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Fabiano Caruana fordert Schach-Weltmeister Magnus Carlsen heraus
Fabiano Caruana fordert Schach-Weltmeister Magnus Carlsen heraus © Getty Images
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München - Fabiano Caruana spielt als erster US-Amerikaner seit Bobby Fischer um die Schach-WM. Magnus Carlsens Herausforderer ist weniger schillernd, aber brillant.

Im Jahr 1972, schaute ganz Amerika, ja die halbe Welt, gebannt nach Reykjavik, wo der schillernde Bobby Fischer dem Russen Boris Spasski die WM-Krone im Schach entriss.

46 Jahre nach diesem diesem "Match des Jahrhunderts", mitten im Kalten Krieg, greift erstmals wieder ein US-Amerikaner nach dem Thron: der 26 Jahre alte Fabio Caruana fordert Magnus Carlsen um die Schach-WM heraus.

Auch Caruanas Duell in London mit dem ein Jahr älteren Norweger ist ein Kampf der Systeme - wenn auch auf anderer Ebene.

Bobby Fischer war Schach-Weltmeister von 1972 bis 1975
Bobby Fischer war Schach-Weltmeister von 1972 bis 1975 © Imago

Fabia Caruana gilt als "Computer"

Der Norweger und Caruana sind zwei grundverschiedene Spielertypen: Während sich "König Magnus", der "Mozart des Schach" und große Superstar der Szene, vor allem auf seine überragenden Improvisationsfähigkeiten verlässt, ist der zurückhaltende Caruana eher ein kühler Analytiker. Als "Computer" betitelte ihn Carlsen einmal, als seinen Kontrahenten mit nur einem Wort beschreiben sollte.

Was sein Gegner damals durchaus ein wenig despektierlich meinte, ist bei genauerer Betrachtung Caruanas großer Trumpf. Kaum ein anderer Topspieler stellt während einer oft stundenlangen Partie derart exakte Chancen/Nutzen-Kalkulationen auf wie der 26-Jährige. Zwar bringt ihn diese Herangehensweise aufgrund längerer Bedenkzeiten regelmäßig in Zeitnot. Sie lässt ihn jedoch auch selten unvorbereitet in gegnerische Fallen tappen. "Ich gehe ein Spiel eher vom wissenschaftlichen Standpunkt her an", sagt Caruana selbst.

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Weniger spektakulär als Magnus Carlsen - aber erfolgreich

Ganz so aufregend und spektakulär wie einst bei Fischer sind Caruanas Partien deshalb häufig nicht. Weniger erfolgreich ist seine Strategie aber ebenso wenig. In diesem Jahr schaffte der schmächtige Amerikaner den endgültigen Durchbruch, gewann vier Turniere, darunter das hochkarätig besetzte Kandidatenturnier in Berlin, bei dem der WM-Herausforderer ermittelt wurde.

"Ich hatte mittelmäßige Jahre, ich hatte gute Jahre. Dieses ist mit Abstand mein bestes", sagt er. In der Weltrangliste liegt Caruana inzwischen auf Rang zwei - ganz knapp hinter Carlsen.

Einst ein Schach-Wunderkind

Wie so viele Spitzenspieler galt der in Miami geborene Caruana einst als "Schach-Wunderkind". Seine Eltern, ein IT-Berater und eine Lehrerin, förderten früh sein Talent, nahmen ihn mit zwölf von der Schule und zogen mit ihm von New York nach Budapest und später nach Madrid, stets auf der Suche nach den besten Trainingsmöglichkeiten.

Lange spielte Caruana für den italienischen Verband, ehe ihn der amerikanische Investment-Bänker Rex Sinquefield als Mäzen zurück in sein Heimatland lockte.

Dort soll Caruana nun seiner Sportart mit einem WM-Erfolg zu einem erneuten großen Aufschwung verhelfen. Ganz so wie es sein Gegenüber Carlsen in Norwegen geschafft hat.

"Es war schon interessant zu sehen, wie sich das ganze Land in Schach verliebt hat, weil sie plötzlich einen Helden hatten", sagt Caruana. Einen Helden, wie einst auch "Bobby" Fischer einer war.

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