Ausgerechnet in einer sportlich zufriedenstellenden Phase sorgte ein Streit abseits des Platzes für Unruhe beim FC Schalke 04. Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens (72) stellte sich deutlich vor Clemens Tönnies (69) und kritisierte die Angriffe auf den langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden scharf.
"Das enttäuscht mich sehr" - Stevens kritisiert Schalke-Ultras
Stevens kritisiert Schalke-Ultras
„So ein Verhalten ist Clemens gegenüber nicht gerecht, das ist einfach unfair“, sagt der 72-Jährige bei SPORT1. „Er ist mein Freund, und man darf nicht vergessen, wie viel er für Schalke getan hat. Er hat für diesen Verein gearbeitet, gekämpft, Verantwortung übernommen und immer Herzblut gezeigt.“ Der Streit um Tönnies bewege ihn sehr, betont Stevens: „Das enttäuscht mich sehr.“
Plakate gegen Tönnies sorgen für Unruhe auf Schalke
Beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden am vergangenen Samstag tauchten in der Nordkurve beleidigende Plakate der Ultras Gelsenkirchen gegen Tönnies auf. Parolen wie „Halt dich an dein Wort, Schweinepriester!“ oder „Kein Ehrenpräsident für Ehrenlose. Verpiss dich, Tönnies!“ sorgten bundesweit für Diskussionen.
Die Botschaften richteten sich offenbar gegen eine mögliche Aufnahme von Tönnies ins Ehrenpräsidium.
Stevens ordnet die Proteste jedoch ein und mahnt zur Differenzierung: „Das ist ein kleiner Teil der Ultras. Schalke ist größer als das. Wir kämpfen hier alle gemeinsam für den Aufstieg.“ Der Niederländer hatte 1997 mit den Königsblauen den UEFA-Cup gewonnen.
Tönnies reagiert: „Unnötige Unruhe“
Auch Clemens Tönnies selbst zeigte sich irritiert über die Vorfälle. „Wer sind die Ultras? Eine kleine, aber laute Gruppe in diesem großartigen Verein“, sagte er der Funke Mediengruppe. „Völlig unnötig, dass sie jetzt Unruhe stiften. Es geht um den Aufstieg – alle Schalker sollten zusammenhalten."
Ein direktes Gespräch zwischen Stevens und Tönnies habe es bislang nicht gegeben. „Ich werde Clemens nicht anrufen“, erklärte Stevens. „Er weiß, wie ich über die Situation denke. Wenn er reden möchte, wird er sich melden.“ Das Vertrauensverhältnis zwischen beiden sei davon unberührt.
Schalke-Legenden und Sponsoren mischen sich ein
Unterstützung erhält Tönnies nach dem Vorfall von Vereinslegenden, ehemaligen Führungskräften und Sponsoren.
In einem auch von Stevens unterzeichneten offenen Brief heißt es: „Schalke lebt von Respekt und Zusammenhalt. Ich bin überzeugt, dass auch die Ultras wissen, was Clemens für diesen Verein geleistet hat, und dass sie das im Herzen tragen und im Nachhinein selbst einsehen werden.“
Viele Anhänger hoffen nun auf Konsequenzen. Auch Stevens erwartet ein klares Signal: „Ich hoffe, dass der Vorstand etwas gegen den Vorfall unternimmt. Es ist wirklich nicht okay, so auf Clemens loszugehen. Schalke stand immer für Gemeinsamkeit, nicht für Gegeneinander.“
Schalke mahnt zur Einigkeit
Der FC Schalke 04 erklärte unterdessen: „Weder persönliche Angriffe noch medienwirksame Briefe helfen Schalke, seine Ziele zu erreichen.“ Zugleich betonten die Verantwortlichen die Bedeutung von Meinungsfreiheit und einer gelebten Diskussionskultur.
Der Streit um Clemens Tönnies ist damit noch nicht beendet. Die Debatte über Respekt, Verantwortung und Zusammenhalt beim FC Schalke 04 dürfte den Verein weiter begleiten.
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