Nach Skandal-Attacke - Fenati ist seinen Job los
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München - Romano Fenati steht nach seinem Griff an den gegnerischen Bremshebel stark in der Kritik. Moto2-Kollege Marcel Schrötter findet deutliche Worte.

Moto2-Pilot Romano Fenati ist nach seiner Aktion gegen Stefano Manzi in Misano die neue Persona non grata im Motorsport.

Bei 217 km/h hatte er im Duell um Platz elf seinem Landsmann an den Bremshebel gegriffen und diesen binnen einer Sekunde um 90 km/h ausgebremst. Vom Verband wurde der 22-Jährige nur für zwei Rennen gesperrt, aber sein Team setzte den Italiener mit sofortiger Wirkung vor die Tür.

"Wir werden die Zusammenarbeit aufgrund seines unsportlichen, gefährlichen Verhaltens beenden", hieß es in dem Team-Statement: "Er hat das Leben eines anderen Fahrers riskiert, das kann nicht entschuldigt werden."

Der Ruf des Rowdys war bereits vor der Aktion nicht der beste und ist nun endgültig ramponiert, wie der Deutsche Marcel Schrötter bei SPORT1 verdeutlichte. Denn Fenati wurde bereits vor drei Jahren auffällig, als er in der Warm-Up-Session einen anderen Piloten erst trat und anschließend dessen Maschine ausstellte.

Auch sein ehemaliger Teamchef und Motorrad-Legend Valentino Rossi wusste um den wilden Charakter von Fenati und nannte ihn wegen seiner bulligen Statur scherzhaft "Wildschwein".

Schrötter: "Er kommt arrogant rüber"

"Er kommt ziemlich arrogant rüber. In den letzten zwei bis drei Jahren hat er sich einige Dinge geleistet, bei denen man dachte, dass sie nicht unbedingt clever waren. Ich glaube nicht, dass er der Schlauste ist", erklärte Schrötter.

Fenati verhalte sich bereits seit Jahren so. "Er ist schon so, seit er in die Serie gekommen ist, das macht ihn eigentlich aus. Eigentlich hat man als junger neuer Fahrer viele Piloten, zu denen man aufschaut, deswegen braucht man sich nicht so geben, als wäre man schon einer der Größten", so Schrötter.

Der 25-Jährige, der am Sonntag zum ersten Mal aufs Podest fuhr, verurteilte das Manöver: "Die ganze Aktion ist sehr glücklich ausgegangen. Ich bin sowieso verwundert, dass so wenig passiert ist. Wenn Fenati die Bremse mit ein bisschen mehr Druck betätigt hätte, dann wäre alles ganz anders ausgegangen", sagte Schrötter.

Auch Fenati-Opfer Manzi erhob schwere Vorwürfe in Richtung seines italienischen Rivalen: "Eine Handlung, bei der ein Gegner versucht, einen Rivalen mit über 200 km/h zu töten, indem er den Bremshebel betätigt, das ist unverzeihlich."

Schrötter: "Man fasst nirgendwo hin"

Schrötter wurde deutlich: "So etwas macht man einfach nicht. Man fasst nirgendwo hin. Ein Griff an eine andere Stelle wäre schon gefährlich genug, in Richtung Bremse ist natürlich noch viel schlimmer. Wenn er mit der Hand nur ein bisschen kräftiger zugepackt hätte, dann hätte es sehr schlimm ausgehen können."

Das gesamte Fahrerlager sei laut Schrötter der Meinung, "dass er mit dem Leben von Stefano Manzi gespielt hat". Andrea Dovizioso, Sieger des MotoGP-Rennens von Misano, begrüßte die Disqualifikation des Italieners zwar, meinte aber auch: "Wir müssen uns ansehen, ob Manzi nicht auch etwas angestellt hat."

Fenati entschuldigte sich für sein Verhalten, erhob aber Vorwürfe gegen Manzi. "Er hat mich dreimal angegriffen, er hätte mich töten können", sagte Fenati. Auch Manzi erhielt vom Motorrad-Weltverband FIM eine Strafe, er wird beim nächsten Rennen sechs Startpositionen zurückversetzt.

Schrötter bezeichnete die Sperre von zwei Rennen als "absoluten Witz" und forderte eine Sperre für Fenati von drei bis vier Jahren für alle Meisterschaften. "Wäre die Aktion nicht so glimpflich ausgegangen, wäre auch seine Strafe anders ausgefallen", erklärte der 25-Jährige.

Wie geht es mit Fenati weiter?

Schrötter vermutete zwar, dass Fenati "irgendwo bestimmt" eine neue Chance bekommen werde, doch der Skandal-Pilot will seine Karriere auch aufgrund von Hass-Posts bei Facebook und Instagram beenden.

"Der Motorsport ist nicht mehr meine Welt. Es gibt zu viel Ungerechtigkeit", klagte der 22-Jährige in der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Künftig werde er im Eisenwarengeschäft seiner Familie im mittelitalienischen Ascoli arbeiten.

"Mein Ziel war immer, auf der Rennstrecke zu gewinnen. Ich habe jedoch festgestellt, dass sich niemand für mich und mein Leid interessiert", beschwerte sich Fenati und begab sich in die Opferrolle. Es sei deshalb besser, "sich für immer vom Motorsport zu trennen".

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