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München - Lewis Hamilton prangert mit einem düsteren Instagram-Post Umweltsünden an. Sein mahnender Zeigefinger erstaunt allerdings beim Blick auf seine sonstigen Aktivitäten.

"Die Welt ist ein kaputter Ort. Warum soll man sich kümmern, wenn die Welt ein solches Chaos ist und die Menschen nicht den Eindruck machen, dass sie das interessiert."

Es ist eine Mischung aus Wut und Trauer, die aus diesem düsteren Instagram-Post von Lewis Hamilton spricht. Der Formel-1-Weltmeister wollte offensichtlich wachrütteln, ein Zeichen setzen, aufmerksam machen - auf Umweltzerstörung, Grausamkeit gegen Tiere, oder zusammengefasst: den Raubbau der Menschheit an Mutter Erde anprangern.

Wenig später löschte Hamilton seine Beiträge wieder, Arbeitgeber Mercedes bestätigte aber deren Echtheit, wobei Kommunikations-Chef Bradley Lord auf SID-Anfrage betonte: "Ich denke, er bezog sich dabei auf Umweltprobleme und nicht auf irgendetwas, das mit Racing zu tun hat."

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Nach Hamiltons alarmierendem Geständnis ("Ehrlich gesagt, fühle ich mich gerade danach, alles hinzuschmeißen. Komplett runterzufahren") ist somit zumindest klar, dass sein Job als Formel-1-Fahrer nichts mit dem düsteren Post zu tun hat - aber genau dieser Gegensatz verwundert doch sehr.

Lewis Hamilton teilte in seiner Instagram Story seine Gedanken
Lewis Hamilton teilte in seiner Instagram Story seine Gedanken © https://www.instagram.com/lewishamilton/?hl=de

Denn es zeigt sich auch eine gewisse Doppelmoral, wenn ein Millionär aus der Ressourcen-Verbrennungsindustrie Formel 1 den moralischen Zeigefinger hebt.

Lewis Hamilton - der Kämpfer für Tiere, Umwelt und Klima

Unbestritten ist, dass Hamilton, der sich privat auch für Kinder in Not einsetzt, ganz grundsätzlich wichtige Themen anspricht.

Immer wieder macht sich der vegan lebende Brite gerade für Tiere stark. Bei Instagram nutzt er seine Reichweite von über 13 Millionen Followern (beliebtester F1-Fahrer) und prangert Vergehen gegen das Tierwohl an - die brutale Robben-Jagd, das Schlachten von Delfinen und Walen in Japan oder deren Einfangen für Aquarien sowie die Trophäen-Jagd auf bedrohte Arten wie Nashörner verurteilt er immer wieder entschieden.

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Seine Abkehr vom Fleisch hat er mittlerweile auch zu einem Business gemacht. Im September eröffnete er in London die vegane Fast-Food-Kette "Neat Burger", ein Herzensprojekt. Nicht weniger als "moralische Praktiken" habe man sich auf die Fahnen geschrieben, betonte Hamilton seinerzeit und erklärte, man wolle "die Art revolutionieren, auf die wir fleischloses Essen sehen".

Fleisch-Konsum und seine negativen Folgen für Tier und Umwelt sind auch jetzt ein zentraler Punkt in seinem viel beachteten Instagram-Post.

"Es macht mich so traurig zu sehen, dass so viele Leute, selbst enge Freunde, das ignorieren, was jeden Tag passiert", schreibt er dort und regt ein Umdenken an: "Erziehung ist der Schlüssel, uns wurde beigebracht, dass es gut für uns ist, tierische Produkte zu konsumieren. Aber wir sind Hunderte von Jahre lang angelogen worden."

Hamilton selbst beschreibt seine Ernährungsumstellung als "lebensverändernd" und fordert Nachahmer: "Ich ermahne euch, tut das auch. Findet das Mitgefühl in euch, erkennt, dass das, was ihr esst, die florierende Fleisch- und Milchindustrie, das Waldsterben, Grausamkeit gegen Tiere, gegen die Meere und das Klima jeden Tag aufs Neue unterstützt."

Gerade beim Punkt Umwelt und Klima wird Hamiltons Statement allerdings etwas unglaubwürdig.

Lewis Hamilton - der F1-Millionär mit Jet-Set-Lifestyle

Was bei allen richtigen und wichtigen Punkten, die Hamilton anspricht, nicht vergessen werden sollte: Sie kommen von einem Mann, der sein Geld in der wahrscheinlich umweltschädlichsten Sportart der Welt verdient.

150 Liter Benzin verbraucht ein einziger Formel-1-Bolide allein pro Rennen, pro Saison ist der CO2-Ausstoß vergleichbar mit einer Stadt von 20.000 Einwohnern, berichtet der Standard. Fan-Anreisen und vergleichbare Zusätze sind dabei noch gar nicht eingerechnet. Die FIA gibt an, bereits seit 1997 klimaneutral zu sein, unterstützt Initiativen zu Pflanzung von Bäumen und der Pflege gefährdeter Wälder.

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Nun ist Hamilton nicht verantwortlich für die Umweltsünden der Formel 1 (Reisen, Streckenbau etc.) und kritisierte in der Vergangenheit mangelnde Umwelt-Maßnahmen ("Ich denke, vor allem als Bernie [Ecclestone] da war, hat man nicht viel gemacht") - dennoch ist er Teil und großer Profiteur der gesamten Maschinerie.

Und Hamilton verdient gut. Fast 500 Millionen Dollar hat der bestverdienende F1-Fahrer aller Zeiten laut Forbes in seiner Karriere bereits verdient - nur in der Motorsport-Königsklasse wohlgemerkt. Persönliche Sponsorings kommen dann noch dazu. Nach seiner Vertragsverlängerung zahlt ihm Mercedes pro Jahr 50 Millionen.

Hinzu kommt in Hamiltons Fall auch noch privat ein Jetset-Leben, das ihn auch abseits seines Jobs im Privatjet kreuz und quer durch die Welt führt. Von Barbados nach Machu Picchu, von der Dominikanischen Republik bis nach Kalifornien.

Allzu klein ist der ökologische Fingerabdruck des Briten nicht, auch wollen zahlreiche Bilder mit PS-Monstern aus seinem Fuhrpark und die Begeisterung für das Verheizen von Motorrad-Reifen nicht so ganz in das Bild des umweltbewussten Mahners passen, welches Hamilton mit seinem Alarm-Post zeichnet.

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