Fußball>

Flutlicht an! Angela Furmaniak engagiert sich als Anwältin für Fußballfans

Fußballfans als Versuchskaninchen?

Dem Fußball ist Angela Furmaniak doppelt verbunden: Als Fan ebenso wie als Anwältin. In der AG Fananwälte kämpft sie gegen Repressionen.
Angela Furmaniak (r.) setzt sich für die Rechte von Fußballfans ein
Angela Furmaniak (r.) setzt sich für die Rechte von Fußballfans ein
© SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
Dem Fußball ist Angela Furmaniak doppelt verbunden: Als Fan ebenso wie als Anwältin. In der AG Fananwälte kämpft sie gegen Repressionen.

Manche finden den Fußball, andere werden vom Fußball gefunden. Zu Letzteren zählt Angela Furmaniak.

"Ich war nicht so typisch Fan von 'Meine Mama hat mich schon mit ins Stadion genommen'", erzählt die Anwältin lachend. Stattdessen kam der Kontakt zunächst beruflich zustande, als Fans des VfB Stuttgart 2010 eine Begleitung zum Spiel in Freiburg anfragten.

"Flutlicht an. Im Gespräch mit der Wortpiratin", der Podcast von Autorin Mara Pfeiffer auf SPORT1

"Die hatten mitgekriegt, dass ich mich auf dieser bürgerrechtlichen Schiene engagiere", sagt Furmaniak über ihren Tätigkeitsschwerpunkt im Asyl- und Migrationsrecht. Für sie klickte es bei diesem Engagement im doppelten Sinne. Zum einen spürte sie die Faszination, die vom Fußball ausgeht, zudem fand sie die Arbeit mit den Anhänger*innen spannend.

Furmaniak: Spieltag der Fans "von Repression geprägt"

In Sachen Fan-Werdung hatte sie zwei Jahre später ihr bis heute prägendstes Erlebnis. Beim BVB holte Stuttgart nach Führung, Rückstand, erneuter Führung und abermaligem Rückstand durch einen Treffer von Christian Gentner in der 92. Minute ein 4:4-Unentschieden. "Da habe ich zum ersten Mal erlebt, wie es ist, von einem Spiel komplett mitgerissen zu sein. Seither weiß ich, was es bedeutet, Fußballfan zu sein – und das hat mich nicht mehr losgelassen."

Zunächst lernte die Rechtsanwältin aber in der Arbeit mit den Anhänger*innen des Sports eine ganz neue Welt kennen. "Der Spieltag des Fans, insbesondere der Ultras, ist sehr stark von Repression und Überwachung geprägt." Sie habe "staatliche Repression im Kontext großer Veranstaltungen" zwar schon aus ihrer Arbeit zuvor gekannt, die Dimensionen beim Fußball erstaunten Furmaniak dennoch.

Hinzu kam der Eindruck, dass Kritik von außen bezüglich teils enormer Eingriffe in Freiheitsrechte völlig fehlte, weil Fans keine Lobby haben, sondern eher die von Vorurteilen geprägte Meinung vorherrscht: "Da trifft's schon die Richtigen."

Furmaniak: "Polizei kann so viel machen, wie sie will"

"Die Ablehnung einer bürgerrechtlichen Szene führt dazu, dass die Polizei so viel machen kann, wie sie will", sagt die Fachanwältin für Strafrecht, die sicher ist: "Was im Fußball passiert, sind Maßnahmen, die morgen bei einer Demonstration zum Einsatz kommen." Ihre These, die sie mit vielen Kolleg*innen teilt: An Fußballfans werde in Sachen Repression und technischem Equipment ausprobiert, wie weit man von staatlicher Seite gehen kann. Und das von weiten Teilen der Öffentlichkeit unbeachtet, weil die sich für Fanrechte nicht interessiere.

Als Beispiel benennt Furmaniak die Datei "Gewalttäter Sport" und welche Auswirkungen es haben kann, darin zu landen. "Anders als der Name es sagt, sind da mitnichten nur Personen gespeichert, die durch Gewalttätigkeiten auffällig wurden."

Vielmehr könnte eine Beleidigung im Kontext eines Spiels, aber auch eine reine Personalienaufnahme als Teil einer Gruppe von Fans Anlass sein, erklärt sie. "Und wenn man weiß, wie schnell man als Fußballfan in einer Personalienfeststellung landen kann …" Aus der Datei wieder herauszukommen, sei hingegen nahezu unmöglich, kritisiert sie den Status Quo.

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Kontakt für die Bedürfnisse und Nöte der Fußballfans

Was Furmaniak in ihrer Arbeit schnell auffiel, ist, dass die Anwält*innen im Bereich Fanrechte kaum vernetzt sind, anders, als sie das aus bisherigen Arbeitsbereichen kannte. Sie organisierte deshalb bereits im Herbst 2010 ein erstes Treffen der Kolleg*innen. "Es war unglaublich, wie schnell wir gemerkt haben, da haben sich echt die Richtigen gefunden." Sie ziehen an einem Strang, teilen dieselben Einstellungen und Werte und haben in ihrer Arbeit ein gemeinsames Ziel.

So wurde die Zusammenkunft der Grundstein für die "Arbeitsgemeinschaft Fananwälte". Von dieser Verbindung profitieren natürlich die vernetzten Kolleg*innen, vor allem aber die Fußballfans, die wissen, hier finden sie Ansprechpartner*innen, die ihre Bedürfnisse und Nöte kennen und sie entsprechend gut und mit Überzeugung vertreten.