„Heavy Metal“ plötzlich ganz weich: Nach dem überraschenden Halbfinaleinzug von Ryan Searle gegen Jonny Clayton (5:2) hat der 38-Jährige auf der anschließenden Pressekonferenz einen Einblick in seine Gefühlswelt gegeben und offen über seine Augenkrankheit gesprochen.
Darts-WM: Ein Märchen trotz Sehschwäche
Ein Märchen trotz Sehschwäche
Searle, der bei der Darts-WM (vom 11. Dezember bis 3. Januar LIVE auf SPORT1) sein persönliches Märchen schreibt, leidet unter einer autosomal dominanten Atrophie, wodurch der Sehnerv beschädigt wird. Kontaktlinsen helfen Searle ein wenig, dennoch muss er beim Caller regelmäßig nachhaken, welche Felder er mit seinen Pfeilen im Board getroffen hat.
Searle vererbt Augenkrankheit an seine Kinder
„Es ist eine erbliche Erkrankung“, erzählte der WM-Halbfinalist nach seinem erneuten Weiterkommen und berichtete, dass er sie auch seinen Kindern vererbt hat: „Bei meinem Sohn ist es nicht so schlimm, aber bei meiner Tochter ist es sehr schlimm. Auf naher Distanz kann sie alles sehen, bis etwa 1,80 Meter. Aber danach wird ihr Sehvermögen wirklich schlecht. Sie ist als sehbehindert registriert und ich glaube nicht, dass sie jemals ein Auto fahren wird.“
Searles Ziel ist es, der Erkrankung durch seinen famosen WM-Lauf mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen: „Wenn ich dafür viel Bewusstsein schaffen und dazu beitragen kann, ein Heilmittel zu finden, bedeutet mir das viel.“
Darts-WM: Searle möchte Inspiration sein
„Heavy Metal“ erklärte, dass er einen Teil seines erspielten Preisgeldes nach der Weltmeisterschaft an die Cure Adoa Foundation spenden wird und auch Geld für die Stiftung sammeln möchte.
Diese setzt sich dafür ein, die wissenschaftliche Forschung zur autosomal dominanter Optikusatrophie (Adoa) finanziell zu unterstützen, damit die Behandlung sowie Heilung von Adoa ermöglicht werden.
Die Geschichte von Searle ist sehr speziell und gleichzeitig bemerkenswert, denn Darts ist ein Präzisionssport, in welchem es um Millimeter geht. Trotz einer Sehschwäche, so gut zu sein, ist besonders. Aus diesem Grund möchte er die große Bühne nutzen und ein Vorbild sein.
„Ich habe noch eine Nachricht an die Menschen da draußen. Ich kann natürlich nicht besonders gut sehen. Andere Menschen, die auch nicht gut sehen können, sollten sich davon nicht aufhalten lassen. Ich versuche, ihnen eine Inspiration zu sein“, sagte Searle.
WM-Märchen: „Habe ich das verdient?“
Durch seinen Halbfinaleinzug hat der 38-Jährige bereits 200.000 Pfund Preisgeld eingefahren und ist in der Live-Weltrangliste um zwölf Plätze geklettert.
Er belegt nun den achten Rang und würde mit einem Sieg gegen Luke Littler (Freitag ab 20.45 Uhr im Liveticker) mindestens noch drei weitere Plätze gutmachen. Krönt sich Searle sogar zum Weltmeister, wäre er die Nummer drei der Welt.
„Natürlich ist das ein stolzer Moment. Habe ich das verdient? Ich bin mir nicht sicher. Nach nur einem Turnier … aber bei den aktuellen Preisgeldern kann so etwas schnell passieren“, meinte der Engländer reflektierend und zurückhaltend.
Darts-WM: Spielt Searle bald Premier League?
Aufgrund des sportlichen Erfolgs wird er auch mit einer möglichen Premier-League-Teilnahme in Verbindung gebracht. Dafür sind die Top-4 der Order of Merit gesetzt und vier weitere Spieler werden dazu eingeladen.
Darauf angesprochen erklärte Searle: „Ich habe schon einmal privat gesagt, dass ich gerne einmal in der Premier League spielen würde, einfach um sagen zu können, dass ich es geschafft habe.“
Wie er seine Chancen dafür ausrechnen würde, könne er nicht einschätzen, doch er zog einen Vergleich mit Chris Dobey, der 2025 für die Premier League eingeladen wurde.
„Er hatte einen ähnlichen Werdegang wie ich. Bei den früheren Major-Turnieren hatte er keine großen Erfolge, aber kam dann letztes Jahr bei der WM bis ins Halbfinale und war dann dabei“, erklärte Searle.
Premier League? „Schaut mich einfach nur an“
Zugleich meinte er jedoch schmunzelnd: „Ich bin mir aber nicht sicher, ob mein Gesicht dafür geeinigt ist.“
Auf Rückfrage eines Journalisten, was er denn genau mit der Aussage meine, antwortete der 38-Jährige: „Oh, schaut mich einfach nur an.“
Dennoch betonte er, dass er auf jeden Fall einer Einladung zusagen würde. „Ich würde mir dafür den Arm ausreißen, aber wenn nicht, mache ich einfach weiter.“
Am Freitagabend kommt es zum wahrscheinlich größten Spiel seiner Karriere, wenn Searle ab 20.45 Uhr auf Weltmeister Luke Littler trifft.
Dann wird sein persönliches WM-Märchen um ein Kapitel erweitert.