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München und Budapest - Die Entscheidung für einen zweiten Stopp von Lewis Hamilton entpuppt sich in Ungarn als geniale Strategie. Um ihn davon zu überzeugen, greifen die Bosse zu einem Trick.

Lewis Hamilton wusste bereits kurz nach der Zieldurchfahrt, bei wem er sich für den Sieg zu bedanken hatte.

Noch während er nach den 70 schweißtreibenden Runden des Ungarn-GP in seinem Mercedes saß, rief er ins Teamradio: "Das war eine großartige Entscheidung!" 

Der Mann, dem dieses Lob galt, war James Vowles, 40 Jahre alter Ingenieur und Chefstratege bei den Silberpfeilen. In Ungarn war er der eigentliche Sieger des Rennens - und durfte sich anschließend auf dem Podium zusammen mit Hamilton feiern lassen. (Das Ergebnis des Ungarn-GP)

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Hamilton muss nochmal an die Box

Es lief die 48. Runde auf dem Hungaroring, als Hamilton auf Vowles' Initiative hin zum zweiten Mal an die Box beordert wurde. Und das obwohl er sich gerade wieder bis auf eine Sekunde an den bis dato führenden Max Verstappen herangearbeitet hatte.

Hamilton selbst war alles andere als begeistert von dieser Entscheidung. Er bezweifelte, dass er nach diesem Stopp den Red-Bull-Piloten noch einmal würde herausfordern können - auch wenn er mit frischen, weichen Reifen in den Endspurt ging.

"Ich wusste wirklich nicht, ob ich die 19 Sekunden (Rückstand auf Verstappen, Anm. d. Red.) aufholen könnte. Ich dachte, die Reifen würden schlapp machen", sagte er beim Sieger-Interview. (Fahrerwertung der Formel 1)

Skepsis bei Mercedes

Doch nicht nur beim Piloten überwog die Skepsis. Auch am Kommandostand wurde "sehr lange diskutiert", wie Toto Wolff bei RTL zugab. "Was am Ende herauskam, war: Entweder wir enden als Zweiter oder wir versuchen das", sagte der Motorsportchef von Mercedes.

Allerdings schien der Schuss nach dem Boxenstopp zunächst nach hinten loszugehen. "Die ersten Runden waren nicht schnell genug. Dann kam heraus, dass es sich nicht ausgeht", erklärte der Österreicher.

Das aber verheimlichte man Hamilton, der laut Wolff von dieser Entscheidung "nicht überzeugt war". Mehr noch: Die Bosse entschieden sich sogar für eine kleine Notlüge.

Wolff: "Wir sagen ihm, es geht sich aus"

"Wir haben gesagt, wir sagen ihm, es geht sich aus, wir kriegen ihn in der letzten Runde", verriet Wolff. Sie sollten recht behalten, auch wenn der Plan sogar schon drei Runden vorher aufging. Plötzlich sei Hamiltons Reifen im optimalen Temperaturfenster unterwegs gewesen. "Bei Max ging es in die andere Richtung, der harte Reifen war richtig alt", erklärte er.

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Das registrierte dann auch der fünfmalige Weltmeister. Je näher er Verstappen kam, desto mehr holte er aus seinem Mercedes heraus. "Ich habe einfach draufgedrückt und kam ihm immer näher, mit einer Qualifyingrunde nach der anderen", sprudelte es aus dem Briten förmlich heraus.

Red Bull von Reifenabbau bei Verstappen überrascht

Bei Red Bull war man indes überrascht davon, dass der harte Reifen bei Verstappen derart schnell abbaute. "Wir haben schon gemerkt, wie der erste Reifensatz viel zu früh nachgelassen hat, dass das hinten raus eng werden wird. Aber dass der Reifen dann so eingeht, das haben wir nicht erwartet", räumte Motorsportberater Helmut Marko im ORF ein.

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Und Verstappen meinte: "Ich habe mein Möglichstes auf dem harten Reifen getan, damit wir überleben, aber es hat nicht gereicht. Mir fehlte am Ende einfach der Grip."

Immerhin aber bewies der 21-Jährige über die volle Distanz, dass er mit Hamilton nicht nur mithalten kann. Er zeigte ihm, dass er auf der Strecke nicht zu überholen ist - zumindest, wenn beide Rivalen mit den gleichen Waffen kämpfen.

Als Hamilton Verstappen in der 39. Runde schon einmal vor der Nase hatte, musste er sein Manöver abbrechen, geriet neben die Strecke und reihte sich lieber wieder hinter dem Niederländer ein.

Die Mercedes-Bosse dürften ein paar Runden später genau an diese Szene gedacht haben, als sie sich dafür entschieden, Hamilton an die Box zu holen - und ihm damit zum Sieg verhalfen.

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