So warf Vettel die WM-Führung weg
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München - Der Crash in Frankreich kostet Sebastian Vettel wichtige WM-Punkte. In Italien wird er kritisiert. Immer wieder bremst sich Vettel durch riskante Manöver aus.

Auch wenn erst acht von 21 Rennen in dieser Saison absolviert sind, deutet sich bereits an: Der WM-Kampf zwischen Weltmeister Lewis Hamilton und Sebastian Vettel ist so eng wie noch nie und könnte durch nur wenige Punkte entschieden werden.

Ferrari und Mercedes präsentieren sich in dieser Saison häufig auf Augenhöhe und die WM-Führung wechselt zwischen den Konkurrenten hin und her. (SERVICE: Die Fahrerwertung)

Aktuell hat Hamilton nach dem Sieg beim Großen Preis von Frankreich wieder die Nase vorne - doch dies liegt weniger am fahrerischen Können Hamiltons oder einem überlegenen Mercedes als an Vettels Impulsivität.

Vettel verspielt nicht zum ersten Mal Punkte

Bereits zum zweiten Mal in dieser Saison hat sich Vettel in Frankreich einen besseren Platz durch ein riskantes Manöver zunichte gemacht. Denn durch den Startcrash mit Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas reichte es am Ende nur zu Rang fünf und zehn Punkten.

Natürlich hatte Vettel auch eine Portion Pech: Da sein Start deutlich besser als Hamiltons war, geriet er in das Mercedes-Sandwich. Vettel nahm zwar die Schuld auf sich, sprach aber gleichzeitig davon, dass der Unfall nicht zu verhindern war - das stimmt allerdings nur bedingt. (SERVICE: Das Renn-Ergebnis aus Le Castellet)

"Unglücklicherweise versuchte Bottas seine Position zurückzuerobern", sagte Vettel selbst zu der Unfall-Szene und deutete damit an, worauf er eigentlich spekuliert hatte: Der oft besonnen fahrende Bottas würde im Zweifel schon zurückziehen und keinen Crash riskieren.

Italiens Presse kritisiert Vettel

In der Ferrari-Heimat war man jedenfalls wenig begeistert von Vettels Vorstellung – trotz der tollen Aufholjagd nach der Kollision: "Amateurfehler" schrieb die Gazzetta dello Sport und die Corriere della Sera stellte fest, dass Vettel einen hohen Preis für seine Impulsivität bezahlt.

In Hamiltons Heimat behauptete der Guardian sogar, dass Vettel die Leistungsfähigkeit unter Druck fehlt. Das ist bei einem viermaligen Weltmeister zwar weit hergeholt. Fakt ist jedoch, dass Vettel durch riskante Manöver in den letzten Jahren mehr Punkte wegwarf als Hamilton.

Bereits in Baku hatte Vettel in dieser Saison durch einen übermotivierten Überholversuch gegen Bottas kurz vor Schluss wertvolle Punkte verloren. Dabei war Vettel mit blockierenden Reifen zu weit rausgerutscht, wodurch er letztlich sogar drei Positionen verlor - wenngleich der Ausfall von Bottas ihm noch Platz vier bescherte. (SERVICE: Die Teamwertung)

Auch in der vergangenen Saison hatte die eine oder andere übereifrige Aktion Vettel um ein besseres Resultat gebracht. Man denke nur an den Rammstoß gegen Hamilton in Baku oder seine forsche Herangehensweise beim Start in Singapur, was in einem Crash und der Vorentscheidung im Titelkampf endete.

Verstappen stichelt gegen Vettel

Nach seinem jüngsten Crash in Frankreich stichelte Red-Bull-Pilot Max Verstappen deshalb bereits, dass die Presse Vettel doch ebenfalls einmal raten sollte, seine Fahrweise zu ändern.

"Ich glaube, das nächste Mal, wenn ihr Seb trefft, fragt ihn, ob er nicht seinen Stil ändern muss. 'Das ist doch nicht akzeptabel', genau das hatten sie mir zu Beginn der Saison gesagt. Und Seb sollte einfach gar nichts machen und einfach weitermachen", sagte Verstappen.

Der Vergleich Vettel und Verstappen hinkt zwar - dazu hat der Niederländer in seiner kurzen Karriere schon zu häufig Gegner von der Strecke gerammt – doch im Vergleich zu seinem WM-Rivalen Hamilton verliert Vettel dennoch zu viele Punkte durch riskante Manöver.

In dem knallharten WM-Kampf in dieser Saison kann dies den Ausschlag geben.

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