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Michael Schumacher und Damon Hill waren in den 1990er Jahren Rivalen in der Formel 1
Michael Schumacher und Damon Hill waren in den 1990er Jahren Rivalen in der Formel 1 © Getty Images
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Michael Schmacher und Damon Hill waren in den 1990er Jahren Rivalen in der Formel-1. SPORT1 blickt zurück auf die Duelle der beiden Weltmeister.

In den 1990er-Jahren kämpften Michael Schumacher und der Brite Damon Hill jahrelang um die WM. 1994 lieferten sich beide ein hartes Duell, das im letzten Rennen nur mit einem Punkt zugunsten Schumachers entschieden wurde.

SPORT1 blickt zurück auf die Rivalität der beiden Champions, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Damon Hills Karriere im Motorsport verlief ungewöhnlich. Er kam nicht wie die meisten Kontrahenten über den Go-Kart-Sport in die höheren Klassen. Hill sammelte auf Motorrädern die ersten Rennerfahrungen. Auf Anraten seiner Mutter hat er sich danach dem Autorennsport gewidmet. Sie fand, dass die Gefahr bei Motorradrennen zu groß sei.

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Als Hill einige Jahre später bereits einen Vertrag als Testfahrer von Williams in der Tasche hatte, dauerte es weiter, bis er für das Traditionsteam starten konnte. Er fuhr erst ein weiteres Jahr in Formel 3000. Im Jahr 1992 stieg er im Alter von 31 Jahren für Brabham in die Formel 1 ein. Erst ein Jahr danach folgte der Ruf von Williams.

Eigentlich hätte Hill Testfahrer bei Williams bleiben sollen. Er hatte sich damit abgefunden, die Rolle der Nummer zwei zu sein. Erst der Rücktritt von Alain Prost verschaffte ihm überraschenderweise den Stammplatz.

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Schumacher bestritt seinen Weg in die Formel 1 direkter und schneller. Das Resultat: Als er 1991 sein erstes Rennen für Jordan bestritt, war er 22 Jahre alt. Schon im Rennen danach saß Schumacher im Benetton. Zwei Jahre später duellierten sich beide erstmals in Top-Autos – mit dem besseren Ausgang für Hill. Für den WM-Titel reichte es allerdings noch für keinen von beiden. Weltmeister wurde Alain Prost.

1994: Crash zum WM-Sieg

Das änderte sich 1994. Als amtierender Titelträger war Alain Prost zurückgetreten, Ayrton Senna – nach seinem Wechsel zu Williams dort einer der WM-Favoriten – verunglückte im vierten Saisonrennen in Imola tödlich.

Schumacher und Hill agierten in jenem Jahr scheinbar konkurrenzlos. In 16 Rennen stand achtmal Schumacher und sechsmal Hill ganz oben auf dem Podest. Die Saison wurde aber nicht nur von den sportlichen Erfolgen beider Fahrer geprägt, sondern auch davon, dass sie sich zeitweise am Rande der Legalität duellierten – so zum Beispiel beim Rennen in Silverstone.

Es war Hills Heim-Grand-Prix, bei dem er von der Pole-Position ins Rennen ging. In der Einführungsrunde vor dem Rennstart hatte Schumacher Hill verbotenerweise überholt. Für das Vergehen sprach die Rennleitung eine Stop-&-Go-Strafe aus. Diese wurde von Schumacher und seinem Benetton-Team allerdings ignoriert. Die Rennleitung griff härter durch und disqualifizierte ihn. Aber auch die Aufforderung, das Rennen zu beenden, ignorierte die Mannschaft. Stattdessen kam Schumacher in die Boxengasse, um die ursprüngliche Strafe zu verbüßen.

Auf Platz zwei lief er zwar hinter Hill ins Ziel ein, blieb aber nicht in der Wertung. Schumacher wurde endgültig disqualifiziert. Auch das wollte die Benetton-Truppe nicht einsehen und legte Protest gegen die Entscheidung ein. Erst durch das Urteil eines Berufungsgerichts wurde die Strafe bestätigt. Außerdem wurde Schumacher für zwei Rennen gesperrt.

