Völlig ausgelaugt und mit leerem Blick saß Andreas Obst nach dem verlorenen Spiel fünf der BBL-Finalserie am Rande der Spielerbank. Dem Top-Star der Bayern waren die Enttäuschung und der Schmerz über die verpasste Meisterschaft deutlich anzusehen.
Plötzlich ist ausgerechnet er die tragischste Figur des FC Bayern
Ausgerechnet er als tragische Figur
Um seinen Hals baumelte die Silbermedaille und immer wieder schüttelte Obst den Kopf, während er die Siegerehrung des neuen deutschen Meisters ALBA Berlin verfolgte.
Zuvor hatte Obst alles auf dem Feld gelassen. Knapp 31 der 40 Minuten Spielzeit stand der Scharfschütze auf dem Feld und lange sah es so aus, als ob er seine Bayern erneut fast im Alleingang zum Titel tragen würde.
BBL: Obst vergibt in Schlusssekunden zweimal den Ausgleich
Doch nach einer starken ersten Halbzeit mit 16 Punkten folgte bei Obst, wie beim gesamten Bayern-Team in Halbzeit zwei, der Einbruch. Zwar erzielte er immer noch acht Punkte, brauchte dafür aber elf Würfe.
Speziell sein sonst so gefürchteter Dreier fiel gar nicht mehr. In der zweiten Halbzeit traf Obst nur noch einen von neun Würfen von außen.
Und doch wäre Obst, wie schon in dieser Saison so oft, fast noch Bayerns Retter in höchster Not gewesen. Bei sechs Punkten Rückstand verkürzte er mit seinem ersten Dreier der Halbzeit wenige Sekunden vor Schluss auf drei Punkte Rückstand.
Als anschließend Berlins Justin Bean zwei Freiwürfe vergab, hatten die Bayern mit knapp 20 Sekunden auf der Uhr plötzlich doch noch die Chance auf den Ausgleich. Doch erst vergab Obst einen gut verteidigten Dreier extrem knapp und nur wenige Sekunden später nach einem Offensive-Rebound einen schweren Dreier aus der Ecke.
Beides sicher keine Würfe, die man treffen muss, aber Würfe, die der Welt- und Europameister in seiner Fabel-Saison schon getroffen hatte – heute sollte es für ihn aber einfach nicht sein.
Obst spielt im Finale durch Krankheit geschwächt
Es war das I-Tüpfelchen einer insgesamt sehr unglücklichen Final-Serie für den BBL-MVP. Denn Obst ging alles andere als fit ins Finale. Nach einer überragenden Saison und starkem Start in den Playoffs fing sich Obst mitten in der Halbfinalserie einen hartnäckigen Virusinfekt ein.
Nachdem er gegen Bonn zweimal ausgesetzt hatte, kehrte er zum Finale wieder zurück und brillierte in Spiel eins mit starken 33 Punkten. Doch wirklich fit war er auch da noch nicht, wie er SPORT1 nach dem Spiel verriet: „Wirklich fit fühle ich mich ehrlich gesagt noch nicht. Ich versuche aber trotzdem ready zu sein. Jetzt versuche ich noch bis zum Ende durchzupushen.“
Und das versuchte Obst auch in den folgenden vier Spielen, doch ihm war die Schwächung durch die Krankheit deutlich anzumerken. In den Spielen zwei, drei und vier erzielte er zusammen nur 35 Punkte.
„Der Virus hat ihn kaputt gemacht. Er hat zehn Tage komplett flach gelegen“, sagte auch Trainer Svetislav Pesic nach Spiel fünf über Obst. Der spielte im Finale trotzdem in allen Partien fast 30 Minuten.
Tragisch: Fabulöse Obst-Saison bleibt ohne Titel
Und in diesen 30 Minuten musste der BBL-MVP so richtig kämpfen. ALBA beackerte ihn ab Spiel zwei konsequent und doppelte ihn oft. Das kostete mächtig Körner, auch weil die Münchener Offensive oft nur eine Option kannte: Obst, der im Eins gegen Eins schon eine Lösung finden wird.
Doch das gelang ihm, auch weil er eben extrem geschwächt wirkte, immer seltener. Er versuchte, ackerte, wollte und musste sein Team tragen, aber im Finale gelang ihm eben nicht mehr, was ihm in der Saison sonst immer gelang: Er gewann kein Spiel mehr im Alleingang.
Und so endetet seine individuell beste Saison der Karriere tragisch und ohne Titel.