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Frank Stäbler (rot) zog sich eine schwere Schulterverletzung zu
Frank Stäbler (rot) zog sich eine schwere Schulterverletzung zu © Imago
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Weltmeister Frank Stäbler geht mit einem starken Handicap Richtung Olympia. Im Training zieht er sich eine schwere Schulterverletzung zu.

Das ganze Ausmaß des "Schadens" wurde erst erkennbar, als sich Frank Stäbler für die Fotos umzog.

Ohne T-Shirt war die Sicht auf die komplett mit Tapes überzogene linke Schulter des dreimaligen Ringer-Weltmeisters frei. Der große Hoffnungsträger muss die Vorbereitung auf die ins kommende Jahr verschobenen Olympischen Spiele mit einem schweren Handicap absolvieren - eine Eckgelenksprengung könnte den Traum vom Gold platzen lassen.

"Mein Arzt sagt, die Schulter sieht aus wie bei einem 60-Jährigen. Aber wir versuchen alles, um das Ganze in den Griff zu bekommen", berichtete Stäbler bei einem Pressegespräch von seiner bereits vor Wochen im Training erlittenen Verletzung. Der 31-Jährige wird zwar nicht operiert und setzt auf eine konservative Behandlung, dennoch haben sich die Ziele des deutschen Vorzeigeringers mit Blick auf Olympia verschoben.

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Stäbler: Mit Olympia eine Rechnung offen

"Der Körper fängt an zu rebellieren. Der Traum vom Gold wird schwierig zu realisieren sein. Die meisten anderen Topleute sind zwischen 23 und 28 Jahren, für die ist ein Jahr mehr Vorbereitung sogar ein Vorteil", äußerte Stäbler: "Ich kann dagegen eigentlich nur verlieren. Dennoch will ich in Tokio meinen Frieden mit Olympia machen. Es zählt nicht nur der Olympiasieg, sondern der Weg dorthin. Ich möchte ein Vorbild sein, denn heutzutage geben die Menschen zu früh auf."

Eigentlich wollte der Griechisch-Römisch-Spezialist seine internationale Karriere vor wenigen Wochen beenden. Sein letztes sportliches Ziel war das für den 5. August geplante Olympia-Finale. Die Corona-Pandemie hat Stäbler, dessen Ehefrau Sandra im Februar das zweite Kind erwartet, aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Stäbler hat mit Olympia noch eine Rechnung offen. Nachdem er zu Beginn seiner internationalen Karriere den Kampf um Bronze in London 2012 unglücklich verloren hatte, erlitt er vier Jahre später im Vorfeld der Spiele von Rio einen Syndesmoseriss. Mehr als ein siebter Platz sprang für den eigentlichen Topfavoriten auf Gold deshalb nicht raus.

Ganzes Leben war auf 2021 ausgerichtet

Für Tokio 2020 war der Podestplatz, am besten der ganz oben, fest eingeplant. Darauf hat Stäbler in den vergangenen Jahren sein ganzes Leben ausgerichtet. Der ungefährdete Triumph bei den Europameisterschaften im Februar ohne große Vorbereitung aus dem Training heraus legten den Schluss nahe, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Doch dann kam die Olympia-Absage und später die Verletzung. Trotz der Blessur stehen derzeit zehn Trainingseinheiten pro Woche für Stäbler auf dem Programm, seit drei Wochen trifft sich zudem die Nationalmannschaft wieder zu Lehrgängen: "Normalerweise wäre ich jetzt Sportrentner. Aber die Umstände sind eben verrückt wie nie."

4. August 2021 - der neue Tag X

Zu diesen Umständen gehört auch, dass Stäbler in diesem Jahr erst fünf Kämpfe absolvieren konnte. In den kommenden Wochen will der Weltverband UWW entscheiden, ob im Dezember in Serbien noch kurzfristig eine WM stattfinden wird. Auch eine EM im Frühjahr in Polen könnte es geben. "Ein Turnier brauchen wir unbedingt für die Kampfpraxis", sagte Stäbler: "Bei mir ist alles auf den neuen Tag X - den 4. August 2021 - ausgelegt."

Ein Zwischenziel will Stäbler, der für den Start in Tokio ein letztes Mal von seinen 75 kg auf 67 kg "abkochen" muss, aber schon am Tag vor Heiligabend erreichen. Dann möchte Stäbler mit seiner schwangeren Frau und der zwei Jahre alten Tochter Alia in sein neues Heim einziehen, das gerade in Steinwurfnähe zu seinem Elternhaus gebaut wird: "Das wäre ein Traum."

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