluss seines großen Tages versuchte sich Przybylko an der neuen deutschen Rekordmarke von 2,38 m, einen Zentimeter mehr als Carlo Thränhardt, die andere große deutsche Hochsprung-Ikone, vor 31 Jahren. Nach einem vergeblichen Versuch entschied sich Przybylko aber dazu, die große Party zu starten und brach den Wettkampf ab.

24 Stunden nach Bronze durch Marie-Laurence Jungfleisch war es die zweite Hochsprung-Medaille für das deutsche Team bei den Heim-Titelkämpfen.

Silber in Berlin ging an den Weißrussen Maxim Nedasekau (2,33), Bronze an den neutralen Athleten Ilja Iwanjuk aus Russland (2,31). Eike Onnen (Hannover), vor zwei Jahren EM-Dritter, kam mit 2,19 m auf Platz acht. (Medaillenspiegel der European Championships)

Nächstes Ziel: Deutscher Rekord

Für Przybylko war es ein Erfolg mit Ansage. Der äußerst selbstbewusste Leverkusener, dessen Bruder Kacper - zurzeit vereinsloser - Fußballprofi (zehn U21-Länderspiele für Polen, 114 Einsätze in der 2. Bundesliga) ist, hatte sich in den vergangenen beiden Jahren als deutsche Nummer eins etabliert. 2017 sprang er bereits 2,35 m, konnte dies aber bei der WM in London nicht ganz bestätigen.

Was er drauf hat, stellte Przybylko schon mit Platz drei bei der Hallen-WM im März in Birmingham unter Beweis. In Berlin münzte er sein ganzes Selbstvertrauen nun endgültig in Höhe um.

Sein nächstes Ziel hat sich Przybylko aber schon ausgeguckt: Er will den deutschen Rekord brechen, den seit 31 Jahren Thränhardt mit 2,37 m hält. "Den Rekord will ich mir jetzt holen. Wann, das ist egal. Ich bin ja noch jung", hatte er gesagt.

Przybylko: Neue Disziplin im Visier

Außerdem möchte er auch bei einem anderen Wettkampf die Konkurrenz schocken: "Ich will die 7,40 Meter beim Weitsprung knacken. Das hilft, auch als mentale Pause vom Hochsprung", erklärte Przybylko.

In Berlin hatte allerdings der beste Springer Europas in diesem Jahr gefehlt. Der russische Hallen-Weltmeister Danil Lyssenko, der 2018 bereits 2,40 m überquert hatte, verlor kurz vor EM die Startberechtigung.

Der Weltverband IAAF sah einen Verstoß gegen die im Zuge des Dopingskandals in Russland und der folgenden Suspendierung des nationalen Verbands formulierten Auflagen für neutrale Athleten im Fall Lyssenkos, weil dieser versäumt habe, seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben, und deshalb nicht für Dopingkontrollen verfügbar gewesen sei.  

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