Basketball-Beben: Das steckt dahinter

Basketball-Beben: Das steckt dahinter

Die angeblichen Pläne einer europäischen NBA im Basketball drohen die EuroLeague zu beerdigen. SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen rund um das mögliche Basketball-Beben.
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von SPORT1

Es roch nach Revolution - oder wenigstens nach einem umstürzlerischen Plan - der den europäischen Basketball nachhaltig in seinen Grundfesten erschüttern könnte.

Die NBA und der Basketball-Weltverband FIBA sollen Verhandlungen über die Gründung der NBA Europe aufgenommen haben, also der europäischen Version der besten Basketball-Liga der Welt.

Das jedenfalls berichtete die für gewöhnlich gut informierte Marca.

Basketball-Beben: Greift die NBA nach Europa?

Die Beteiligten dementierten am Freitagabend prompt: Zwar habe es im September Gespräche zwischen NBA, FIBA und EuroLeague gegeben, diese hätten jedoch „zu keinem Zeitpunkt die Gründung einer NBA-Division in Europa“ zum Thema gehabt. Es hätten auch keine anderen Meetings mit diesem Inhalt stattgefunden.

Wieso der Marca-Bericht dennoch für so viel Wirbel sorgte? Sollte es tatsächlich so kommen, hätte die NBA als stärkste und populärste Basketball-Liga der Welt eine noch größere Machtkonzentration erwirkt als ohnehin schon.

Zur Erinnerung: Neben der eigenen Liga als milliardenschwerem Zugpferd und Aushängeschild mit all seinen Megastars kontrolliert die NBA auch das weibliche Liga-Pendant WNBA, die Development League als Nachwuchs-Organisation (als G-League bekannt) sowie die NBA Africa.

Eine europäische NBA würde die im Jahr 2000 gegründete EuroLeague wohl null und nichtig werden lassen. Doch welche Hintergründe hat das Basketball-Beben? (NEWS: Alles zur EuroLeague)

SPORT1 gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Woher rührt das Interesse der NBA?

Es ist nicht das erste Mal, dass von der Schaffung einer europäischen Sektion der NBA die Rede ist.

Bereits beim All-Star Game 2003 hatte der damalige NBA-Commissioner David Stern die Möglichkeit angedeutet, eine Allianz mit europäischen Teams zu gründen, die gegen NBA-Teams antreten könnten.

„Es gibt Gründe, ernsthaft darüber nachzudenken, Franchises in Europa zu gründen“, erklärte damals der inzwischen verstorbene Stern, der schon immer von einer NBA-Expansion geträumt hatte.

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Wann könnte eine NBA Europe Realität werden?

Ob und wann die Gründungspläne der NBA Europe in einen konkreten Termin einmünden könnten, ist nach dem Dementi vonseiten der EuroLeague unklar, nachdem zuvor bereits über 2022 spekuliert worden war.

Die NBA erklärte dazu in einer Verlautbarung: „Die NBA hat eine schon lange andauernde Beziehung mit der FIBA, um Basketball auf der ganzen Welt durch Initiativen wie Basketball Without Borders und die Basketball Africa League (BAL) weiter wachsen zu lassen. Wir haben über die Jahre auch schon einige Preseason-Spiele gegen EuroLeague-Teams absolviert.“

Und weiter: „Im Zuge unserer fortlaufenden Zusammenarbeit mit beiden Interessenvertretern wurden wir kürzlich eingeladen, uns an Diskussionen zu beteiligen, wie wir zusammenarbeiten können, um Basketball in Europa weiter voranzubringen. Wir freuen uns darauf, künftig an weiteren Gesprächen teilzunehmen.“

In den kommenden Monaten soll ein erneutes Treffen steigen. Ob dabei das Thema NBA Europe aber tatsächlich konkret auf den Tisch kommt, ist offen.

Spielen die europäischen Teams dann gegen NBA-Teams?

Wer bereits von Spielen zwischen dem FC Bayern, ALBA Berlin, FC Barcelona und anderen EuroLeague-Klubs gegen die Los Angeles Lakers, Golden State Warriors oder Dallas Mavericks träumt, wird enttäuscht. (Tabelle der EuroLeague)

Es geht der NBA vorrangig darum, einen dominierenden Zugriff auf dem alten Kontinent zu haben, keinesfalls um die Vermischung zwischen bisher voneinander völlig losgelösten Ligen beziehungsweise Wettbewerben.

