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Ex-Bayern-Star vollbringt Pokal-Wunder: "Er hat sich unsterblich gemacht"

„Er hat sich unsterblich gemacht“

Die Bamberg Baskets gewinnen sensationell den deutschen Basketball-Pokal. Einer der Hauptgründe für den Triumph ist Trainer Anton Gavel, dem mit einem Underdog erneut ein Wunder gelingt.
Überraschungssieg im Finale des BBL-Pokals. Die BMA365 Bamberg Baskets gewinnen 74:72 gegen Alba Berlin.
Die Bamberg Baskets gewinnen sensationell den deutschen Basketball-Pokal. Einer der Hauptgründe für den Triumph ist Trainer Anton Gavel, dem mit einem Underdog erneut ein Wunder gelingt.

Als die Schlusssirene im Münchener SAP Garden ertönte, kannte die Freude bei den BMA365 Bamberg Baskets kein Halten mehr. Die ganze Mannschaft stürmte nach dem letzten Fehlwurf von ALBA Berlin geschlossen zum Fanblock, in dem viele der über 1000 mitgereisten Bamberger Fans vor Freude quer durch den Block flogen.

Und auch am Spielfeldrand herrschte pure Ekstase. Trainer Anton Gavel sprang auf das Feld, schrie seine Freude heraus und umarmte gleich seine Co-Trainer Arne Woltmann und Stefan Weissenböck. Zu dritt sprangen sie anschließend Arm in Arm wie kleine Kinder im Kreis herum. Gavel hatte es tatsächlich geschafft, ihm war erneut ein Meisterstück gelungen – dieses Mal in Form des Pokalsieges.

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Zuvor hatte sein Team das Pokal-Wunder perfekt gemacht. Nach dem Drama-Sieg gegen den FC Bayern am Vortag rang Bamberg im Finale mit ALBA Berlin das nächste Schwergewicht mit 74:72 nieder.

Beide Spiele holte Bamberg wegen einer taktischen Meisterleistung von Gavel, auch wenn dieser lieber seine Spieler in den Fokus rückte: „Glückwunsch an unsere Spieler zu diesem Pokalsieg. Wir haben Kaliber geschlagen, wo wir eigentlich nicht dazu gehören, und darauf können die Jungs unglaublich stolz sein.“

Gavel? „Hat sich unsterblich gemacht“

Der Cheftrainer möchte sich trotz seines enormen Anteils an dem Erfolg nicht in den Mittelpunkt stellen. Ganz anders sehen seine Leistung aber diejenigen, die tagtäglich mit ihm zusammenarbeiten.

„Er spielt eine unfassbar große Rolle. Er ist selbst schon für viele Banner in der Arena verantwortlich (Gavel gewann als Spieler sieben Titel mit Bamberg, Anm. d. Red.). Man glaubt ihm jedes Wort, weil man weiß, was er geschafft hat, als er selbst noch gespielt hat“, stellte Bamberg-Star Moritz Krimmer die Rolle seines Trainers im Gespräch mit SPORT1 heraus.

Auch Geschäftsführer Philipp Höhne war voll des Lobes: „Was Anton gemeinsam mit seinem Coaching-Staff aus dieser Mannschaft gemacht hat, ist unglaublich.“

Schon als Spieler hatte Gavel mit Bamberg vier Meistertitel und drei Pokalsiege eingefahren. Als SPORT1 Höhne nach dem Stellenwert des Trainers für den Bamberger-Basketball fragte, wurde dieser deutlich: „Er ist vorher schon eine Legende gewesen und jetzt hat er sich einfach unsterblich gemacht.“

Gavels taktische Meisterleistungen

Er selbst wird diese Loblieder wohl nur mit einem bescheidenen Lächeln zur Kenntnis nehmen. Gavel schiebt lieber seinen Coaching-Staff oder sein Team ins Rampenlicht. So auch bei der Siegerehrung am Sonntag. Als jede Person einzeln auf das Siegerpodest gerufen wurden, weigerte er sich die Bühne alleine zu betreten und holte sich stattdessen eingehakt mit seinen beiden Co-Trainern die Siegermedaille ab.

Dabei schaffte er am Wochenende schier Unglaubliches. Laut Daten der BBL ist Bamberg das Team mit dem geringsten Personal-Budget der Liga. Trotzdem schockte man mit zwei taktischen Meisterleistungen erst den Primus Bayern, dann das zweitreichste Team ALBA Berlin.

Speziell gegen die Bayern überraschte Bamberg mit einem extrem forschen Auftreten und einem ganz klaren Plan: Bayern-Star Andi Obst kaltzustellen.

