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Darts-WM: Desaster abgewendet - Wie MvG mit sich selber kämpft

Wie MvG mit sich selbst kämpft

Michael van Gerwen schrammt bei der Darts-WM nur knapp an einer Blamage vorbei. Der Superstar gewährt später einen Einblick in seine Gefühlswelt.
Michael van Gerwen kämpft sich bei der Darts-WM in Runde zwei und erklärt, warum er nach dem Spiel so emotional wurde.
Michael van Gerwen schrammt bei der Darts-WM nur knapp an einer Blamage vorbei. Der Superstar gewährt später einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Es gibt sie immer wieder im Sport. Große Überraschungen. Underdogs, die große Favoriten schlagen. Am Donnerstagabend wäre es im Ally Pally fast so weit gewesen. (Darts-WM vom 11. Dezember bis 3. Januar LIVE auf SPORT1) Darts-Superstar Michael van Gerwen musste in der ersten Runde der Weltmeisterschaft 2026 gegen den Japaner Mitsuhiko Tatsunami antreten.

MvG lieferte dabei aber keine souveräne Vorstellung – ganz im Gegenteil. Mit 0:1 in Sätzen und 0:2 in Legs lag der Niederländer zwischenzeitlich zurück. Zwar gewann er die Partie am Ende doch noch mit 3:1, profitierte dafür aber im vierten Satz davon, dass sein Kontrahent mehrere Set-Darts nicht nutzen konnte.

Mit einem Average von 90,82 rettete sich Mighty Mike in Runde zwei, eine historisch schlechte Darbietung des Sportlers auf der großen WM-Bühne. Die Situation beschäftigte ihn dabei sichtlich, war er nach der Partie im Interview mit Sky Sports doch den Tränen nahe.

Van Gerwen auf der Bühne emotional

„Das war wirklich schwierig“, gab der Superstar mit feuchten Augen zu. „Mein erster Dart war ständig zu hoch oder zu tief. Nichts hat wirklich funktioniert. Ich fühle mich gut, aber wenn man sich selbst unter Druck setzt, wird es nicht einfacher“, so der dreimalige Weltmeister.

„Ich hatte keine Angst vor seinem Scoring, aber wenn man so schlecht spielt und nicht genug gibt, nicht das, wozu man fähig ist, dann ärgert man sich über sich selbst. Und dann muss man sich mit seinen eigenen Problemen auseinandersetzen.“

Und weiter: „Ich habe in diesem Spiel weiter meinen eigenen Kampf gekämpft und sollte mich nicht in diese Lage bringen. Ich bin größer als das. Aber auf der anderen Seite ist das auch Darts.“

Respekt für Gegner Tatsunami

Und dazu gehört auch, dass er seinem Gegner offen Respekt zollte. „Wenn du dir seine Triple- und Doppelquoten ansiehst, war das Weltklasse. Seine letzten Spiele waren gut, aber das heute hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Beim Einwerfen habe ich nicht gedacht, dass er dieses Niveau erreicht“, so der Niederländer.

Für van Gerwen hat die erste Runde beim größten Darts-Turnier des Jahres ohnehin stets ihre eigenen Gesetze. „Es ist hektisch, alle schauen zu, jeder hat eine Meinung. Jeder weiß, wo du stehst, wenn du auf dieser Bühne spielst. Dann musst du jedes Mal wieder beweisen, dass du es immer noch kannst.“

Nicht immer einfach.

MvG kämpft mit privaten Problemen

Für MvG ist der Druck in diesem Jahr noch einmal deutlich höher – sportlich und privat. „Jeder weiß, dass ich ein hartes Jahr hatte, auch neben der Bühne. Das nimmst du mit, ob du willst oder nicht. Du versuchst, dich in einen ruhigen Zustand zu bringen, aber das passiert nicht von heute auf morgen.“

Und weiter: „Meine Leistungen im vergangenen Jahr waren unterdurchschnittlich, und auch privat lief es nicht gut. Dann musst du versuchen, alles beiseitezuschieben und einen klaren Kopf zu bekommen. Aber ich habe auch zwei Kinder, da willst du, dass alles so ruhig wie möglich bleibt.“

Eine nicht immer leichte Aufgabe, gab der Superstar in diesem Jahr doch bekannt, sich nach elf Jahren Ehe von der Mutter seiner zwei Kinder scheiden zu lassen. Parallel kämpft van Gerwens Vater Henri gegen eine Krebserkrankung.

Schwierige Momente für den Darts-Profi.

Publikum im Ally Pally gegen Mighty Mike

Gegen Tatsunami hatte van Gerwen am Donnerstagabend übrigens auch das Publikum gegen sich, feuerte dieses doch den Underdog an.

„Wenn du weißt, dass das passieren kann, musst du lernen, damit umzugehen. Ich mache das seit 19 Jahren. Glaubst du, ich hatte nie ein feindseliges Publikum? Genau das unterscheidet die Großen vom Rest“, gab er sich auf der später am Abend abgehaltenen Pressekonferenz bereits wieder deutlich angriffslustiger.

So stellte er heraus, dass es seine Erfahrung und mentale Stärke ist, auf die er sich in solchen Momenten zu stützen versucht. Hilfreich für ihn zudem: Ein bewussterer Umgang mit seinem Körper und seiner Gesundheit.

„Weniger essen, gesünder essen, mehr Sport. Irgendwann entscheidest du, dass du mehr Zeit für dich brauchst. Du nimmst ab, bekommst Komplimente, fühlst dich besser – das motiviert.“

An Motivation dürfte es dem Niederländer in der nächsten Runde derweil nicht mangeln. Seine Herangehensweise ist in jedem Fall klar: „Ich fokussiere mich auf mein nächstes Match. Mehr nicht.“