Für Furore sorgte auch das letzte Saisonrennen. Mit nur einem Punkt Vorsprung reiste Schumacher nach Adelaide. Im Rennen übernahm Schumacher die Führung. Angesichts der engen Ausgangslage war klar: Wer das Rennen auf dem besseren Platz abschließt, würde am Ende mit dem Titel gekrönt werden.

Beim letzten Saisonrennen in Adelaide fiel 1994 die Entscheidung um die WM
Beim letzten Saisonrennen in Adelaide fiel 1994 die Entscheidung um die WM © Getty Images

Mit fortgeschrittenem Rennverlauf begann Hill, auf den Führenden aufzuholen und setzte Schumacher damit unter Druck. Der leistete sich schließlich einen Fahrfehler, kam von der Piste ab und touchierte die Mauer. Hill wollte Schumacher in der darauffolgenden Kurve auf der Innenbahn überholen. Es kam zur Kollision, die für beide das Aus zur Folge hatte. Schumacher sicherte sich den ersten WM-Titel.

Für das Manöver erntete Schumacher viel Kritik. Er sei nach innen gezogen, während sich Hill dort befunden habe und habe damit die Kollision provoziert, hieß es. Das sah die Rennleitung allerdings anders. Sie sprachen Schumacher frei und bewerteten den Zwischenfall als Rennunfall.

Nach dem Rennen zollte Schumacher seinem Gegner Respekt und nahm dabei Bezug auf vorherige Aussagen, in denen er Missgunst zum Ausdruck gebracht hatte. "Ich muss zugeben, dass ich falsch gelegen habe. Er war ein großartiger Gegner."

In jenem Jahr haben sich einzelne Aussagen zuerst zu einem Schlagabtausch und dann zu einem kleinen Psychokrieg aufgeschaukelt. Schließlich sah sich Benetton immer wieder Anschuldigungen ausgesetzt, das Auto würde nicht den Regeln entsprechen, wodurch Schumacher einen Vorteil im WM-Kampf habe.

1995: Schumachers deutliche Dominanz

Auch 1995 machten Schumacher und Hill den WM-Titel wieder unter sich aus. Enge Duelle und Kollisionen gehörten erneut zur Tagesordnung. Erneut kam es beim Rennen in Silverstone zu einem Showdown. Schumacher lag in Führung, als Hill einen Angriff auf ihn startete. Der Überholversuch war zum Scheitern verurteilt – zu groß war Hills Rückstand.

Nicht immer sind die Duelle zwischen Michael Schumacher und Damon Hill harmonisch verlaufen
Nicht immer sind die Duelle zwischen Michael Schumacher und Damon Hill harmonisch verlaufen © Getty Images

Mit blockiertem Vorderrad rutschte Hill in den Boliden Schumachers. Beide landeten im Kiesbett und schieden frühzeitig aus. Das gleiche Schicksal ereilte beide beim Rennen in Monza. Erneut lag Schumacher vor Hill, als dieser ihm ins Heck rutschte.

Doch die Duelle endeten nicht immer im Aus. Der Belgien-GP war ein Indiz dafür, welche fahrerische Qualität in ihnen steckte. Es waren schwierige Bedingungen für die Piloten. Mal war die Strecke nass, mal war sie trocken.

Hill saß dem führenden Schumacher viele Runden lang im Nacken. Immer wieder machte es den Anschein, als könnte Hill den WM-Spitzenreiter überholen. Doch Schumacher gelang es immer wieder, sich so zu positionieren, dass er vorne bleiben konnte. Schließlich gelang ihm der entscheidende Überholvorgang. Erst durch einen 10-Sekunden-Strafe gegen Hill wurden die beiden Duellanten in der Schlussphase auseinandergerissen.

1995 fiel die WM-Entscheidung deutlicher als zuvor. Schumacher hatte einen Vorsprung von 32 Punkten.

