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Marco Baldi von ALBA Berlin: "Wahnsinn", was FC Bayern gemacht hat

Baldi über Bayern: "Ich freue mich"

ALBA Berlin startet in die BBL-Saison. Bei SPORT1 spricht Geschäftsführer Marco Baldi über den Kampf gegen den FC Bayern und die Relevanz der Bundesliga.
Nachdem Alba Berlin in Zukunft auf Cheerleader verzichtet, will auch Uli Hoeneß darüber nachdenken und die Fans des FC Bayern Basketball dazu befragen.
ALBA Berlin startet in die BBL-Saison. Bei SPORT1 spricht Geschäftsführer Marco Baldi über den Kampf gegen den FC Bayern und die Relevanz der Bundesliga.

Am Mittwoch hat ALBA Berlin erstmals in der Bundesliga eingegriffen.

In einer vorgezogenen Partie des 5. Spieltags empfing der deutsche Vizemeister das letztjährige Überraschungsteam RASTA Vechta und feierte einen 101:78-Sieg. Am Freitag folgt mit dem Heimspiel gegen Zenit St. Petersburg die Rückkehr in die EuroLeague.

Am Samstag hatten die Albatrosse im BBL-Pokal bereits ihr erstes Pflichtspiel erfolgreich bestritten. Für Aufsehen sorgte der Klub zuletzt mit der Ankündigung, zukünftig auf Cheerleader zu verzichten.

Im SPORT1-Interview beurteilt Geschäftsführer Marco Baldi die Stärke der BBL, analysiert ALBAs Entwicklung und Philosophie und blickt auf die Transfers des FC Bayern.

SPORT1: Herr Baldi, die BBL hatte ja das Ziel, bis 2020 die beste der Liga Europas zu werden. Jetzt standen im WM-Finale 15 Akteure aus der spanischen ACB auf dem Feld - und null aus Deutschland. Was bedeutet das?

Marco Baldi: Das ist eine klare Ansage. In unserer Vorbereitung haben wir gegen spanische Mannschaften gespielt, die gutes Mittelfeld in der ACB darstellen. Schon da sieht man die Spielklasse und das hohe Spielverständnis, das spanische Teams haben.

Das betrifft das Thema Team-Basketball. Natürlich sind viele Spieler in der ACB auch individuell stark. Aber was Spielidee und das Zusammenfügen der einzelnen Spieler zu einem Team anbelangt, sind die Spanier aktuell sehr gut unterwegs und uns in der Breite auch noch voraus.

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Was wirtschaftliche Stabilität, Reichweiten oder Hallenauslastung angeht - also Faktoren, die für die Popularität einer Sportart sprechen – hat sich die BBL dramatisch gut entwickelt. Und auch sportlich ist es in Deutschland deutlich voran gegangen. Das ist qualitativ nicht mehr zu vergleichen mit dem Leistungsniveau von vor fünf oder zehn Jahren. Es geht nicht mehr nur darum, dass große Namen wie ein Monroe oder ein Dragic in die Liga kommen, auch zentrale Faktoren wie professionelles Scouting oder taktisches Vermögen haben sich erheblich verbessert. Dennoch ist uns die ACB sportlich momentan noch ein Stück voraus.

Verbleib von Aito begeistert Berlin

SPORT1: Wie beurteilen Sie den Sommer von ALBA Berlin? Wie wichtig war es dabei, Coach Aito weiter an den Verein zu binden?

Baldi: Wir haben eine klare sportliche Ausrichtung und die ist natürlich nicht von Aito abhängig. Die würden wir auch ohne ihn verfolgen. Aber er ist der beste Protagonist für diese Ausrichtung. Wir sind sehr glücklich, dass er bei uns geblieben ist.

Jeder Spieler, der zu ALBA Berlin kommt, weiß, dass wir ein ambitionierter Klub sind, der besonderes Augenmerk auf die Weiterentwicklung von Spielern legt. Dafür haben wir über Jahre eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut. Ob Individualtrainer, medizinische Versorgung oder auch Betreuungsangebote außerhalb des Sports - alles wird getan, damit Spieler bei uns die besten Voraussetzungen vorfinden, um sich verbessern zu können. 

Das gilt insbesondere auch für junge Spieler, die aus unserem Jugendprogramm kommen. Sie sehen an Tim Schneider, Jonas Matisseck oder jetzt auch an Lorenz Brennecke oder Malte Delow, dass der Weg ins Profiteam offen ist.

