Anzeige
Home>Fußball>

Nadia Nadim floh vor den Taliban, wurde dänische Nationalspielerin und jetzt Ärztin

Fußball>

Nadia Nadim floh vor den Taliban, wurde dänische Nationalspielerin und jetzt Ärztin

Anzeige
Anzeige

Ein einmaliges Fußballmärchen

Ein einmaliges Fußballmärchen

Nadia Nadim flieht in ihrer Kindheit vor den Taliban. Über ein Flüchtlingslager landet sie im Frauenfußball und wird zur erfolgreichen Nationalspielerin. Nebenher studiert sie Medizin und ist nun Vorbild vieler junger Mädchen.
Hammer-Tore, Weitschuss-Kracher, direkt verwandelte Freistöße. Wir zeigen die besten Szenen der Frauen Fußball Bundesliga im Jahr 2021.
Lukas von Hoyer
Lukas von Hoyer

Seit dem Sommer 2021 dürften Nadia Nadim die Schatten vergangener Tage besonders lang vorkommen.

In ihrem Heimatland Afghanistan kamen die Taliban an die Macht und riefen das Islamische Emirat Afghanistan aus. Ein Flashback für die 34-Jährige, denn im Jahr 2003 hatten sich die Taliban schon einmal in dem von Armut und Bürgerkriegen gebeutelten Land zur herrschenden Macht aufgeschwungen.

Zu dieser Zeit war ihr Vater schon drei Jahre verschwunden. Nadim hoffte jeden Tag auf seine Rückkehr, doch diese konnte es nicht geben. Die Taliban hatten den hohen Militär verschleppt und in der Wüste exekutiert.

Profi-Fußballerin jetzt auch Ärztin

Nadim floh mit ihrer Familie in der Folge aus Afghanistan und fand sich bald in Europa wieder. Dann trat der Fußball in ihr Leben, der alles veränderte. Heute blickt Nadim auf eine erfolgreiche Karriere als Profi-Fußballerin zurück, welche ihr aber nie ausreichte.

Nadim studierte neben dem Fußball Medizin und schloss dieses Studium nun ab. Die kickende Ärztin kann eine außergewöhnliche Geschichte erzählen, wenn sie heute in die Flüchtlingslager geht, um den Kindern Mut zu machen. Dort, wo sie früher selbst auf eine bessere Zukunft hoffte.

Wenn du hier klickst, siehst du Instagram-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Instagram dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
IMMER AKZEPTIEREN
EINMAL AKZEPTIEREN

Nadim über ihren Vater: „Er war ein James-Bond-Typ“

Ihre Geschichte beginnt im afghanischen Herat, im Westen des Landes. Sie wuchs mit vier Schwestern auf, die Familie lebte in der Nähe der afghanischen Präsidenten-Familie. Ihr Vater war ein hochrangiger General des afghanischen Militärs.

Das machte ihn zu einem exponierten Ziel für die Taliban, die um die Jahrtausendwende immer mehr Gefolgsleute um sich scharen konnten. Sie entführten Rabani Nadim im Jahr 2000 und richteten ihn in der Wüste hin. Da war Nadim elf Jahre alt.

„Lange Zeit dachte ich, er würde wieder auftauchen“, erinnerte sich Nadim nun im Gespräch mit der SPORTbible. „Er war ein James-Bond-Typ“, beschrieb sie ihren Vater.

Doch auch vier Jahre später war ihr persönlicher Held noch nicht wieder da - und das Leben in Afghanistan hatte sich schlagartig verändert. Frauen durften nur noch in Begleitung von Männern vor die Tür treten, Nadim durfte nicht zur Schule gehen. Musik und Fernsehen waren verboten.

„Man musste immer in Begleitung sein. Selbst wenn man nur Lebensmittel einkaufen ging. Man durfte keinen Teil seiner Haut zeigen. Die Menschen lebten in einem ständigen Zustand der Angst. Es war der blanke Horror“, erinnerte sich Nadim.

Doch sie entkam dem Horror. Mit ihrer Familie verkaufte sie alles, was sich zu Geld machen ließ, und floh zu Fuß aus dem Land, mit einer falschen Identität im Gepäck.

Familie Nadim flieht aus Afghanistan und landet in Dänemark

„Wir mussten einfach den Mund halten und den Anweisungen folgen, denn es ging um Leben und Tod“, erinnert sich Nadim an diese Zeit. Die Vereinbarungen mit Menschenschmugglern, die Beantragung von neuen Pässen und die Fluchtpläne, all das erledigte ihre Mutter.

