Basketball-WM>

Basketball-WM: Kracher Deutschland - USA! Legende sicher: "Dann sind wir für keine Mannschaft zu stoppen"

„Dann ist Deutschland nicht zu stoppen!“

Mithat Demirel holte 2002 an der Seite von Dirk Nowitzki WM-Bronze. Bei SPORT1 spricht er vor dem Kracher-Halbfinale gegen die USA über Deutschlands Chancen, Dennis Schröders Schwächephase und die DBB-Trümpfe.
Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft steht im Halbfinale der WM. Dort trifft das DBB-Team auf den Titelfavoriten aus den USA. SPORT1-Reporterin Anne Kamphausen weiß, worauf es jetzt ankommt.
Mithat Demirel holte 2002 an der Seite von Dirk Nowitzki WM-Bronze. Bei SPORT1 spricht er vor dem Kracher-Halbfinale gegen die USA über Deutschlands Chancen, Dennis Schröders Schwächephase und die DBB-Trümpfe.

Der historische Erfolg der deutschen Basketballer bei der Basketball-WM auf den Philippinen elektrisiert auch die Helden von 2002.

„Das ist grandios!“, jubelt Mithat Demirel, der an der Seite von Dirk Nowitzki vor 21 Jahren zuletzt dafür gesorgt hatte, dass ein DBB-Team bei der Weltmeisterschaft bis ins Halbfinale vorgestoßen war, im SPORT1-Interview.

Vor dem Knaller im Halbfinale gegen die hochfavorisierten USA (Freitag 14.40 Uhr im LIVETICKER) spricht der frühere ALBA-Manager und Nationalspieler Demirel über die Schwächephase von Dennis Schröder, Deutschlands Chancen gegen die mit NBA-Stars gespickten Amerikaner und die DBB-Trümpfe.

Deutscher Siegeszug bei Basketball-WM: „Das ist wirklich grandios“

SPORT1: Zum zweiten Mal überhaupt und zum ersten Mal nach 21 Jahren steht Deutschland wieder im WM-Halbfinale, hat das Olympia-Ticket im Sack. Wie ist dieser Erfolg einzuordnen?

Mithat Demirel: Man muss der Mannschaft zu diesem grandiosen Ergebnis gratulieren, sie haben bisher überragenden Basketball gespielt. Das letzte Spiel gegen Lettland war ein Do-or-Die-Spiel. Das war das erste dieser Art, nach fünf extrem erfolgreichen Spielen. Man darf nicht vergessen, dass diese junge Mannschaft gar nicht die Erfahrung hat für solche Spiele, dass da nicht immer alles sofort läuft. Dass man den Flow aus der Vorrunde so mitnehmen kann, ist für eine junge Mannschaft überragend. Auch, dass man „ohne“ Dennis Schröder einen Sieg gefeiert hat, der bis dahin wirklich eine überragende WM spielt. Obwohl er nicht in das Spiel gefunden hat, hat das deutsche Team einen Weg gefunden, ins Halbfinale zu kommen und sich für Olympia zu qualifizieren. Zudem hat das Team auch noch Franz Wagner nach seinem verletzungsbedingten Ausfall erfolgreich integriert. Das ist insgesamt wirklich grandios.

SPORT1: Sie haben Dennis Schröder bereits angesprochen. Er sprach nach dem Viertelfinale von seinem wahrscheinlich schlechtesten Spiel, das er jemals in seiner Karriere gezeigt habe. Trotzdem gewann das DBB-Team. Ist das eine der großen Stärken der deutschen Mannschaft, dass sie derartige Leistungsschwankungen einzelner Top-Spieler auffangen kann?

Demirel: Auf jeden Fall. Das ist für den Reifeprozess der Mannschaft extrem wichtig, dass man beweist, dass man auch ohne einen überragenden Dennis erfolgreich sein kann. Diese Gewissheit hatte man vorher nicht. Das ist auch für die langfristige Zukunft total wichtig, nicht nur für dieses Turnier.

Deutschland vs. USA - darauf kommt es an

SPORT1: Im Halbfinale steht der deutschen Mannschaft nun das Duell gegen den Top-Favoriten, die USA, bevor. Wird Schröder dort wieder eine Topleistung abrufen können und wie wichtig wäre das für das deutsche Team?

Demirel: Abgesehen davon, dass er gegen Lettland nicht viel getroffen hat, hat er an wichtigen Stellen zwei, drei Mal sehr gut verteidigt und auch einen der wichtigsten Körbe überhaupt erzielt. Er wird gegen die USA wieder besser spielen. Ob er jetzt so überragend spielt, wie zuvor im Turnier, ist momentan zweitrangig. Wichtig ist, dass die Mannschaft als solche weiterhin funktioniert und jeder zum Zug kommt.

SPORT1: Zum Zug kam nach einer verletzungsbedingten Pause von vier Spielen auch wieder Franz Wagner, der mit 16 Punkten Deutschlands bester Scorer gegen Lettland war. Auch sein Bruder Moritz spielt ein starkes Turnier. Wie wichtig sind die beiden für den aktuellen Erfolg der deutschen Auswahl?