1996: Hill gewinnt seinen ersten Titel

Die darauffolgende Saison fand unter veränderten Vorzeichen statt. Schumacher wechselte zu Ferrari, Hill bekam mit Jacques Villeneuve einen neuen Teamkollegen bei Williams. Hill hat einmal gesagt: „Ich war auf meine Saison fokussiert und ich hätte jeden Fahrer akzeptiert, den das Team in das andere Auto setzen wollte. Gut, ich nehme an, Michael Schumacher wäre die einzige Person gewesen, mit der ich ein Problem gehabt hätte.“ Weil der Ferrari damals nicht konkurrenzfähig war, musste Schumacher den WM-Kampf dem Williams-Duo überlassen. 

Gegen den aufstrebenden Villeneuve musste Hill die Rolle der Nummer 1, die er zuvor gegen David Coulthard zweifelsfrei hatte, verteidigen. In den Augen vieler Beobachter gelang ihm dies einfacher, als erwartet wurde. Schumacher hatte mit Eddie Irvine hingegen einen Mannschaftsgefährten, der ihm nicht ebenbürtig war.

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Ein echtes Duell gab es 1996 zwischen Schumacher und Hill allerdings nicht. Hills Gegner lauerte damals vielmehr im eigenen Team. Schumachers Ferrari war in jener Saison technisch nicht ausgereift. Hinzu kamen wie in Monte Carlo Fahrfehler Schumachers. Hill fuhr letztlich seinen ersten und einzigen WM-Titel ein.

1997: Ende einer Rivalität

1996 war das letzte Jahr, in dem Hill in einem Top-Team unterwegs war. Als amtierender Champion wechselte er damals zur unterlegenen Arrows-Mannschaft. Der Weggang von Williams war allerdings nicht freiwillig. Das britische Traditionsteam hatte damals Heinz-Harald Frentzen verpflichtet, von dem man sich bessere Ergebnisse versprach. Hill beendete danach seine Formel-1-Karriere nach zwei Saisons im Jordan-Team schließlich.

Schumachers Karriere verlief danach komplett entgegengesetzt. Mit seinen Erfolgen hatte er in den 1990er Jahren das Freude an der Formel 1 in Deutschland entfachht, ab 2000 setzte er noch einen drauf: Im Ferrari sicherte er sich fünf WM-Titel in Folge. Schumacher brach zahlreiche Rekorde und setzte sich damit ein zu Lebzeiten ein Denkmal.

Nach der Karriere: Hill verzeiht Schumacher

Im Gespräch mit der britischen Times lobte Hill die Herangehensweise seines damaligen Kontrahenten: "Ich war beeindruckt von der Art, wie er immer weitermachen konnte. Ich habe einen Titel gewonnen, war aber drei Jahre hintereinander im Titelkampf - das war stressig", sagte er. "Was er erreicht hat, war außergewöhnlich. Aber wir wissen halt nie, was das Schicksal für uns bereithält."

Außerdem sagte er, dass Schumacher ein Stückweit unnahbar gewesen sei. Via Twitter schob Hill 2017 hinterher: "Mir gegenüber war er nicht besonders nett! Aber ich vergebe ihm. Es ist eine Schande, dass wir uns nie besser kennengelernt haben. Eine große Schande." Während seiner aktiven Zeit war Hill mit Schumacher noch härter ins Gericht gegangen. Er hatte Schumacher trotz seiner Erfolge sogar als "keinen großen Champion" bezeichnet, weil der zu viele schmutzige Tricks anwende.

2019: Hill fährt in Schumachers Benetton

Schumacher startete in dieser Zeit jedoch erst richtig durch. Zwischen 2000 und 2004 setzte er sich und Ferrari mit fünf WM-Titeln in Folge und zahlreichen Rekordmarken ein Denkmal. Als das Goodwood Festival of Speed 2019 ganz im Zeichen Schumachers stand, bewegte Hill ausgerechnet den Benetton aus dem Jahr 1994. Kaum einer hatte damit gerechnet, dass er einmal im WM-Boliden seines größten Rivalen sitzen würde.

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