In einer packenden Schlussphase des sechsten Spieles im DEL-Halbfinale rettete zuerst die Latte - dann war Ingolstadts Goalie Kevin Reich mit einer wieder einmal überragenden Rettungstat zur Stelle.
DEL: Filmreife Geschichte von Ingolstadt-Goalie Kevin Reich - nun Finale gegen EHC Red Bull München
Eine filmreife Geschichte
Als Ingolstadt das 2:0 in Spiel 6 erzielte und somit für den 4:2-Sieg in der Serie gegen die Adler Mannheim sorgte, kannte der Jubel keine Grenzen - Finale für Ingolstadt! Und egal, wen man fragte, nach dem Spiel hoben alle Beteiligten einen Akteur besonders hervor.
„Kevin Reich hat ein unglaubliches Spiel gezeigt“, staunte ERC-Kapitän Fabio Wagner über seinen Teamkollegen, der auch seinen Trainer mächtig beeindruckte. „Oftmals muss der Goalie in solchen Spielen dein bester Spieler sein“, erklärte Mark French, „und Kevin (Reich; Anm. d. Red.) war die ganze Serie über herausragend“.
„Sie hatten Kevin Reich und eine ganz, ganz große Portion Glück, aber unverdient sind sie nicht im Finale“, fasste MagentaSport-Experte Christoph Ullmann treffend zusammen.
DEL-Playoffs: Ingolstadts Nummer 1 wird weggecheckt
Dem Ganzen geht eine kuriose Begebenheit voraus, denn eigentlich handelt es sich bei Reich nur um die etatmäßige Nummer zwei im Tor der Ingolstädter.
So war Michael Garteig beim Meister von 2014 gesetzt, wurde in Spiel 5 im Viertelfinale gegen Düsseldorf bei Rückstand von 3:6 jedoch für Reich ausgewechselt. Ingolstadt holte in der Folge einen furiosen 7:6-Overtime-Sieg.
Dabei verließ Garteig zum Jubeln die Bank und wurde heftig von Düsseldorfs Alec McCrea weggecheckt. McCrea wurde drei Spiele gesperrt – Garteig stand seitdem jedoch überhaupt nicht mehr auf dem Eis.
Für ihn übernahm Reich, der den ERC überhaupt erst zu dem (später von Garteig bejubelten) Overtime-Sieg geführt hatte.
„Wir können uns glücklich schätzen, dass wir zwei solche Goalies haben“, zeigte sich Headcoach French dankbar, betonte aber auch die plötzliche Leistungssteigerung des eigentlichen Backups: „Kevin hat auch einen Schritt nach vorne gemacht.“
Mannheim-Coach verkündet plötzlich Reich-Transfer
Das war auch Bill Stewart, Headcoach der Adler Mannheim, aufgefallen. „Ich glaube, mit dem Goalie haben die Ingolstädter einen richtigen Fang gemacht“, fing er an, bevor er plötzlich die Transferbombe platzen ließ: „Leider geht er aber zu Iserlohn.“
Die anwesenden Journalisten sollen davon ebenso überrascht gewesen sein, wie Reich selbst, der auf Nachfrage von Journalist Fabian Huber nur ungläubig gegrinst haben soll.
Es scheint allerdings tatsächlich auf einen Wechsel zu Iserlohn hinauszulaufen, auch wenn noch keine offizielle Meldung dazu vorliegt. Der Grund dafür ist jedoch ein tragischer.
Denn ausschlaggebend für den wohl anstehenden Wechsel ist die Gesundheit von Kevins jüngerem Bruder Robin. Der 23-Jährige leidet unter dem Mowat-Wilson-Syndrom, ist geistig und motorisch stark eingeschränkt und brach sich bei einem Sturz im Dezember 2022 das Genick.
Komplizierter Genickbruch bei Reichs kleinem Bruder
Der seitdem kritische Zustand seines jüngeren Bruders machte sich auch bei Kevin bemerkbar, der in der Folge schlecht spielte und in ein mentales Loch fiel. In seinem zweiten Spiel nach dem Unfall kassierte er in Wolfsburg sogar neun Gegentore.
Nun gelang ihm zwar der sportliche Aufschwung, der Zustand seines Bruders verbesserte sich aber nicht. Nach zwei komplizierten Operationen aufgrund des Genickbruchs folgte eine Lungenentzündung.
Als Folge dieser „fiel er für zweieinhalb Wochen ins Koma und musste künstlich beatmet werden“, berichtete Mutter Sandra dem Iserlohner Kreisanzeiger im Januar: „Eine Thrombose im Bein kam zu allem Überfluss noch hinzu. Bis heute kann er lediglich seinen Kopf bewegen.“
Seitdem suchte die Familie um Mutter Sandra, Bruder Dustin und den eingeschränkten Robin eine Wohnung in Iserlohn und wurde im Februar durch Hilfe von Iserlohn-Roosters-Mitarbeiter Bernd Schutzeigel offenbar sogar fündig.
Finale ausgerechnet gegen Ex-Klub EHC Red Bull München
Offenbar zieht es daher auch den großen Bruder Kevin zurück nach Iserlohn, wo er bereits in der Jugend aktiv war. Davor hat er jedoch noch eine Aufgabe mit dem ERC. Das DEL-Finale.
Dort steht mit dem EHC Red Bull München, der sich im entscheidenden Spiel 7 gegen die Grizzlys Wolfsburg durchsetzte, ausgerechnet Reichs Ex-Klub gegenüber.
Ein filmreifes Drehbuch, dessen Ende noch aussteht.