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Grammozis und der gute Griff

Grammozis und der gute Griff

Die Torhüter-Diskussionen beim FC Schalke sind erstmal verstummt. Das liegt vor allem an einem Glücksgriff von Dimitrios Grammozis.
News, Hintergründe und Fakten zum Bundesliga-Wochenende. Alle wichtigen Infos im Vorfeld der Spiele gibt es hier bei "9PLUS1".
Markus Höhner
Markus Höhner
von Markus Höhner

Vor vier Wochen gewann der FC Schalke sein Auswärtsspiel in Rostock mit 2:0. Nach diesem Sieg bejubelten die rund 1000 mitgereisten Schalker Fans ausgiebig den doppelten Torschützen Simon Terodde - natürlich.

Aber wer im Nachlauf bei unserer Live-Übertragung genau aufgepasst hat, vernahm auch, wen der blauweiße Anhang noch lautstark feierte. Es war Torwart Ralf Fährmann, den Trainer Dimitrios Grammozis vor dem Spiel degradiert und Martin Fraisl zur neuen Nummer 1 benannt hatte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

Fraisl hielt gut und Schalke gewann „zu Null“. Trotzdem richtete sich der Instinkt der Schalker Fans auf Fährmann, der zwar in den zurückliegenden Wochen auch Momente des Schwächelns hatte, der aber seit Jahren den FC Schalke mit höchster Identifikation lebt und im Saisonverlauf auch schon seine ganz starken Augenblicke hatte.

Ich erinnere mich dabei zum Beispiel an den Heimsieg gegen Düsseldorf, als Simon Terodde nach dem Abpfiff geradewegs jubelnd zu seinem Keeper sprintete, weil dieser kurz vor dem entscheidenden 3:1 den Düsseldorfer Ausgleich mit einer Klassetat verhindert hatte. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

Gewagte Degradierung von Fährmann

Fährmann auf die Bank zu setzen, war also keine sportlich dringend fällige Entscheidung des Trainers und schon gar nicht eine wegen mangelnder Einstellung der doch eigentlich fixen Nummer Eins.

Mich selber hat der Torwartwechsel in dieser frühen Saisonphase überrascht. Klar war, dass Grammozis damit einen gewagten Griff tätigte. Hätte Fraisl nicht performed, wäre dem Trainer diese Personalie definitiv gewaltig auf die Füße gefallen. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

Vier Wochen und drei Siege ohne Gegentor später ist aber schlichtweg festzustellen, dass Grammozis offensichtlich das richtige Näschen für einen zu setzenden Akzent hatte.

Ein Stück weit hatte er aber vielleicht auch einfach Glück, dass Fraisl in seinem ersten Spiel seinen ersten Ball gleich richtig gut hielt, die Mannschaft in Rostock dann glücklich in Führung ging und sich mit einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte den Sieg sicherte. Aber Glück gehört schließlich auch dazu.

Bei Schalke steht wieder die Null

Mit Fraisl steht die Null. Mit Fraisl begann die Siegesserie. Mit Fraisl tat Grammozis einen guten Griff. Einen Griff, der dem Trainer Glaubwürdigkeit verschafft hat, vor der Mannschaft und medial.

Fraisl bekam übrigens in seinen drei Spielen nur drei Bälle aufs Tor. Aber genau das passt ins Gesamtbild. Fraisl musste gar nicht großartig halten, er kam halt nur im richtigen Moment und seitdem steht auch er symbolisch für die gute Entwicklung und eine neue Schalker Stabilität.

Manchmal ist Fußball so einfach. dass ein richtiger Impuls im richtigen Moment eine Eigendynamik auslöst, die dann im positiven Fahrwasser alle mitnimmt.

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