Das Spiel im Münchener SAP Garden war gerade mal wenige Sekunden vorbei, als Bayern-Trainer Svetislav Pesic nach dem 96:89-Heimerfolg gegen Baskonia voller Freude direkt zu Andi Obst eilte, den Welt- und Europameister strahlend in den Arm nahm und ihn für dessen Fabelleistung lobte.
Bayern-Star begeistert und ist endgültig ein europäischer Top-Star
Bayern-Star zündet die nächste Stufe
„Natürlich! Das gibt es immer“, sagte Pesic auf der PK, als er von SPORT1 gefragt wurde, ob Obst direkt nach dem Spiel ein Sonderlob erhalten habe: „Ich glaube, das hatte er heute verdient.“
Für den oft auch sehr strengen Altmeister ein fast schon euphorisches Lob, das aber auch völlig berechtigt war. Obst hatte wenige Minuten zuvor überragende 37 Punkte erzielt und damit seinen eigenen EuroLeague-Rekord (zuvor 34 Punkte bei seinem Dreierrekord gegen Barcelona) noch einmal verbessert.
Diese Leistung sorgte auch bei den Bayern-Fans für unglaubliche Begeisterung. Bei erfolgreichen Aktionen des 29-Jährigen hielt es die Zuschauer nicht auf ihren Sitzen. Und schon deutlich vor dem Spielende schallten lautstarke „Andi, Andi, Andi Obst“ Sprechchöre durch die Halle.
Und auch bis in die USA drang die Obst-Gala durch. Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder teilte auf Instagram einen Post zu den Fabelstatistiken seines Kollegen und schrieb dazu: „Er sollte in der NBA sein. Zu 100 Prozent.“
EuroLeague: Obst entwickelt sich zum europäischen Top-Star
Spätestens in dieser Saison hat sich Obst zum absoluten Leistungsträger gemausert und zeigt auch in der EuroLeague, dass er mittlerweile selbst auf internationaler Bühne zu den Top-Stars gehört. Dabei besticht er längst nicht mehr nur als reiner Dreipunkte-Werfer.
Alleine in dieser Saison war es bereits das zweite Spiel, in dem er mehr als 30 Punkte erzielte. Gegen Roter Stern gelangen ihm 31 Zähler. Neben diesen Ausreißern nach oben besticht er in dieser Spielzeit auch mit Konstanz: In sechs weiteren Spielen erzielte er mehr als 15 Punkte.
Im Schnitt macht er in dieser EuroLeague-Saison bisher 13,8 Punkte. Mit Isiah Mike gibt es im aktuellen Kader überhaupt nur einen weiteren Spieler, der im Schnitt zweistellig punktet (10,5 Punkte).
Auch weil von seinen Teamkollegen oft wenig kommt, ist Obst in dieser Saison häufig der Alleinunterhalter bei den Bayern. Er überzeugt aber nicht nur sportlich, sondern auch was den wichtigen Faktor Spektakel angeht.
FC Bayern: Obst begeistert die Fans mit spektakulären Spielen
Nicht umsonst hatte Präsident Herbert Hainer auf der Pressekonferenz zum Trainerwechsel bei den Bayern deutlich gemacht, dass ihm speziell das Spektakel der letzten Saison fehle und er sich eben jetzt wieder mehr davon wünsche.
Der Bayern-Präsident weiß auch, dass viele der Besucher im SAP Garden eben auch für rauschende Abende und spektakuläre Aktionen kommen. Dinge, die es in der überragenden vergangenen Saison nahezu bei jedem Spiel gab.
In dieser Saison durften die Fans solche Abende bisher selten erleben - und wenn doch, war meist Andi Obst dafür verantwortlich. So auch beim Sieg gegen Baskonia, als der gebürtige Hallenser mit der Schlusssekunde der ersten Halbzeit einen schier unmöglichen Dreier auf einem Bein traf. Die Halle stand Kopf. Die Aktion leitete auch die Aufholjagd in der zweiten Halbzeit ein.
Obst begeistert die Fans aber nicht mehr nur mit Dreiern, sondern auch mit starkem Zug zum Korb. Er agiert viel variabler und reißt die Fans auch mit schweren Korblegern aus ihren Sitzen. Bezeichnend: Gegen die Basken traf er neben den sieben Dreiern auch sechs seiner sieben Versuche aus dem Zweierbereich.
Pesic lobt Obst speziell für seine Defensive
Doch der Welt- und Europameister ist in dieser Saison für die Bayern auch noch weit mehr als nur Mister-Spektakel. Er ist sich auch nicht zu schade, die Drecksarbeit in der Defensive zu verrichten.
„Ich mag ihn sehr, und zwar nicht nur, weil er so gut trifft, sondern speziell, weil er so viel Verantwortung für die Mannschaft übernimmt, aktuell auch ganz speziell in der Defensive, wo er sich sehr verbessert, hat“, lobte ihn auch Trainer Pesic.
Tatsächlich reibt sich Obst in jedem Spiel auch in der Defensive auf und macht ständig Druck auf den gegnerischen Point Guard. Das stellte auch Pesic heraus: „Für uns ist es wichtig, dass wir jemanden gefunden haben, der diese Rolle übernimmt. Und noch viel wichtiger, er freut sich sogar, diese Verantwortung zu übernehmen.“
„Er hat einfach das Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive gefunden. Es klingt vielleicht komisch, dass ich das nach diesem Spiel sage, aber er ist auch einer unserer wichtigsten Spieler in der Defensive“, sagte der Bayern-Trainer über seinen Schützling.
Teamkollege begeistert: „Er ist der beste Schütze in Europa“
Zudem bleibt Obst natürlich eine unglaubliche Waffe als Distanzschütze. Einer, der diese Fähigkeiten bereits am eigenen Leib erfahren musste, ist Bayern-Neuzugang Neno Dimitrijevic. Er traf in der Vergangenheit oft als Gegenspieler auf Obst.
„Es ist fantastisch, jetzt mit ihm in einer Mannschaft zu spielen. Er ist der beste Schütze in Europa. Das hat er heute wieder eindrucksvoll gezeigt“, lobte ihn der Nordmazedonier und erklärte SPORT1 dann, was es so schwer mache, Obst zu stoppen: „Er kann einfach von überall werfen. So ist es für einen Verteidiger echt hart und fast unmöglich, ihn zu verteidigen.“
Auch deshalb sei er froh, jetzt mit ihm zusammenzuspielen, auch weil es sein eigenes Leben als Point Guard deutlich einfacher macht: „Ich muss ihm nur den Ball geben und schon habe ich deutlich mehr Assists.“
Und Obst selbst? Der zeigte sich nach dem Spiel sehr bescheiden: „Für mich ist der Sieg wichtiger als der Rekord. Es ist wichtig, dass wir wieder in die Erfolgsspur kommen.“ Trotz des großen Rückstands in der EuroLeague (vier Siege) glaube er auch noch weiter an die Teilnahmen an den PlayIns: „Ich denke mal, alles ist möglich. Dafür müssen wir aber uns weiter als Mannschaft verbessern und uns von Spiel zu Spiel steigern.“
Viel mehr als die 37 Punkte im Spiel gegen Baskonia wird für Obst kaum möglich sein. Wenn er sich aber weiter so in den Dienst des Teams stellt und die Bayern tatsächlich noch in Richtung PlayIns führt, wird es für ihn sicher noch einiges an Sonderlob geben.