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Red-Bull-New-York-Trainer Gerhard Struber über Rangnick, Upamecano und Bundesliga

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Red-Bull-New-York-Trainer Gerhard Struber über Rangnick, Upamecano und Bundesliga

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Struber: Das vergisst man bei Bayern-Spielern

Struber: Das vergisst man bei Bayern-Spielern

Gerhard Struber, Trainer von Red Bull New York, sagte kürzlich Manchester United für den Job des Co-Trainers ab. Bei SPORT1 spricht der Österreicher über Ralf Rangnick, Dayot Upamecano und die Bundesliga.
Seit Anfang Dezember 2021 ist Ralf Rangnick Cheftrainer von Manchester United, die Zwischenbilanz fällt mit 10 Punkten und aus fünf Ligaspielen und dem Erreichen der vierten Runde im FA-Cup okay aus.
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Frech oder selbstbewusst?

Gerhard Struber muss schmunzeln, als er darauf angesprochen wird. Der Trainer von Red Bull New York sagte zuletzt doch tatsächlich den Bossen von Manchester United ab. Ralf Rangnick wollte ihn als Assistenzcoach ins Old Trafford holen.

Struber, der einst bei Red Bull Salzburg Dayot Upamecano (jetzt FC Bayern) und Naby Keita (FC Liverpool) trainierte, stand im Sommer 2021 auch mal bei Werder Bremen auf dem Zettel. Was ist der 44-jährige Österreicher für ein Typ? Im SPORT1-Interview spricht Struber über seine Person, Rangnick, Upamecano - und seine Vision.

SPORT1: Herr Struber, Sie haben lange in der Akademie von Red Bull Salzburg gearbeitet und waren ein Jahr in England beim FC Barnsley. Wie blicken Sie zurück?

Gerhard Struber: 2014 bekam ich durch Ralf Rangnick die Möglichkeit, hauptberuflich in der Nachwuchs-Akademie von Red Bull Salzburg zu arbeiten. Damals als junger Trainer konnte ich mich selbst und auch richtig coole Talente entwickeln. Es ging stetig bergauf. Als ich die RB-Welt verlassen habe, ging es zunächst mit dem Wolfsberger AC bis in die Europa League und dann nach England mit dem Ziel, in der 2. Liga den abgeschlagenen Tabellenletzten zu retten. Und wir konnten mit dem FC Barnsley tatsächlich den Klassenerhalt feiern.

Gerhard Struber hat bei Red Bull New York einen Vertrag bis 2023
Gerhard Struber hat bei Red Bull New York einen Vertrag bis 2023

SPORT1: Sie haben dann schnell Anfragen aus der Premier League bekommen.

Struber: Das stimmt. Es ging schon sehr schnell. Aber so ist der Fußball. Plötzlich bekam ich ebenso das Angebot aus New York zurück in die Red-Bull-Welt. Das war sehr interessant, zumal ich großen Freiraum bekam, die Dinge wieder in die richtige Richtung zu lenken, nachdem die vergangenen Jahre hier nicht mehr so erfolgreich waren. Jetzt habe ich eine ganz junge Truppe zusammen und es macht großen Spaß, die Spieler und den Verein mit zu entwickeln.

SPORT1: Was ist das Besondere an der Red-Bull-Welt?

Struber: Für mich bedeutet die Red-Bull-Welt hohe Standards in allen Bereichen. Du triffst auf Mitarbeiter mit großen Zielen, alle leben das Tagesgeschäft Fußball absolut professionell. Man ist sehr ambitioniert - und die Rahmenbedingungen sind darauf ausgelegt, diese Ziele auch erreichen zu können. Wir sprechen von Titeln. Und auch in New York will ich am Ende etwas in der Hand halten.

SPORT1: Was macht Sie denn als Trainer aus?

Struber: Durch die RB-Schule konnte eine starke inhaltliche Basis erlangen. Diese konnte in den vergangenen Jahren durch meine Cheftrainer-Stationen sowie dank Hospitationen in Italien, Deutschland und England noch mal erweitern. Jetzt bin ich ein Trainer, der sehr pro aktiv spielen lässt und in jeder Phase des Fußballs Antworten parat hat - nicht nur, wenn es gegen den Ball geht. Ich pflege zudem immer eine sehr enge, vertrauensvolle Verbindung zu meinen Spielern - auch noch zu den Jungs aus den Klubs in der Vergangenheit.

