Hamilton gewinnt dramatischen Deutschland-GP
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München - Sebastian Vettel verliert kurz vor der Sommerpause die WM-Führung. Erinnerungen an das vergangene Jahr werden wach. Doch Ferrari hat 2018 einen Trumpf im Ärmel.

Kurz vor der Sommerpause spitzt sich der WM-Kampf in der Formel 1 wieder einmal zu. Sowohl WM-Leader Lewis Hamilton als auch Ferrari-Star Sebastian Vettel haben je vier Siege in dieser Saison eingefahren.

Das weckt Erinnerungen an 2017: Bis zur Sommerpause hatten die beiden Rivalen damals ebenfalls je vier Rennen gewonnen. Von den nächsten sechs gewann Hamilton jedoch fünf und entschied die WM so zu seinen Gunsten.

Vettel verlor in diesem Zeitraum 80 Punkte auf seinen Rivalen und musste dem Briten bereits zwei Rennen vor Saisonende zum WM-Titel gratulieren. Droht Vettel nach dem Hockenheim-Aus und dem Verlust der WM-Führung in dieser Saison nun Ähnliches?

Während Vettel 2017 mit 14 Zählern Vorsprung in die Sommerpause ging, läuft der viermalige Weltmeister aktuell sogar einem Rückstand von 17 Punkten hinterher. Dennoch sagte Vettel nach dem verpatzten Heim-GP nicht ohne Grund: "Unser gutes Auto ist mir Trost genug." (Fahrerwertung der Formel 1)

Budapest liegt Vettel und Ferrari

Mit Budapest steht vor der Sommerpause zudem noch ein Rennen an, welches Ferrari liegen sollte. Nicht umsonst siegte Vettel dort zweimal in den letzten drei Jahren. Hamilton gewann zwar 2016, stand in den anderen beiden Jahren aber nicht einmal auf dem Podest.

Eine Verkürzung des Rückstands beim Großen Preis von Ungarn, dessen langsamere Kurven Ferrari eher entgegenkommen als Mercedes, ist daher durchaus wahrscheinlich. Noch entscheidender wird es für Vettel allerdings sein, in den Rennen nach der Sommerpause den Anschluss zu halten.

Denn mit Spa und Monza folgen zwei Strecken, die aufgrund ihrer langen Vollgas-Passagen bisher als Mercedes-Territorium galten – doch das könnte sich in dieser Saison ändern. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Ferrari in Sachen Power den Silberpfeilen den Rang abgelaufen hat.

Das wurde spätestens in Hockenheim deutlich - auf einer vermeintlichen Mercedes-Strecke. Motorsportchef Toto Wolff sprach angesichts eines Defizits von 0,5 Sekunden gegenüber Ferrari auf den Geraden von einem "ernsthaften Weckruf". 

Ferrari hängt Mercedes ab

Ex-Weltmeister Nico Rosberg weiß, woher der Vorsprung der Scuderia auf den Geraden rührt: "Ferrari hat einen sehr speziellen Weg gefunden, mehr PS aus der Batterie zu holen."

Berechnungen der Rivalen zufolge soll Ferrari von einem Rennen auf das nächste 28 Kilowatt (38 PS) zugelegt haben. Einige vermuten, dass dies nicht mit rechten Dingen zugeht - doch solange die FIA keinen Verstoß ausmacht, muss sich Vettel darüber keine Sorgen machen.

Man darf zwar davon ausgehen, dass Mercedes diesen Rückstand wieder verkürzen wird. Anders als in den vergangenen Jahren scheint Ferrari 2018 aber nicht nur im Rennen, sondern auch im Qualifying in der Lage zu sein, Mercedes in die Schranken zu weisen.

Vettel muss sich steigern

Es könnten diesmal daher tatsächlich die Fahrer über den Ausgang des WM-Duells entschieden. Hier muss sich Vettel noch steigern, wenn es mit Titel Nummer 5 klappen soll. In Hockenheim machte sich der Deutsche zum wiederholten Mal durch eigene Fehler ein Rennen kaputt.

Während Hamilton eher einmal von der eigenen Technik ausgebremst wird, wollen italienischen Gazzetten bei Vettel bereits vier schwerwiegende Fehler in elf Rennen ausgemacht haben – für einen Weltklasse-Fahrer viel zu viel.

Für den Corriere della Sera ist der aktuelle Rückstand auf Hamilton vor allem Vettel zuzuschreiben: "Das Verhalten der beiden Starpiloten macht den Unterschied." An Vettels Schnelligkeit zweifelt niemand, eher an seinem übertriebenen Tatendrang, wie es La Stampa nennt.

Schafft es Vettel diesen zu kontrollieren, ist in dieser Saison der WM-Titel drin. Die nötige Speed bringt der Ferrari 2018 auf alle Fälle mit.

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