Auch hier ist Aito der perfekte Vertreter unserer Philosophie. Er hat zigfach nachgewiesen, dass er ein Experte darin ist, Spieler auf das allerhöchste Niveau zu hieven und hat eine Riesenfreude daran.

EuroLeague: "Es kann sich Frustration einstellen"

SPORT1: Wie gehen Sie das Abenteuer EuroLeague an, was trauen Sie sich zu?

Baldi: Wir gehen mit einer riesigen Freude in diese EuroLeague-Saison. Und wir verspüren eine große Spannung, aber auch eine gewisse Demut. Wir haben in Zadar bei einem Turnier gegen Efes Pilsen Istanbul gespielt, die im vergangenen Jahr im Finale der Euroleague standen. Da haben wir einen Vorgeschmack auf das Wettbewerbsniveau bekommen. Auch im EuroCup gibt es Teams, die EuroLeague-Qualität haben, aber das sind eben einige Mannschaften. In der EuroLeague sind sämtliche Teams auf höchstem Niveau. Sie sind groß, schnell, erfahren und wissen, was sie wollen. Diese Wettbewerbsdichte wird für uns schon etwas Neues sein.

Dazu kommt die Belastung durch die hohe Anzahl an Spielen. Letztes Jahr hatten wir in der Regel zwei Spiele die Woche, jetzt sind es drei oder zum Teil sogar vier. Dazu kommen noch die vielen Reisen. Da müssen wir schauen, wie wir das verkraften.

Außerdem wird es die eine oder andere Niederlage mehr setzen, da wir gegen das Beste spielen, was Europa zu bieten hat. Da kann eine eigene Dynamik entstehen, es kann sein, dass wir sehr schnell aus Niederlagen lernen, es kann sich aber auch Frustration einstellen.

Insgesamt betrachtet sind wir uns bewusst, dass diese Saison eine riesige Herausforderung für uns wird. Dementsprechend breit haben wir unser Team aufgestellt. Und auch das ist eine neue Herausforderung für unser Trainer-Team. Wie schafft man es, dass alle 17 Spieler auf einem Level sind und über die Saison weiter zusammenwachsen? Gerade eine starke mannschaftliche Geschlossenheit ist für uns ein immens wichtiger Faktor für eine gute EuroLeague-Saison.

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Ich möchte aber nicht unken, sondern nochmals betonen: Die Teilnahme an der EuroLeague ist eine Riesenfreude für uns und unsere Fans. Es war unser Ziel in die EuroLeague zu kommen und wir wollen uns da auch etablieren.

Baldi will Bayern stürzen

SPORT1: Die Bayern haben hochkarätige Abgänge hinnehmen müssen, aber auch wieder einmal Ausrufezeichen gesetzt – wie mit Greg Monroe. Wie nehmen Sie solche Transfers auf – mit Gleichgültigkeit, mit Respekt, mit Neid…? Und als wie stark empfinden Sie das Team?

Baldi: Das hört sich jetzt diplomatischer an, als es gemeint ist. Aber ich freue mich. Denn ich freue mich immer, wenn jemand das Optimum aus seinen Möglichkeiten herausholt. Das gilt für Crailsheim genauso wie für Bayern. Bei Bayern lebt man eben dieses 'Mia san Mia' und das bedeutet, dass da nicht rumgekleckert wird. Da ist ein starker Klub mit einem sehr starken Präsidenten am Werk. Sie haben letztes Jahr schon an der K.o.-Runde gerochen und haben jetzt alles unternommen, um den nächsten Schritt zu machen. Da spielt Geld dann auch eine untergeordnete Rolle. Ihr Ziel ist, ein Team aufzubauen, mit dem man mindestens unter die besten Acht Europas einziehen kann. Das haben sie gemacht. Rein von den Namen her ist es ein Wahnsinn, welche Spieler sie da zusammengeholt haben.

SPORT1: Aber sie wollen die Bayern in diesem Jahr dennoch stürzen?

Baldi: Selbstverständlich. Ich denke, den Wunsch haben nicht nur wir. Wenn ich mir Ulm oder Oldenburg anschaue – vielleicht läuft dort alles etwas leiser ab, weil der mediale Fokus kleiner ist. Dennoch hat zum Beispiel Ulm ein sehr interessantes Team mit vielen Spitzenspielern zusammengestellt. Und auch an den anderen Standorten ist über den Sommer hart gearbeitet worden.

Für uns gilt es als Team zusammen zu kommen, eine starke Geschlossenheit herzustellen und über die Saison individuell und als Team zu wachsen. Dann können wir weit kommen.