Eigentlich hätte der Samstagnachmittag für Fabian Reese in der 2. Bundesliga kaum besser laufen können. Der Neuzugang des VfL Wolfsburg war mit zwei Toren und einer Vorlage entscheidend am 5:2-Sieg gegen den Karlsruher SC beteiligt. Und doch begleiteten den 28-Jährigen Sorgen.
"Verletzend": Fabian Reese verurteilt Fans
Reese verurteilt Fans
Denn: Über die vollen 90 Minuten wurde Reese von den Fans des Karlsruher SC bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. „Mir tut es sehr weh. Es ist einfach verletzend“, gab der Stürmer nach Spielende bei Sky Einblicke in seine Gefühle. „Jeder hat seine Idee, warum man diesen Unmut äußert. Es ist eine Gruppendynamik. Es ist einfach, auf einen Einzelnen draufzuhauen, einen Sündenbock zu finden“, führte er weiter aus.
Dabei spielte Reese selbst ein halbes Jahr bei den Badenern. Im Januar 2017 wurde er von Schalke 04 für den Rest der Saison an den späteren Zweitliga-Absteiger verliehen. „Das war ein halbes Jahr. Es ist eine Fan-Freundschaft mit Hertha BSC“, versuchte Reese die Gründe für die Pfiffe zu erklären. Vor seinem Wechsel zum VfL hatte er drei Jahre für die Berliner gespielt und wiederholt seine Verbundenheit und Identifikation mit dem Klub zum Ausdruck gebracht.
Fan-Freundschaft als Grund für Pfiffe?
Auch deshalb nahmen ihm viele Anhänger der Hertha den Wechsel zum Absteiger aus Wolfsburg übel. Auf die Fans der Karlsruher scheint sich dies durch die Fan-Freundschaft übertragen zu haben.
„Wenn das ein Ventil für die Leute ist, nehme ich das an. Wenn es denen danach besser geht, dann nehme ich es sportlich. Natürlich ist als junger Mensch so was über 90 Minuten nicht leicht wegzustecken, das geht an die Substanz“, berichtete Reese.
Auch deshalb verurteilte er die KSC-Fans klar: „Jeder, der pfeift, sollte sich mal hinterfragen, was es mit einem macht, wenn man mit 28 Jahren von 30.000 – 40.000 Menschen ausgepfiffen wird. Ob man das mit nach Hause nimmt, ob dieser Sport dann noch diese Fairness hat.“ Es könne zwar „unterschiedliche Meinungen geben, das ist völlig in Ordnung“, es müsse jedoch „sportlich“ bleiben. „Mich macht es traurig, aber sicherlich haben sie ihren Grund“, beendete Reese das Interview.
Sky-Experte Fabian Klos stellte sich bei der anschließenden Besprechung klar hinter Reese und stärkte ihm den Rücken: „Man darf über diesen Wechsel denken, was man möchte. Aber irgendwo ist dann auch eine Grenze. Lasst den Jungen bitte Fußball spielen, damit sein Kopf noch einigermaßen klar bleibt.“
Wird Reese Opfer einer Hetzkampagne? „Nein, so würde ich es nicht nennen. Aber das ist natürlich, wie er es gesagt hat, einfach, sich irgendwo dranzuhängen, einer Gruppendynamik sich anzuschließen und ins gleiche Horn zu blasen.“