Es ist eine Ansage, gerade in der jetzigen Situation: Meister Eisbären Berlin setzt in der Deutschen Eishockey Liga trotz der völlig enttäuschenden Saison mit verpasster Playoff-Qualifikation weiter auf Trainer Serge Aubin.
Eishockey-Meister stürzt beispiellos ab - die Reaktion ist bemerkenswert
Bemerkenswerte Ansage der Eisbären
„Serge Aubin ist der richtige Trainer für die Eisbären. Wir sind von seinen Qualitäten felsenfest überzeugt und haben nie an ihm gezweifelt. Er hat uns zu zwei Meisterschaften geführt“, begründete Sportdirektor Stephane Richer am Dienstag die Verlängerung des auslaufenden Vertrags: „Auch wenn die Saison für uns zu früh endete, wollen wir zusammen wieder an die gemeinsame erfolgreiche Zeit anknüpfen.“
Berlin hatte als dritter Titelverteidiger nach der Düsseldorfer EG 1997 und den Krefeld Pinguinen 2004 die Meisterrunde verpasst. Erstmals seit 22 Jahren fehlen die Eisbären in den Playoffs - und kein abgestürzter Champion war so schlecht wie die von US-Milliardär Philip Anschutz bezuschussten Eisbären als Tabellenelfter.
Eisbären Berlin: Serge Aubin stellte Zukunft selbst infrage
Für Aubin ist es ein Vertrauensbeweis, dass die Eisbären-Führung ihm die Treue hält - was sich schon am Wochenende abgezeichnet hatte, obwohl Thomas Bothstede verkündete, dass „jeder Stein umgedreht“ werde.
Aubin, der das Team zweimal in Folge zum Titelgewinn geführt hatte, hatte allerdings auch selbst die Frage aufgeworfen, ob er hinwerfen würde: „Ich trage die Verantwortung. Wir werden uns jetzt in Ruhe hinsetzen und gemeinsam überlegen, wie es weitergeht.“
Das ungebrochene Vertrauen, das die Eisbären-Führung ihm signalisierte, brachte den Kanadier aber offensichtlich schnell von Rücktrittsgedanken ab: Er sei „sehr dankbar“, erklärte Aubin am Dienstag.
Fehler auch bei der Kaderplanung
Haben die Eisbären Recht damit, Aubin nicht infrage zu stellen? Die Mehrzahl der Fan-Reaktionen in den sozialen Medien spricht dafür, Aubin hat einzelne Kritiker, aber auch viele Fürsprecher.
„Trotz einer desolaten Saison ist der Kanadier der Richtige, um einen Umbruch anzuführen“, kommentierte auch der lokale Tagesspiegel und verwies auf Aubins Rückhalt innerhalb der Mannschaft, die trotz des Misserfolgs spielerisch oft starken Auftritte - und dass den Eisbären nicht das erste Mal ein Einbruch nach einer erfolgreichen Saison passiert ist.
Sicher ist: Neben Aubin ist vor allem auch Sportdirektor Stephane Richer gefordert, der die so krachend gescheiterte Meistermannschaft der vergangenen Jahre radikal umbauen muss. Und eigene Fehler korrigieren muss: in der Torhüterfrage etwa, in der er nach dem Weggang des überragenden Mathias Niederberger auf den unerfahrenen Tobias Ancicka setzte.
Ticket-Einnahmen durch Playoffs wären wichtig gewesen
Richer muss sich auch gegen den Eindruck wehren, dass er die Dauerkrise weitgehend tatenlos aussitzen wollte - und nicht reagierte, als die Saison noch zu retten gewesen wäre.
„Es war eine sieben Monate anhaltende Krise“, gab Bothstede zu. Eine, die am Ende auch viel Geld kostet. Denn ausverkaufte Playoff-Heimspiele nach der Corona-Pandemie hätten sich auch in der Eisbären-Bilanz gut gemacht. Und Geldgeber Anschutz, der jährlich ein Millionen-Minus ausgleicht, müsste weniger zuschießen.
„Vor uns liegt eine Menge Arbeit“, erklärte Aubin am Dienstag - so viel ist unbestritten.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)