„Andi war unser absoluter Fokuspunkt. Wir wollten ihm das Leben schwer machen“, machte Gavel nach dem Halbfinale deutlich: „In der ersten Halbzeit stand Andi nur bei drei Punkten und Bayern insgesamt nur bei 36, das war wichtig.“

Über weite Strecken doppelten die Bamberger Obst, von dem die Bayern in dieser Saison so unglaublich abhängig sind. Ganz stoppen kann man den Nationalspieler natürlich nicht. Zum Ende des Spiels stand er trotzdem bei 17 Punkten. Er brauchte dafür aber 16 Würfe, von denen er nur fünf traf (zudem nur 3/11 Dreiern). Durch den ständigen Verteidigungsdruck wirkte er zudem in der Overtime erschöpft und fällte kurz vor Schluss in einer spielentscheidenden Situation die falsche Entscheidung.

Schüler schlägt Lehrmeister

Mit seiner Taktik entzauberte der einstige Schüler Gavel so seinen Lehrmeister Svetislav Pesic. Unter der Trainerlegende hatte er zwischen 2014 und 2016 als Spieler bei den Bayern gespielt.

„Ich bin sehr zufrieden, dass er nach seiner erfolgreichen Spieler-Karriere die Entscheidung getroffen hat, auch in diesen Trainerjob zu gehen“, sagte Pesic nach der Niederlage am Samstag.

Anschließend fand er extrem lobende Worte: „Er war als Spieler genauso, wie seine Mannschaft heute gespielt hat. Er war ein Spieler, der immer über 100 Prozent gespielt hat. Das hat auch seine Mannschaft heute ausgezeichnet. Anton ist schon lange kein Anfänger mehr.“ Danach fügte Pesic lachend hinzu: „Er ist schon lange Trainer und hat aber auch Glück gehabt, dass er mein Spieler war. Wenn man sieht, wie die einige Sachen machen, da sieht man, dass er bei mir war.“

Während Pesic zu diesem Loblied ausholte, merkte man Gavel deutlich an, dass ihm das Lob fast schon unangenehm war. Er lächelte zwar, aber es wurde deutlich, dass er eben nicht im Rampenlicht stehen will.

Gavels Spieler gehen für ihn durchs Feuer

Vielmehr sind es die Spieler, die er im Rampenlicht sehen will. Diese zahlen ihm dieses Vertrauen zu 100 Prozent zurück. Am Wochenende wurde deutlich, dass die Spieler Gavel folgen und für ihn durchs Feuer gehen.

Es war beeindruckend zu beobachten, wie die Bamberger-Mannschaft als Team agierte. Jeder Akteur gab in jeder Sekunde 100 Prozent. Machte ein Spieler einen Fehler, war gleich jemand da, der ihn aufbaute oder den Fehler ausbügelte. So kämpfte sich Bamberg auch ins Finale zurück, in dem ALBA lange wie der sichere Sieger wirkte.

Zudem wurde deutlich: Bamberg glaubte von Sekunde eins an das Pokalwunder. Das stellte auch Krimmer im Gespräch mit SPORT1 heraus: „Wir sind schon reingegangen mit dem Gedanken: Wir kommen nicht nur her, um teilzunehmen, sondern um das Ding auch zu gewinnen.“

Dieser Wille beeindruckte übrigens auch das Publikum in München. Während des Finals gegen Berlin unterstützen plötzlich nicht nur die Bamberger-Fans das Team. Auch viele Fans des FC Bayern und die neutralen Fans auf der Haupttribüne klatschten gemeinsam mit den Bamberger-Fans im Takt, freuten sich über Körbe und erhoben sich bei Bambergs letzten Angriff aus den Sitzen, um die Mannschaft zu unterstützen.

Nicht das erste Wunder unter Gavel

Die Bamberger Mannschaft begeisterte, angeführt von Trainer Gavel, alle Basketball-Fans. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass dies einer von Gavel trainierten Mannschaft das gelingt.

Gleiches war schon 2023 zu beobachten, als ihm mit Ulm ein ähnliches Kunststück gelang. Auch dort formte er einen Underdog zu einem eingeschworenen Haufen, der daran glaubte, etwas Großes zu schaffen.

Als Siebter ging Ulm damals in die Playoffs und schockte hintereinander ALBA Berlin, Bayern München sowie den damaligen Hauptrunden-Ersten aus Bonn und wurde sensationell Deutscher Meister.

Gavels Bewerbung für Bayern-Job

Jetzt hat Gavel gezeigt, dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege war. Diese Leistung wird sicher auch Begehrlichkeiten von großen Vereinen wecken.

Bei seinem Herzens-Verein Bamberg hat er auch noch in der kommenden Saison Vertrag, aber auch ein weiterer Herzens-Verein, der FC Bayern, sucht ab der kommenden Saison einen Trainer. Ob er wirklich Kandidat ist, bleibt offen. Ein dickes Bewerbungsschreiben für viele Top-Vereine war dieser Auftritt im Münchener Wohnzimmer aber definitiv.

Auch wenn Gavel das sicher nicht gerne über sich selbst hören wird: Er ist einer der Wunder-Vollbringer des deutschen Basketballs.