Gleichwohl wäre es denkbar, dass die NBA mit ihren Megastars wie LeBron James, Stephen Curry oder Luka Doncic aus Popularitätsgründen künftig häufiger den Weg für Testspiele nach Europa fände.

Kareem Abdul-Jabbar, Larry Bird, Kevin Durant, Julius Erving, LeBron James, Magic Johnson, Chris Paul, Bill Russell und Dirk Nowitzki – nie zuvor haben so viele NBA-Spieler an einem Kampagnen-Spot mitgewirkt.
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Welche Streitpunkte um die EuroLeague gibt es?

Die Unzufriedenheit mehrerer Klubs der EuroLeague, die bereits den Abgang von CEO Jordi Bertomeu aus dem EuroLeague-Board beschlossen haben, fußt auf einem seit Jahren bestehenden Konflikt um die Ausrichtung der europäischen Basketball-Wettbewerbe zwischen FIBA und EuroLeague.

Letztere vergibt sowohl für ihren Premium-Wettbewerb als auch für die Eurocup-Saisons die A-Lizenzen und Wildcards, ohne Rücksicht auf das nationale Abschneiden der Teilnehmer.

Die Vereine und der neue FIBA-Generalsekretär Andreas Zagklis sorgen sich allem voran um die wirtschaftliche Situation der EuroLeague. Der gravierendste Streitpunkt entzündet sich dabei am Rückgang der Einnahmen - und die Art und Weise, wie sie verteilt werden.

Angeführt wird das Bestreben, aus der EuroLeague auszusteigen, laut dem Marca-Bericht von sieben Vereinen, darunter Panathinaikos Athen. Diese wollen demnach die anderen Eigentümerteams wie Real Madrid, Barcelona und Baskonia davon überzeugen, sich dem Projekt NBA Europe anzuschließen.

Die Spaltung in zwei Lager ist aber schwer zu durchschauen. (Spielplan und Ergebnisse der EuroLeague)

Was spricht gegen eine NBA Europe?

NBA-Commissioner Adam Silver soll Bertomeu laut Marca sogar einen Brief geschrieben haben, um ihn über den Plan eines neuen Wettbewerbs zu informieren.

Die EuroLeague dementierte auch das am Freitagabend, ein solches Schreiben habe es nicht gegeben, es handle sich um eine Falschmeldung.

Dass die EuroLeague-Lenker den US-Amerikanern freiwillig das Feld überlassen und eine Lösung ohne Konflikte ablaufen würde, erscheint ohnehin illusorisch.

Ein großer Stolperstein ist dabei der Vertrag der Euroleague Basketball mit IMG, einem der größten globalen Vermarkter von Sport, Mode und Medien.

Der Deal hat noch eine Laufzeit bis 2024 - kaum zu glauben, dass es zu einer vorzeitigen Beendigung kommt. Denn: Löst ein Team den Vertrag vorzeitig auf, droht eine Strafe von zehn Millionen Euro.

Überdies soll es dem Vernehmen nach aber auch in Reihen der FIBA durchaus Widerstände gegen eine NBA Europe geben.

Welch Schockwellen ein derartiger Vorstoß zur Veränderung auslösen kann, hat unlängst der Fußball aufgezeigt. Zwölf europäische Klubs wollten dabei eine geschlossene Super League gründen - und scheiterten.

Adam Silver ist seit Februar 2014 Commissioner der NBA
Adam Silver ist seit Februar 2014 Commissioner der NBA

Was sagen die deutschen Top-Klubs?

Die aktuelle Position der national in der BBL agierenden Topvereine wie der FC Bayern oder Meister ALBA Berlin ist unklar.

Auch derzeitige SPORT1-Anfragen an die Münchner sowie die Hauptstädter blieben quasi unbeantwortet.

ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi erklärte zumindest, von der momentanen Entwicklung des Themas „überrascht“ zu sein, jedoch „nichts dazu beitragen“ zu können.