Demirel: Ich kenne Moritz und Franz schon sehr lange, weil ich genau in der Zeit bei ALBA war. Als Moritz 16, 17 Jahre alt war, haben wir ihn langsam in die Profimannschaft eingegliedert. Moritz bringt bei der WM vom ersten Spiel an unheimlich viel Energie rein. Er hat nicht immer alles richtig gemacht, aber allein durch diese Energie und seine Verbissenheit immer weiterzukämpfen, hat er dem Team geholfen, gerade auch in engeren Spielverläufen. Diese Intensität ist für die Mannschaft enorm wichtig. Offensiv hat er auch sehr gute Spiele gehabt. Seine Beweglichkeit und Mobilität sind total wichtig für die großen Positionen. Das ist so das A und O auf den Positionen, bei Franz auch entsprechend. Franz ist mit Dennis der wichtigste Spieler in dieser Mannschaft. Neben seiner Qualität hat er eine ruhende Ausstrahlung. Dennoch hat er einen sehr energischen, intensiven Basketballspielstil. Er spielt sehr physisch, was manchmal vielleicht gar nicht so rüberkommt. Jedes Jahr, jedes Spiel wird er besser werden. Franz wird in den nächsten Jahren bei großen Turnieren einer der dominantesten Spieler sein.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Ausgangslage vor dem Duell gegen die USA. Welche Chancen hat die deutsche Mannschaft?

Demirel: Es hilft, dass man in der Vorbereitung schon mal ein Spiel gegen die USA hatte, wo man auf Augenhöhe war. Auch der Turnierverlauf, wo die Amerikaner auch ihre Schwierigkeiten hatten, kommt dem deutschen Team zugute und hilft, an den Sieg zu glauben. Es wird sehr wichtig sein, dass das Team diesen Glauben nie verliert und immer dranbleibt, sich nicht überrennen lässt. Das hat die deutsche Mannschaft bisher sehr gut gemacht gegen verschiedenste Teams, die unterschiedlichsten Basketball spielen. Oft haben sie sich dem Gegner erst angepasst, aber dann trotzdem ihren eigenen Basketball durchgesetzt. Die deutsche Mannschaft hat auf jeden Fall eine Chance, die USA auch in so einem entscheidenden Spiel schlagen zu können.

„Dann ist Deutschland für keine Mannschaft zu stoppen“

SPORT1: Was spricht denn konkret für das deutsche Team?

Demirel: Wenn Dennis in Ausnahmeform aufläuft - das hat man im Turnierverlauf gesehen - ist Deutschland für keine Mannschaft zu stoppen. Dahinter kommen seine Mitspieler wie Franz oder auch Maodo. Es gibt eine Hierarchie in der deutschen Mannschaft, die dazu führt, dass das Team trotz einiger unkonzentrierten Phasen, über 35, 40 Minuten sehr intensiven, sehr konzentrierten und sehr effektiven Basketball spielen kann. Auch hat man gegen Lettland gesehen, dass ein Johannes Thiemann wichtig für die Mannschaft sein kann. Maodo war das im letzten Spiel. Es herrscht eine gute Hierarchie im deutschen Team, keiner will sich allein in den Vordergrund spielen. So eine mannschaftliche Geschlossenheit kann bei entscheidenden Turnierspielen total wichtig sein.

SPORT1: Welche Stärken vereint die deutsche Mannschaft zurzeit?

Demirel: Mit Dennis hat die deutsche Mannschaft einen Eins-gegen-Eins-Spieler, der immer wieder die freien Leute findet und auch scoren kann. Mit Maodo gibt es einen Ausnahmespieler, der seinen eigenen Wurf kreieren kann. Dann hat man mit Andi Obst einen extrem guten Schützen. Dazu kommt ein Franz, ein sehr großer Flügel, der vier Positionen verteidigen kann. Dann gibt es einen Bonga, der auch vier Positionen verteidigen kann und es geht weiter mit den großen Spielern, die mehrere Positionen spielen können. Sie sind sehr athletisch, sehr beweglich. Zudem können einige Spieler gut von außen werfen. Das ist schon die stärkste Nationalmannschaft, an die ich mich erinnern kann. Sie hat alles, was dazugehört: Vielseitigkeit, Qualität, offensive als auch defensive Stärken. Vor allem eine Vielseitigkeit, die es so noch nicht gab. Auch Daniel Theis: Er ist nicht der Größte, aber durch seine Athletik merkt man nicht, dass er manchmal zehn Zentimeter kleiner ist als seine Gegenspieler unter dem Korb. Auch ein Voigtmann, der vielleicht nicht ganz so viel unter dem Korb ist, aber das Spiel besser liest als einige andere Guards. Das ist eine sehr gute, vielseitige Truppe, gegen die es jedes Team schwer hat.

SPORT1: Lettland war für die deutsche Mannschaft teilweise schwer auszurechnen. Könnte es in diesem Punkt für die deutsche Mannschaft gegen die USA sogar einfacher sein, weil man die Amerikaner im Vergleich zu den Letten besser kennt?

Demirel: Nein, würde ich nicht sagen. Die Letten haben natürlich einen sehr unbequemen Basketball gespielt. Sie waren schwer auszurechnen und unangenehm. Sie haben auch die Franzosen und die Spanier geschlagen. Aber das deutsche Team spielt jetzt gegen eine amerikanische Mannschaft, die nicht mit unerfahrenen Rookies zur WM gefahren ist. Das sind gestandene NBA-Spieler, die sehr viel Qualität haben. Es wird auf jeden Fall ein schwierigeres Spiel als zuletzt gegen Lettland. Bislang haben die Amerikaner zwar noch nicht ihren besten Basketball gespielt, aber sie haben viel mehr Qualität als die Letten.