SPORT1: Sie haben Bayerns Dayot Upamecano oder Liverpools Naby Keita in Salzburg trainiert. Heute sind beide gestandene Profis.

Struber: Ich freue mich für die beiden, dass sie richtig Karriere machen. Auch einen Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg muss ich da nennen. Er ist ein junger Spieler, der von der eigenen Jugend in Salzburg den Durchmarsch in die Bundesliga geschafft hat. Auch freut es mich für Nicolas Seiwald, der jetzt mit Salzburg Champions League spielt und der nächste richtig Große werden könnte. Ihn hatte ich in der U16.

Torjubel um Dayot Upamecano vom FC Bayern
Torjubel um Dayot Upamecano vom FC Bayern

Struber: „Dayot hat richtig gute Schritte gemacht“

SPORT1: Wie beurteilen Sie den Weg von Upamecano?

Struber: Als er damals nach Salzburg kam, konnten wir bereits erkennen, dass Dayot ein ganz besonderes Talent ist, ausgestattet mit einer außergewöhnlichen Dynamik. Er hat in der Folge richtig gute Schritte gemacht: Aus einem ungeschliffenen Diamanten wurde ein taktisch smarter Spieler. Julian Nagelsmann hat Upamecano noch mal auf eine andere Stufe gehoben. Mittlerweile ist Dayot französischer Nationalspieler bei einem absoluten Spitzenklub und in einer Mannschaft, die an ihn glaubt. Ich freue mich sehr für seinen Erfolg. Dayot hat in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht.

SPORT1: Beim 0:5 im Pokalspiel in Mönchengladbach stand er aber neben sich. Seine erste kleine Krise hat Upamecano also schon hinter sich.

Struber: Ich habe da schon mit Dayot gelitten. Aber es gibt in jungen Jahren nun mal das eine oder andere Spiel, das schief gehen kann. Auch für ein Supertalent wie Dayot. Wenn ein Spieler beim FC Bayern spielt, vergisst man schnell, dass er immer noch relativ am Anfang seiner Karriere steht. Aber wichtig war, wie Dayot hinterher damit umgegangen ist. Da hat er sich rein gebissen und war dann schnell wieder der Upamecano, den man kennt.

SPORT1: War Upamecano damals schon sehr sensibel? Es gab schon Stimmen, die sagten, er würde den Schritt zum FC Bayern nicht schaffen.

Struber: Es stimmt. Ich habe Dayot als sensibel kennengelernt. Aber das trifft auf viele junge und auch ältere Fußballer zu. Er ein feiner Kerl und ein besonderer Spieler, der eine spezielle Behandlung braucht. Außerhalb ist Dayot ein ruhiger Typ, aber auf dem Platz schon immer voller Power.

Ralf Rangnick (l.) hat auch Jadon Sancho bei Manchester United noch nicht zu früherer Dortmunder Form treiben können
Ralf Rangnick (l.) hat auch Jadon Sancho bei Manchester United noch nicht zu früherer Dortmunder Form treiben können

Struber: „Überzeugungskraft von Ralf war einfach zu groß“

SPORT1: Ralf Rangnick ist so etwas wie Ihr Mentor. Zuletzt wollte er Sie als Co-Trainer mit zu Manchester United nehmen. Aber Sie haben abgesagt. Warum?

Struber: Ralf war 2014 hauptverantwortlich dafür, dass ich den Weg aus einem sicheren Job in der Privatwirtschaft raus in den Fußball gewagt habe. Die Überzeugungskraft von Ralf war einfach zu groß (schmunzelt). Seitdem ist der Kontakt zu ihm nie abgerissen, wir stehen im guten Austausch. Konkret zur Frage: Natürlich kommt man ins Nachdenken - so eine Anfrage von solch einem Verein bekommt man nicht oft. Aber gleichzeitig fühle ich mich in der Rolle des Cheftrainers sehr wohl und will diesen Weg auch weitergehen. Außerdem haben wir in New York noch einiges vor.

SPORT1: Derzeit hat er mit einigen Problemen bei ManUnited zu kämpfen - wie sehen Sie die Situation?

