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Die SP9-Kategorie wird für die Saison 2019 nicht verändert
Die SP9-Kategorie wird für die Saison 2019 nicht verändert © VLN
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Die SP9-Klasse hat bei den VLN- und 24h-Rennen 2018 auf der Nürburgring-Nordschleife mehrere Rekorde gebrochen - Noch ist etwas Luft, doch sie wird dünner

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Die Saison 2018 war auf der Nürburgring-Nordschleife ein Fall für die Rekordbücher: Gleich vier neue Rekorde wurden dieses Jahr aufgestellt: Sowohl auf der 24,358 Kilometer langen VLN- als auch der 25,378 Kilometer langen 24h-Variante des Nürburgrings wurden sowohl der Strecken- als auch der Rundenrekord von der SP9-Klasse gebrochen. Streckenrekorde werden im Qualifying, Rundenrekorde im Rennen gefahren.

Nichtsdestotrotz: Wie 'Motorsport-Total.com' erfahren hat, planen die BoP-Macher (Balance of Performance) für die Saison 2019 keine weiteren Einbremsungen der GT3-Boliden. Die SP9-Fahrzeuge waren vor der Saison 2017 bereits stark eingebremst worden: Die Bodenfreiheit wurde angehoben, die Heckflügel mussten verkleinert beziehungsweise nach vorne versetzt werden und die Motoren bekamen kleinere Luftmengenbegrenzer.

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Das alles konnte nicht verhindern, dass nur eineinhalb Jahre später wieder die Rekorde purzelten. Doch BoP-Chef Norbert Kreyer bleibt gegenüber 'Motorsport-Total.com' gelassen: "Die Luft wird dünner, aber noch haben wir ein wenig Spielraum nach oben." Kreyer und sein BoP-Team wissen genau, wie sie rechnen müssen: 17 Sekunden beträgt die Zeitdifferenz zwischen der 24h- und der VLN-Variante der Nürburgring-Nordschleife. Wenn man das einrechnet, sind VLN- und 24h-Rekord momentan ungefähr auf einem Niveau.

Alle vier Rekorde gebrochen

Laurens Vanthoor war beim 24-Stunden-Rennen dieses Jahr besonders eifrig: Erst fuhr er im Top-30-Qualifying einen neuen absoluten Streckenrekord von 8:09.105 Minuten, im Rennen legte er einen Rundenrekord von 8:18.473 Minuten nach, wurde aber später von Nick Tandy in 8:17.340 Minuten im anderen Manthey-Porsche übertrumpft.

Auf der VLN-Variante verbesserte Christian Krognes beim VLN-Finale auf dem Walkenhorst-BMW seine Rekordrunde aus dem Jahr 2016 auf 7:52.578 Minuten. Sheldon van der Linde war im Land-Audi nur knapp langsamer. Im Rennen markierte Klaus Bachler in 7:56.259 Minuten im Falken-Porsche die schnellste jemals gefahrene VLN-Rennrunde beim RCM Grenzlandrennen (VLN6). Drei Rekorde befinden sich damit in Porsche-Hand.

Trotz dieser vier Rekorde wird man die GT3-Boliden nicht weiter künstlich einbremsen, obschon DMSB und FIA ein waches Auge auf die Rundenzeiten haben. "Wir können nicht dahin kommen, dass man ein einzelnes GT3-Fahrzeug nur auf der Nordschleife einsetzen kann", weiß Kreyer.

Die universelle Einsetzbarkeit ist einer der großen Pluspunkte der GT3-Klasse. Dasselbe Auto kann theoretisch heute in der VLN, morgen in der Blancpain-GT-Serie, dann beim GT Masters, zwischenzeitlich in der IGTC und am Saisonende noch in Macau eingesetzt werden. Zu viele Nordschleifen-spezifische Veränderungen könnten dieses Geschäftsmodell für die Teams zerstören. Schon jetzt brauchen sie ein Extra-Kit für den Nürburgring wegen der seit 2017 geltenden Aero-Beschränkungen.

Reifen und Strecke als variable Faktoren

Die Zeitenverbesserungen liegen nicht an den Fahrzeugen an sich. Die meisten GT3-Boliden waren 2018 ausgereizt, die 2019 neu eintreffende Generation soll nicht schneller, sondern nur einfacher zu fahren sein. "Die größten Verbesserungen werden über die Reifen erzielt", zeigt Norbert Kreyer auf. Der Reifenwettbewerb zählt zu einem der zentralen Charakteristiken am Nürburgring. VLN- und 24h-Rennen sind eines seiner letzten Refugien. Entsprechend viel investieren die Reifenfirmen in die Weiterentwicklung.

Aktuell kommen sogenannte Vignettenreifen zum Einsatz: Seit 2017 sind Entwicklungsreifen indirekt verboten. Jeder Hersteller muss einen Musterreifen hinterlegen, der von der Konkurrenz erworben werden kann. Doch die Entwicklung geht immer weiter und so werden weiterhin Schritte nach vorn gemacht. Einheitsreifen will man auf der Nordschleife aber solange wie möglich verhindern, schließlich ist die "Grüne Hölle" ein gewichtiges Marketinginstrument für die Reifenhersteller. Und etwas Geld spült der Wettbewerb auch in die Kassen.

Eine denkbare Möglichkeit wäre, auch die Vignettenreifen künftig zu verbieten und durch normale Kundenreifen zu ersetzen. Das ist aber Zukunftsmusik. Vorerst ändert sich an den Reifenregularien nichts.

Und ein zweiter Aspekt kommt hinzu: Die Nürburgring-Besitzer investieren aktuell viel Geld in die Neuasphaltierung diverser Streckenabschnitte. Das hat bereits für die Saison 2018 die Strecke schneller gemacht. In diesem Winter werden gleich zwei Kilometer saniert. Alle diese Faktoren fließen ebenfalls in die Rechnung ein, wenn um die Zukunft der Topklasse auf der Nürburgring-Nordschleife entschieden wird.

GT3-Erhaltung im Sinne aller

"Wir arbeiten mittlerweile eng mit den Herstellern zusammen", erzählt Kreyer nicht ohne Stolz. Bislang war das Verhältnis von BoP-Machern und Hersteller eher von Täuschen und Tarnen (dem sog. "Sandbagging") gekennzeichnet. Mittlerweile arbeitet man daran, die Performance der SP9-Fahrzeuge nicht ausarten zu lassen, um die Klasse zu erhalten. Das ist im Sinne aller: Der Fans, die sich an den spektakulären Fahrzeugen erfreuen, des Veranstalters, der dadurch die Zuschauer hält, der Hersteller, die weiter ihre GT3-Autos verkaufen, und der Teams, die mit der Vermietung der GT3-Boliden Geld verdienen können.

Und zu weit kann man die Boliden nicht mehr einbremsen: Denn die SP7 kratzt bereits an der Marke von 8:10 Minuten auf der VLN-Runde. Und Manthey-Racing entwickelt Gerüchten zufolge ein MR-Kit für den Porsche 911 GT3 Cup für die Klasse SP Pro, das nochmal schneller wäre.

© Motorsport-Total.com

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