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Das Genie, das sich zu Tode trank

Das Genie, das sich zu Tode trank

Am 4. Dezember 2011 stürzt Socrates ein ganzes Land in Trauer. Der Tod des „Doktors“ erschüttert Brasilien. Er war mehr als nur ein Fußballer.
Socrates war in Brasilien ein Volksheld
Socrates war in Brasilien ein Volksheld
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SID
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von SID

Es war Sonntag der 4. Dezember 2011, als ganz Brasilien um 4.30 Uhr in Trauer stürzte, als beim großen Socrates die Organe versagten, der „Doktor“ seinen letzten Kampf verlor.

Er war Arzt, politischer Querdenker und vor allem genialer Fußballer: Und obwohl Socrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira den Brasilianern keinen Weltmeistertitel bescherte, spielte er sich mit dem WM-Team von 1982 für immer in die Herzen der Fans. Zico, Falcao, Toninho Cerezo und Socrates - die Mannschaft damals hatte unglaubliches Talent und den Titel verdient gehabt, sie gingen in Schönheit unter.

Socrates soff sich langsam zu Tode. „Ich war Alkoholiker, wenn ich wollte. Wer täglich Alkohol trinkt, ist Alkoholiker. Ich war abhängig vom Alkohol, habe aber nicht jeden Tag getrunken“, gestand der studierte Mediziner kurz vor seinem Tod, schon als Spieler hatte er seine Bierchen genossen.

Socrates glänzt auf dem Platz und engagiert sich in der Politik

Zu seiner Studentenzeit begann Socrates seine Profikarriere beim kleinen Botafogo FC aus Ribeirao Preto, wurde dann Anfang der 80er-Jahre beim beliebten SC Corinthians aus Sao Paulo zur Kultfigur. Mit hagerer Gestalt und Che-Guevara-Bart zelebrierte er einen eleganten Fußballstil, der Hackentrick war sein Markenzeichen.

Doch nicht nur auf dem Platz war der im verarmten Norden Brasiliens (Belem) geborene Komplettfußballer der Kopf des Teams. Socrates setzte sich am Ende der Militärdiktatur öffentlich in der Kampagne „Diretas Ja“ für die direkte Wahl des Staatspräsidenten durch das Volk ein und gehörte zu den treibenden Kräften der „Democracia Corintiana“.

Als das Land um Socrates trauerte, sagte die damalige Präsidentin Dilma Rousseff: „Brasilien hat einen seiner geschätztesten Söhne verloren, auf dem Platz war er ein Genie. Außerhalb des Platzes war er politisch aktiv, besorgt um sein Volk und sein Land.“


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