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München - Nach drei Rennen in der Formel-1-Saison ist Nikita Mazepin bereits zur neuen Hassfigur aufgestiegen. Doch warum ist der Teamkollege von Schumacher so unbeliebt?

Wenn in der Formel 1 der Wagen mit der Startnummer 9 über den Asphalt brettert, schauen die Fans der Königsklasse ganz genau hin.

Aber nicht, weil dieser Bolide für besondere Erfolge oder großes fahrerisches Können bekannt wäre, sondern weil die F1-Anhängerschaft auf den nächsten Fehler des am Steuer sitzenden Piloten wartet. (Kohl-Kolumne: "F1-Schnösel tritt auf wie Krösus")

Das Auto mit der Nummer 9 gehört keinem geringeren als Haas-Rookie Nikita Mazepin. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der junge Russe zu einem neuen Feindbild entwickelt – dabei sind in der laufenden Saison erst drei Rennen absolviert. Doch wie kommt es, dass ein Neuling schon nach kürzester Zeit eine derartige Ablehnung erfährt?

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Um von den Formel-1-Fans geliebt zu werden, hat Mazepin denkbar schlechte Voraussetzungen. Denn mit Dimitri Mazepin, Milliardär und Besitzer des russischen Chemiekonzerns Ural-Kali, ist der Vater des Youngsters als Hauptsponsor bei Haas am Start. Der Weg zu Vorwürfen, der 22-Jährige sei lediglich ein Pay-Driver, sind da nicht weit.

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Dass der Bolide zudem auffällig in den russischen Landesfarben lackiert ist, obwohl das Haas-Team aus den Vereinigten Staaten kommt, lässt diese jedenfalls nicht kleiner werden.

Schumacher besser als Mazepin

Aber auch auf den Rennstrecken konnte er seine Tauglichkeit noch nicht wirklich unter Beweis stellen. Im Team-Duell mit Rookie-Kollege Mick Schumacher ist er bisher chancenlos.

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In allen drei Qualifyings und in allen drei Rennen war ihm der Deutsche klar und deutlich überlegen. Beim Portugal-GP am vergangenen Wochenende feierte Schumacher das erste Überholmanöver seiner Formel-1-Karriere und kam sogar vor dem eigentlich schnelleren Williams von Nicholas Latifi ins Ziel.

Mazepin dagegen fuhr erneut als letztes Fahrer über die Ziellinie – mit mehr als einer Minute Rückstand auf seinen Teamkollegen. Immerhin blieb ihm eine Überrundung durch Schumacher erspart. (Die Fahrerwertung der Formel 1)

Dass er nach dem Rennen mit Blick auf die Rundenzeiten sogar von einem "guten Rennen" sprach, ließ die Frage aufkommen, wie denn ein schlechtes Rennen bei ihm aussehen würde. Aber vermutlich war er einfach froh, die Ziellinie gesehen zu haben.

Neuer Hashtag "Mazespin"

Während die Lernkurve beim Sohn von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher stetig nach oben zeigt, und dieser die harte Arbeit seiner Ingenieure und Mechaniker mit guten Leistungen zurückzahlt, scheint dies bei Mazepin nicht der Fall zu sein.

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Weil sich der Russe in seinem Auto wieder und wieder dreht, hat sich sogar bereits ein eigener Hashtag entwickelt: "Mazespin" - "spin" für Dreher.

Doch es sind nicht nur die Fans, die keinen Gefallen an ihm finden. Auch im Fahrerlager hält sich die Begeisterung in Grenzen. Während Mick Schumacher Everybody's Darling zu sein scheint, und mit Sebastian Vettel bereits einen Freund im Paddock hat, steht Mazepin immer wieder bei seinen Kollegen in der Kritik.

Perez wütet gegen Mazepin

Beim Portugal-GP missachtete er bereits im Qualifying das Gentlemen's Agreement, welches das Verhalten bei der Vorbereitung auf schnelle Runden regelt. (Rennkalender der Formel 1 2021)

Schlimmer wurde es im Rennen. Der Russe missachtete Blaue Flaggen, als der zu diesem Zeitpunkt Führende Sergio Perez von hinten heranrauschte - und verursachte damit beinahe eine Kollision. Der Mexikaner beschimpfte ihn darauf umgehend als "verdammten Idioten" - nicht die erste Beleidigung dieser Art gegen Mazepin.

Haas-Teamchef Günther Steiner will von der ständigen Kritik an seinem Youngster indes nichts wissen. "Es war keine Absicht und schlussendlich ist auch nichts passiert", erklärte er nach dem Rennen. Im RTL-Interview sagte Steiner zudem, Mazepin sei eben "immer am falschen Platz zur falschen Zeit".

Haas hält zu seinem Fahrer

Dem geringen Beliebtheitsgrad des Russen liegen aber nicht nur fahrerische Mängel zugrunde. Dass sich viele Fans einen anderen Piloten im Haas-Cockpit wünschen, liegt vor allem am Verhalten des 22-Jährigen neben der Strecke.

Bereits zu Formel-2-Zeiten lieferte er sich Handgreiflichkeiten in der Boxengasse. Der Tiefpunkt folgte im vergangenen Dezember, als ein Video auftauchte, in dem er eine junge Frau an den Brüsten begrapschte.

Als Folge dessen formierte sich die Initiative #WeSayNoToMazepin, die seine sofortige Entlassung bewirken wollte. Haas beließ es jedoch bei einer Rüge - wohl auch aufgrund wirtschaftlicher Zwänge.

Diesen schlechten Eindruck konnte Mazepin bislang auch auf der Strecke nicht widerlegen - und so sammelt er weiter fleißig Feinde in der Formel 1.

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