Struber: Die größte Herausforderung ist, bei so vielen Spielen am Stück seine eigene Idee zu vermitteln - das kenne ich auch aus meiner England-Zeit. Er hat kaum Zeit zu trainieren bei dem engen Spielplan. Trotzdem ist es ihm bereits gelungen, die Ergebnisse in eine positivere Richtung zu drehen.

SPORT1: Sind Sie der nächste Bundesliga-Trainer aus der Red-Bull-Welt, Herr Struber?

Struber: Es ist definitiv mein Ziel in der Zukunft, Cheftrainer in einer großen Liga zu sein. Und die Bundesliga gehört natürlich dazu. Ich beobachte den deutschen Fußball sehr genau, und in der Vergangenheit hat es auch immer wieder Anfragen und Gespräche gegeben. Aber es muss alles zusammenpassen. Ich fühle mich sehr commited mit dem Verein und meiner Mannschaft. Und auch vertragliche Aspekte spielen da ja immer mit rein, schließlich hatte mich Red Bull New York damals aus dem Vertrag in Barnsley rausgekauft und mir damit auch viel Vertrauen geschenkt.

Spieler und Teams auf höheres Level heben

SPORT1: Okay, aber inzwischen werden Ablösesummen für Trainer bezahlt…

Struber: Das stimmt. Es muss jedoch immer für alle Seiten passen. Ich spüre da auch große Verantwortung meinem jeweils aktuellen Verein gegenüber. Aber klar, Ich möchte mich immer weiterentwickeln und irgendwann den nächsten Schritt gehen. Die schwierigen Aufgaben in der Vergangenheit haben mich wachsen lassen, und mittlerweile spiele ich auf einer Klaviatur, mit der ich mir zutraue, in Deutschland Trainer zu sein. Ich habe gezeigt, dass ich Spieler und Teams auf ein höheres Level heben kann.

SPORT1: Mit Werder Bremen gab es im Frühjahr 2021 konkrete Gespräche. Warum hat das nicht geklappt?

Struber: Damals hat es einfach nicht gepasst - auch, weil ich gerade bei Red Bull New York angefangen und vieles auf den Weg gebracht habe. Die Mannschaft kurzfristig weder zu verlassen, wäre nicht okay gewesen. Aber es stimmt, Frank Baumann (Werders sportlicher Geschäftsführer, d. Red.) hatte mit meinem Berater gesprochen.

Gerhard Struber schaffte mit dem FC Barnsley den Klassenerhalt in der EFL Championship
Gerhard Struber schaffte mit dem FC Barnsley den Klassenerhalt in der EFL Championship

Scheitern von Marsch bei RB Leipzig

SPORT1: Würden Sie auch in die 2. Liga in Deutschland gehen?

Struber: Mein Ziel ist die Bundesliga beziehungsweise in der jeweils höchsten Liga zu arbeiten - wobei es in der 2. Bundesliga auch einige interessante und sehr ambitionierte Klubs gibt.

SPORT1: Ist denn Jesse Marsch und sein Scheitern bei RB Leipzig nicht auch ein abschreckendes Beispiel für Sie?

Struber: Jesse hat in Leipzig einen Job mit sehr hohen Ansprüchen übernommen. Ich bin nicht dicht genug dran, um das genau bewerten zu können: Aber vielleicht hätte er noch mehr Zeit gebraucht, die Dinge in eine gewisse Richtung zu entwickeln und dem Team seine persönliche Note zu geben. Klar ist: Es hat nicht so gefruchtet, wie beide Seiten sich das gewünscht haben. Ein abschreckendes Beispiel ist es jedoch nicht, weil es im Fußball generell sehr schnell in verschiedene Richtungen gehen kann.

SPORT1: Wie würden Sie sich mit denn mit Jesse Marsch vergleichen? Sie waren beide Cheftrainer bei Red Bull New York…

Struber: Das schon, und wir kennen uns auch gut und schätzen uns sehr. Aber Jesse und ich sind aus komplett unterschiedlichem Holz geschnitzt. Unsere Denk- und Herangehensweise ist nicht miteinander vergleichbar.

SPORT1: Haben Sie einen Karriereplan? Wann sehen wir Sie in der Bundesliga?

Struber: Ich habe natürlich eine Vision, aber im Fußball ist es schwer, Dinge exakt zu planen. Ich denke gar nicht so viel über die Zukunft nach, sondern genieße das Hier und Jetzt und will einfach weiter liefern. Dann ergeben sich andere coole Dinge von ganz allein.