Familie Nadim flog nach Italien und wartete dort in einem LKW auf die Weiterreise nach London, wo sie Verwandte hatte. Doch letztlich landete sie nicht auf der Insel, sondern auf einer Halbinsel: in Dänemark.

In der Peripherie des Landes kam die Familie in einem Flüchtlingslager unter und wurde mit dem Nötigsten versorgt. Ein Mann brachte ihnen Milch, Bananen und Toast. Das hat Nadia Nadim diesem nie vergessen: „Das hatte einen großen Einfluss auf mich als Person, und ich dachte: ‚Das möchte ich auch für andere Menschen tun.‘“

In der Nähe des Flüchtlingslagers machte Nadim eine Entdeckung, die ihr Leben durcheinanderwirbeln sollte. Sie stand bei einem ihrer vielen jugendlichen Streifzüge plötzlich vor einem Zaun, hinter dem Mädchen Fußball spielten. Sie kam immer wieder, bis sie ihren ganzen Mut zusammennahm und den Trainer fragte, ob sie mitspielen dürfe.

„Ich konnte zwar kein Englisch, aber ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass ich mitspielen wollte“, sagte Nadim: „Er war so nett. Plötzlich machte ich die Aufwärm- und Trainingsübungen mit. Ich wusste nicht, was los war, aber es war unglaublich.“

Wenn du hier klickst, siehst du Twitter-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Twitter dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
IMMER AKZEPTIEREN
EINMAL AKZEPTIEREN

Nadim macht 99 Länderspiele und spielt für PSG

Nach zwei Monaten wurde Nadim zu einem Spiel eingeladen und schließlich landete sie bei dem dänischen Klub Team Viborg, bei dem sie mit 18 Jahren ihre ersten Schritte im professionellen Frauenfußball ging. Da hatte ihre Familie bereits Asyl in Dänemark erhalten.

Sie durchlief mehrere Vereine in Dänemark und debütierte im Jahr 2009 für die dänische Nationalmannschaft. Sie war die erste eingebürgerte Dänin, die für das Nationalteam auflief.

Mittlerweile hat Nadim 99 Länderspiele absolviert, in denen die Stürmerin 38 Tore erzielte. Im Jahr 2014 wechselte sie nach zehn Jahren im dänischen Vereinsfußball in die USA. Dort heuerte sie beim Sky Blue FC an und wechselte nach einer kurzen Rückkehr nach Dänemark zum Portland Thorns FC. Dann folgte die erneute Rückkehr nach Europa, diesmal ging es aber nach Frankreich.

Wenn du hier klickst, siehst du Twitter-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Twitter dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
IMMER AKZEPTIEREN
EINMAL AKZEPTIEREN

Nadim unterschrieb einen Vertrag bei Paris Saint-Germain, einem absoluten Top-Klub im Frauenfußball. Nach zwei Jahren in der französischen Hauptstadt folgte der Wechsel zu Manchester City.

Im Sommer 2021 ging es zurück in die USA, zum Racing Louisville FC, bei dem sie derzeit spielt. 2016 und 2017 wurde sie Fußballerin des Jahres in Dänemark. Sie wurde dänische Meisterin, französische Meisterin und Meisterin der US-amerikanischen NWSL.

Wenn du hier klickst, siehst du Twitter-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Twitter dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
IMMER AKZEPTIEREN
EINMAL AKZEPTIEREN

Nadim als Ärztin und Vorbild

Es ist eine beeindruckende sportliche Laufbahn, doch als Beruf hat Nadim den Fußball nie betrachtet. „Ich wollte stattdessen etwas tun, womit ich Einfluss auf das Leben der Menschen nehmen kann“, sagte sie und entschied sich neben dem Fußball für ein Studium der Medizin.

„Als Ärztin kommt man in Situationen, in denen man diejenige ist, die helfen kann. Ich habe es vom ersten Semester an geliebt.“

Im Januar 2022 schloss sie nun ihr Medizinstudium nach fünf Jahren ab und ist jetzt Ärztin. Der Weg für die Karriere nach der Fußballkarriere ist also geebnet. Außerdem sammelt Nadim immer wieder Geld für humanitäre Zwecke in Afghanistan und besucht zahlreiche Flüchtlingslager auf der ganzen Welt. Sie möchte etwas zurückgeben und als Vorbild dienen.

„Ich möchte denjenigen, die dunkle Zeiten durchgemacht haben, sagen, dass es in Ordnung ist“, sagte sie: „Wir alle haben schwere Zeiten durchgemacht. Ihr seid dazu fähig, sie zu überwinden. Im Moment mag es unmöglich sein, zu träumen, doch sie sollen die Hoffnung nicht verlieren.“

MEHR DAZU