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München - Mercedes ist bei den ersten Tests der Formel 1 nicht auf Augenhöhe mit Ferrari. Einen knappen Monat vor den Start in die neue Saison ist der Abstand alarmierend.

Es hat schon etwas von "Und täglich grüßt das Murmeltier", was die erste Testwoche der Formel 1 in Barcelona gezeigt hat. Während Ferrari dominierte, lag Mercedes fast dauerhaft auf einem der letzten beiden Plätze.

Das allein wird sicher keinen bei den Silberpfeilen beunruhigen, da Mercedes in Woche 1 wie auch in den vergangenen Jahren mit viel Benzin und härteren Reifen unterwegs war, um Longruns zu testen. (Rennkalender der Formel 1 2019)

Auch der fünfmalige Weltmeister Lewis Hamilton zeigte sich deshalb zunächst wenig beunruhigt: "Ferrari hat in den vergangenen Jahren immer gut angefangen, aber wir konzentrieren uns auf uns selbst."

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Wolff: "Im Moment ist Ferrari die Messlatte"

Das stimmt, doch so groß wie diesmal war der Abstand noch nie. Experten sind sich einig, dass Ferraris Vorsprung auf Mercedes auf einer Runde mindestens eine halbe Sekunde beträgt – oder sogar noch mehr.

Das bestätigte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei RTL: "Realistischerweise sieht es so aus, dass der Ferrari eine halbe Sekunde vorne liegt. Im Moment ist Ferrari die Messlatte, an der wir uns alle orientieren."

Auch die beiden Mercedes-Fahrer lobten die Scuderia. "Ferrari sieht sehr stark aus. Ihr Paket sieht besser als letztes Jahr aus", sagte Hamilton und der Finne Valtteri Bottas erklärte: "Zu diesem Zeitpunkt liegt Ferrari vor uns."

Vettel schwärmt: Bester Testtag aller Zeiten

Der Ferrari rutscht in den Kurven weniger und hat auch auf den Geraden die Nase vorn. In Sachen Motor hat man ebenfalls noch einmal einen Sprung gemacht. Vettel sagte am ersten Testtag sogar: "Das war der beste Testtag, den ich je hatte." So euphorisch hatte man ihn selten erlebt.

Besonders groß ist der Unterschied zwischen Mercedes und Ferrari wohl auf einer Runde. Über die Longruns wird der Abstand geringer, doch das dürfte den Silberpfeilen wenig nützen.

Ferrari dürfte zudem nicht das einzige Problem der Silberpfeile sein. So ist sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner sicher: "Es ist eher ein Duell zwischen Ferrari und Red Bull. Mercedes liegt aktuell hinter uns beiden."

Hamilton: Auto fühlt sich ähnlich wie 2018 an 

Zwar fühlt sich Hamilton laut eigener Aussage in der Form seines Lebens, doch trifft ähnliches auch auf das Auto zu? "Das Auto fühlt sich nicht viel anders als im letzten Jahr an, aber ich habe ein paar Wünsche unterbringen können, die mir letztes Jahr fehlten", sagte Hamilton.

Stellt sich die Frage, ob es gut sein kann, wenn sich ein Auto nicht viel anders als sein Vorgänger anfühlt. Immerhin entwickelt sich die Formel 1 in rasanter Geschwindigkeit weiter, der Grundsatz "Stillstand ist Rückstand" hat nirgends so eine Bedeutung wie in der Königsklasse.

Leichte Entwarnung gibt es für alle Mercedes-Fans: Für die zweite Testwoche in Barcelona ist ein großes Aerodynamik-Paket angekündigt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass auch Ferrari und Red Bull nachlegen werden.

Ferrari kopieren wird nicht helfen

Bis zum Saisonstart in Melbourne am 15. März bleiben Mercedes noch etwa drei Wochen Zeit. Da wäre es naheliegend zu versuchen, den Boliden etwas umzubauen und zu versuchen, sich bei Front- und Heckflügel am Ferrari zu orientieren, der dort aerodynamische Vorteile haben soll.

Doch so einfach ist das nicht: Damit diese Änderung sich auszahlt, müsste Mercedes das komplette Auto anpassen. Dies wäre keine Frage von Wochen, sondern von Monaten. Die Saison wäre wahrscheinlich verloren, bis Mercedes konkurrenzfähig ist.

Denn bei Mercedes wird sich keiner darauf verlassen wollen, dass Ferrari und Vettel erneut so viele Eigenfehler wie 2018 produzieren. Daher bleibt den Silberpfeilen nur die Hoffnung, dass das angekündigte Aero-Paket tatsächlich einen deutlichen Sprung nach vorne bringt.

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