„Wir können ja nichts machen, außer es hier einmal klar anzusprechen.“ Darmstadt-Trainer Florian Kohfeldt wirkte im Sky-Interview nach der Niederlage gegen Dynamo Dresden (1:3) nicht nur sichtlich bedient, sondern auch machtlos. Und das nicht wegen der Leistung seiner Mannschaft, sondern aufgrund einiger strittiger Entscheidungen am Freitagabend.
Darmstadt auf 180! "Er hat in diesem Spiel nichts zu suchen"
Darmstadt auf 180!
Bereits in der siebten Spielminute wütete Kohfeldt zum ersten Mal an der Seitenlinie. Der Grund? Toptorjäger Isac Lidberg stand kurz vor einem freien Durchbruch auf das gegnerische Tor, wurde jedoch von Thomas Keller zu Fall gebracht.
Schiedsrichter Lars Erbst entschied sich, wohl auch aufgrund der noch relativ weiten Distanz zum gegnerischen Tor, gegen eine Notbremse und zeigte dem Verteidiger nur die Gelbe Karte.
„Da ist wirklich keiner mehr, der eingreifen kann, plus es ist ein Halten und uns wird immer gesagt, ein Halten ist viel schlimmer, als wenn die Aktion zum Ball geht“, ärgerte sich Kohfeldt nach der Partie über die Entscheidung.
Kurz vor der Pause überschlugen sich die Ereignisse aber noch einmal. Darmstadts Patric Pfeiffer rutschte aus und holte anschließend Ben Bobzien von den Beinen. Obwohl Hiroki Akiyama vermeintlich noch eingreifen konnte, entschied sich Erbst dieses Mal für eine Notbremse und zückte die Rote Karte - zum großen Frust aller Darmstädter.
„Schwer zu akzeptieren“: Kohfeldt mit klarem Statement
„Wenn überhaupt, dann muss er es andersherum pfeifen“, erklärte der frustrierte Lilien-Trainer und führte anschließend aus: „Der Ball geht nach außen weg, Akiyama hat den klar kürzeren Weg zum Tor. Wie kann man auf die Idee kommen, da eine Rote Karte zu geben?“
Die Bilder auf dem Feld legten nahe, dass Erbst zunächst tatsächlich erneut eine Gelbe Karte geben wollte. Laut Sky habe er dann aber einen Hinweis des Vierten Offiziellen erhalten und sich für den Platzverweis entschieden. „Oho, jetzt wird es spannend, der hat mir 90 Minuten erzählt, er habe nie eingegriffen“, wunderte sich Kohfeldt über den Vierten Offiziellen Alexander Sather.
Auch, dass die Entscheidungsfindung ohne Hinzunahme des VAR ablief, mache die Sache nicht besser. „Es ist wirklich schwer zu akzeptieren, was hier heute passiert ist. Wir reden hier über zwei Mannschaften, die um alles spielen. Wir spielen um die ersten drei Plätze und Dynamo um die letzten drei Plätze“, betonte Kohfeldt die Signifikanz der Entscheidungen.
Heftige Kritik an Schiedsrichter und DFB: „Absoluter Wahnsinn“
Besonders groß war der Ärger bei Torhüter Marcel Schuhen. „Die Rote Karte, die wir bekommen haben, ist eine Frechheit“, wütete der Kapitän und forderte mit Blick auf die Situation auf der anderen Seite ebenfalls einen Platzverweis.
Besondere Brisanz erhielt die Diskussion jedoch, nachdem Schuhen auch den DFB direkt attackierte. Schiedsrichter Erbst pfiff erst seine 25. Partie in der 2. Bundesliga. Eine Ansetzung, die Schuhen nicht nachvollziehen konnte und „bei so einem emotionalen Spiel, eine absolute Vollkatastrophe“ sei.
„Wir brauchen in so einer Situation, in der wir uns im Aufstiegskampf befinden, Schiedsrichter, die solch eine Stimmung auch gewohnt sind. Für Fußballer gibt es nichts Geileres, als in diesem Stadion zu spielen. Leider hat es der Schiedsrichter heute entschieden“, meinte Schuhen.
Anschließend wurde er allerdings noch deutlicher: „Er (der Schiedsrichter; d. Red.) hat in diesem Spiel nichts zu suchen. Es tut mir leid. Er hat hier, in dieser Kulisse, nichts zu suchen.“ Dass der VAR sich die Situation nicht noch einmal angeschaut habe, sei derweil „absoluter Wahnsinn“.
„Das ist eine Frechheit. Ich bitte darum: Wenn wir solche Spiele spielen, die wichtig sind, dass wir Schiedsrichter haben, die Erfahrung haben. Jetzt kommen zehn Spiele in der Crunchtime. Da gibt es andere Spiele, in denen man ein bisschen was ausprobieren kann. Aber nicht in solchen Spielen“, forderte der Schlussmann.
Wenig Widerspruch aus Dresden - Konzessionsentscheidung nach der Pause?
Kohfeldt betonte im Anschluss noch einmal, dass er einen solchen Ausbruch bei Schuhen noch nie erlebt habe: „Das sollte dann vielleicht mal zur Kenntnis genommen werden, wie weh so etwas tut und was das mit einem macht. Marcel ist ein grundbesonnener Mensch und der würde so etwas nie komplett aus der Emotion heraus sagen.“
Wenig Widerspruch gab es von Dresdner Seite. „Es gab schon ein paar Entscheidungen heute, die eher auf unserer Seite waren, die vielleicht in den letzten Wochen mal nicht auf unserer Seite waren“, räumte Trainer Thomas Stamm ein. „Ich habe zwei ähnliche Szenen gesehen, die eine wird mit Gelb bewertet, die andere mit Rot. Und dann ist, glaube ich, sehr vieles gesagt.“
Nach der Pause gab es dann noch einen weiteren Platzverweis. Innerhalb weniger Sekunden foulte Dresdens Jakob Lemmer (53.) seinen Gegenspieler zweimal und sah eine blitzschnelle Gelb-Rote-Karte. Eine Entscheidung, die auch laut TV-Experte Torsten Mattuschka nach einer Konzessionsentscheidung roch.
„Beides ist in Summe für mich eine Gelbe Karte, aber das ist niemals Gelb-Rot. Ich habe sofort gesagt, das ist nur eine Konzessionsentscheidung“, behauptete Mattuschka.
Fest steht nach 90 Minuten jedoch nur eines: Darmstadt verliert gegen Dresden zum ersten Mal seit Oktober wieder ein Spiel in der 2. Bundesliga und verpasst den Sprung an die Tabellenspitze.
Zerbrechen werde man daran laut Kohfeldt aber nicht: „Wir haben jetzt das erste Mal seit 13 Spielen verloren. Das hier wird ein Klebstoff sein für uns. Das kann ich allen sagen, die hoffen, dass wir an sowas zerbrechen.“