Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

Hockenheim - Max Verstappen bringt eine ganze Nation ins Schwärmen. Der 21-Jährige zeigt sich spürbar gereift - und sorgt für Alarmstimmung bei Mercedes.

Einen kessen Spruch konnte sich Max Verstappen nach seinem Sieg im Regen-Chaos von Hockenheim nicht verkneifen. "Mein 360-Grad-Dreher war doch eine super Show für die Zuschauer", sagte der 21 Jahre alte Red-Bull-Pilot mit einem verschmitzten Grinsen.

Gemeint war sein beinahe folgenschwerer Ausrutscher etwa zur Hälfte des Rennens.

In diesem Moment hätte alles ganz anders ausgehen können. Doch während die Rivalen Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und Charles Leclerc in der Kurve des Grauens am Ausgang des Motodroms reihenweise abflogen, konnte der fliegende Holländer seinen Wagen geschickt abfangen.

Anzeige

Den tausenden niederländischen Fans stockte kurz der Atem, bei Verstappens anschließender Triumphfahrt gerieten sie förmlich aus dem Häuschen. In der Heimat schwärmte die Presse: "Verstappen macht eine schöne Pirouette und glänzt wie ein Eiskunstläufer auf Reifen", schrieb De Telegraaf.

Marko: „Max ist ein Teufelskerl“

Höchste Anerkennung bekam er auch von seinen Bossen. "Max ist ein Teufelskerl", sagte Motorsport-Chef Helmut Marko und Teamchef Christian Horner meinte: "Wichtig war, dass Max seinen Kopf nicht verloren hat."

Von "Mad Max" keine Spur mehr, das einstige Crash-Kid Verstappen ist spürbar erwachsen geworden. Wie bei seinem Sieg in Spielberg ließ er sich auch in Hockenheim nicht von einem schlechten Start aus der Ruhe bringen und wartete bei den extremen Wetterbedingungen geduldig auf seine Chance.

Bezeichnend ist auch, dass Verstappen in dieser Saison bis auf das Rennen in Silverstone, als ihn Sebastian Vettel von der Strecke rammte, immer mindestens unter den ersten Fünf ins Ziel kam. Stürmische Harakiri-Aktionen gehören der Vergangenheit an.

Jetzt aktuelle Fanartikel zur Formel 1 kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Selbst in Silverstone reagierte er mit Bedacht. Wo er früher Vettel an den Kragen gegangen wäre, sagte er diesmal nur: "Sebastian hat sich entschuldigt. Damit ist die Sache erledigt. Solche Aktionen passieren im Rennen." Verstappen versteht es inzwischen immer besser, seinen Heißsporn in die richtigen Bahnen zu lenken.

Tipps vom Vater

Das ist auch die Folge von vielen Gesprächen mit seinem Vater, dem früher ebenfalls erfolgreichen Formel-1-Rennfahrer Jos Verstappen.

"Ich habe mich stundenlang mit meinem Vater getroffen. Er hat mir immer Tipps gegeben. Und es geht nicht nur darum, im Regen zu fahren, sondern auch darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das liegt auch an der Erfahrung im Leben und in der Formel 1", erklärte Max Verstappen.

Meistgelesene Artikel

Druck und schwierige Situationen scheinen ihn dabei nur noch mehr zu beflügeln. Die Hoffnungen der ganzen Nation wirken auf ihn eher wie ein zusätzlicher Turbo-Antrieb statt wie ein Bremsklotz. Dass im kommenden Jahr Zandvoort allein wegen ihm nach Jahren der Abstinenz wieder in den Rennkalender aufgenommen wird, empfindet er als zusätzlichen Antrieb.

Wolff sieht Verstappen als größte Gefahr

In der Gesamtwertung liegt Verstappen mit 162 Punkten noch hinter Weltmeister Hamilton (225) und dessen Mercedes-Kollegen Bottas (184), aber vor Sebastian Vettel (141). „Wir haben in den letzten Rennen bewiesen, dass wir in der Spitze mitfahren können“, sagte Verstappen.

Bei Mercedes sind sie längst gewarnt. Schon vor dem für die Silberpfeile rabenschwarzen Rennsonntag auf dem Hockenheimring, antwortete Teamchef Toto Wolff auf die Frage, wer die größte Gefahr sei: "Verstappen." Das gilt nach Hockenheim erst recht.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image