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Karsten Warholm verpasste den Weltrekord über 400 Meter Hürden nur knapp
Karsten Warholm verpasste den Weltrekord über 400 Meter Hürden nur knapp © Imago
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München - Karsten Warholm ist einer der absoluten Stars der Leichtathletik. Bei SPORT1 spricht der Hürdenläufer über seine unglaubliche Saison, Olympia 2021 und Erling Haaland.

Die Corona-Pandemie hat die geplante Olympia-Saison ordentlich durcheinandergerüttelt - da macht die Leichtathletik keine Ausnahme.

Statt bei den Spielen in Tokio Höchstleistungen zu bieten, mussten die Sportler bestenfalls mit kleineren Meetings vorlieb nehmen und schraubten demzufolge ihre Aktivitäten herunter.

Doch während die meisten Top-Athleten dieses Jahr dazu nutzten, um durchzupusten und etwaige Verletzungen vollständig auszukurieren, hielt ein Superstar die Spannung hoch. Der Norweger Karsten Warholm machte Jagd auf den ältesten noch bestehenden Weltrekord - den über 400 Meter Hürden.

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Dabei verpasste der 24-Jährige die Bestmarke von Kevin Young aus dem Jahr 1992 im August beim Diamond-League-Meeting von Stockholm nur um neun Hundertstelsekunden und verbesserte seinen Europarekord auf 46,87 Sekunden. Zum Vergleich: Kein einziger seiner Rivalen lief 2020 unter 49 Sekunden - über die Stadionrunde sind das ganze Welten.

"Wenn ich einer seiner heutigen Rivalen wäre, würde ich Warholm hassen", sagte Noch-Weltrekordler Young kürzlich mit einem Augenzwinkern der L'Équipe.

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Bei SPORT1 erklärt Warholm, wie ihn Corona zu neuen Trainingsinhalten führte, ob er sich den Weltrekord nur aufgehoben hat und was er von seinem Landsmann Erling Haaland hält.

SPORT1: Herr Warholm, während die meisten anderen Athleten die Saison auf Sparflamme bestritten, haben Sie sich keine Pause gegönnt. Wie kam es dazu, dass Sie trotz der Rumpfsaison so schnell unterwegs waren?

Karsten Warholm: Für mich war es wichtig, die tägliche Routine beizubehalten. Sie hilft mir sehr, wenn unvorhergesehene Situationen wie Corona auftreten. Zusammen mit meinem Trainer Leif Olav Alnes haben wir ein Training ausgearbeitet, für das wir früher keine Zeit hatten. Also haben wir die Denkweise geändert und die Pandemie-Situation genutzt, um die Trainings und Wettkämpfe im Jahr 2020 anders zu gestalten.

Weltrekord? "Es bleibt schwer, ihn zu knacken"

SPORT1: Es hat ganz offensichtlich etwas gebracht, denn Sie liegen nur noch 0,09 Sekunden hinter dem Weltrekord von Kevin Young. Könnten Sie mich verstehen, wenn ich darauf wetten würde, dass Sie diesen Rekord im nächsten Jahr verbessern?

Warholm: Weil ich dem Weltrekord schon so nahe gekommen bin, kann ich schon verstehen, dass Sie das für möglich halten. Nichtsdestotrotz bleibt es schwer, den Rekord zu knacken. Und doch gibt es potenziell drei, vier Athleten, die in der Lage sein könnten, diesen Rekord zu brechen - wenn man auf das Niveau von 2019 zurückblickt.

SPORT1: Glauben Sie, dass es notwendig sein wird, in Tokio Weltrekord zu laufen, um Olympiasieger zu werden?

Warholm: Darüber möchte ich nicht spekulieren. Die Saison 2020 war für uns alle eine ganz besondere, und wir wissen nicht, wie das Niveau über die 400 Meter Hürden in der Saison 2021 sein wird. Hoffentlich findet Olympia überhaupt statt.

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SPORT1: In Deutschland sind Erfolge über 400 m Hürden Jahrzehnte entfernt. Harald Schmid war in den 1980er Jahren der Konkurrent von Edwin Moses und hielt lange Zeit den europäischen Rekord. Sagen Ihnen die Namen noch etwas?

Warholm: Ich habe einige der Rennen mit Moses und Schmid gesehen und auch über sie gelesen. Zusammen mit ein paar anderen Athleten sind die beiden echte Legenden über 400m Hürden. Mein Trainer (der 63 Jahre alt ist, Anm. d. R.) hat diese Rennen früher selbst erlebt und verweist oft auf diese historischen Duelle.

SPORT1: Apropos Trainer: Sie haben eine besondere Beziehung zu ihm. Wie hoch ist sein Anteil an Ihrem Erfolg?

Warholm: Ich teile all meine Erfolge mit ihm. Er ist der Mann, dem ich diese Erfolge zu verdanken habe. Wir haben eine besondere Beziehung und vertrauen uns gegenseitig vollkommen.

Karsten Warholm schwärmt von Erling Haaland

SPORT1: Als Sie 2019 in Doha zum zweiten Mal Weltmeister wurden, hat eine Tankstelle in Ihrer Heimatstadt Ulsteinvik die Preise gesenkt. Können Sie sich vorstellen, was passieren würde, wenn Sie in Tokio Olympiasieger würden?

Warholm: (lacht) Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich liebe es aber, dass Sport solche Dinge auslösen kann. Die Menschen in meiner Heimatstadt haben sich schon früher einige Sachen überlegt, als ich an Meisterschaften teilgenommen habe - und zum Beispiel Hürden auf die Straße gestellt. Ich finde das großartig.

SPORT1: Norwegen hat nur 5,4 Millionen Einwohner. Umso überraschender sind die Erfolge der norwegischen Athleten in der letzten Zeit. Gibt es dafür eine Erklärung?

Warholm: Es gibt keine klaren Antworten, warum das so ist. In der norwegischen Leichtathletik wechselten sich schon immer erfolgreiche Perioden mit relativ erfolglosen Phasen ab. Aber im Moment ist es sehr gut, und ich bin froh, ein Teil davon zu sein.

SPORT1: Bisher war Norwegen vor allem als ein Land der Wintersportler. Sitzen Ihre Landsleute dank Ihrer Erfolge nun auch im Sommer vor dem Fernseher?

Warholm: Man hat mir gesagt, dass viele Menschen vor dem Fernseher sitzen, wenn die Diamond League läuft oder es um Medaillen geht. Das hohe Niveau der norwegischen Athleten trägt dazu bei, das Interesse der Menschen an diesem Sport zu steigern. Ich finde das fantastisch.

SPORT1: Mit Erling Haaland sorgt derzeit ein norwegischer Fußballer in Deutschland für Aufsehen. Was halten Sie von Ihrem Landsmann, der in der Bundesliga so viele Tore schießt?

Warholm: Er ist ein hervorragender Fußballer. Natürlich verfolge ich seine Karriere und finde es toll, dass ein Norweger im Ausland so einen Erfolg hat.

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