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Hat Freiburg schon den nächsten Streich?

Hat Freiburg schon den nächsten Streich?

Thomas Stamm wird in der Schweiz schon hoch gelobt. Beim SC Freiburg leistet er seit sieben Jahren erfolgreiche Arbeit im Schatten von Christian Streich. SPORT1 sprach mit dem 38-Jährigen.
Die Frage nach einer möglichen Champions-League-Qualifikation des SC Freiburg, will Christian Streich eigentlich gar nicht mehr hören. Trotzdem redet sich der Trainer des Sportclubs in Rage.
Reinhard Franke
Reinhard Franke
von Reinhard Franke

Für die Schweizer Tageszeitung Blick ist Thomas Stamm das vielleicht größte Trainertalent in der Schweiz.

Der Cheftrainer der zweiten Mannschaft des SC Freiburg arbeitet seit Jahren erfolgreich im Breisgau - im Schatten von Klub-Ikone Christian Streich.

Stamm kam vor sieben Jahren nach Freiburg und trainierte erst die U19. Vor der aktuellen Saison übernahm der 38-jährige Schweizer die zweite Mannschaft des Sportclubs. Der Aufsteiger belegt in der 3. Liga nach 20 Spieltagen Platz zwölf.

Frühes Karriereende als Profi

Stamm absolvierte für die Schweizer Fußballklubs FC Winterthur und den FC Schaffhausen 181 Partien in der Challenge League, schaffte es aber nie in die Super League, die erste Liga des Landes: „Ich habe mit 26, 27 aufgrund von schweren Verletzungen nicht mehr den Fokus auf meine sportliche Entwicklung gelegt, sondern musste abwägen, wie mein Lebensweg weitergeht“, berichtet der Schaffhauser Grenzgänger SPORT1. „Mit Anfang 30 konnte ich in der Schweiz den Fußballlehrer absolvieren.“

Das Lob er sei das vielleicht größte Trainertalent in seiner Heimat hört Stamm natürlich gerne, weiß dies aber auch einzuordnen. „Natürlich freue ich mich darüber, aber ich kann es nicht beeinflussen, was von außen über mich gesagt wird. Ich denke, dass ich es in den vergangenen Jahren ganz gut hinbekommen habe.“

Das gilt gerade im Hinblick auf die Ausbildung vieler junger Spieler, die jetzt in der Bundesliga spielen. Dazu gehören Kevin Schade (20, Stürmer), Yannik Keitel (21, Mittelfeldspieler) und Noah Weißhaupt (20, Mittelfeldspieler). Auch Nico Schlotterbeck, der mit Freiburg in der Bundesliga gerade auf Champions-League-Kurs ist und als großes Innenverteidiger-Talent in Deutschland gilt, trainierte bereits unter Stamm.

Thomas Stamm (r.) im Gespräch mit seinen Spielern Sandrino Braun-Schunacher (Nr. 6) und Vincent Vermeij
Thomas Stamm (r.) im Gespräch mit seinen Spielern Sandrino Braun-Schunacher (Nr. 6) und Vincent Vermeij

In der Talentschmiede Winterthur gestartet

Seine Trainer-Karriere startete Stamm 2011 beim FC Winterthur in der U18. 2014 war er Assistenzcoach bei der U15 der Schweiz, ein Jahr später in gleicher Funktion bei der U16. Dann kam der Wechsel nach Freiburg.

“Schon zu meiner Zeit als Trainer in Winterthur konnte ich vier Jahre das eine oder andere Talent begleiten“, meint er stolz. Der prominenteste Name: Manuel Akanji, der heute bei Borussia Dortmund spielt.

Was ist sein Erfolgsrezept? Stamm spricht davon, eine „klare Idee vom Fußball“ zu haben. Die Art und Weise sei „mutig, dominant und offensiv“ ausgerichtet. „Meine Jungs sollen - egal gegen wen - das Zepter in die Hand nehmen. Ich will sie jeden Tag besser machen.“

Stamm will von Christian Streich lernen

Er beschreibt sich als „sehr offen“ und „wissbegierig, was Meinungen aus anderen Sportarten anbelangt“. Zudem liest er gerne. „Für mich ist es wichtig, dass man nicht in seinem eigenen Saft schwimmt, sondern über den Tellerrand schaut und von woanders gute Sachen adaptiert.“ Als Trainer wolle er immer nah bei seinen Spielern sein, sie verstehen und unterstützen. Am Ende gehe es nämlich darum, „nicht nur den Fußballer, sondern den Menschen zu sehen, der vor einem steht“.

Streich sei natürlich wichtig für Stamm. „Aber nicht nur für mich, sondern grundsätzlich für den deutschen Fußball“, betont er. „Weil er fachlich sehr gut ist, aber auch über eine menschliche Komponente verfügt, die besonders ist. Christian lässt sich nicht verbiegen, das ist ganz wichtig.“ Stamm könne sehr viel von Streich lernen und mitnehmen. „Nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich. Seine offene Art ist nicht selbstverständlich.“

Stamm hat eine hohe Meinung von Streich. „Christian ist sehr offen und hört sich andere Meinungen an, aber er vertritt natürlich auch seine Ideen und Werte. Für die Spieler hat er immer ein offenes Ohr.“ Er sei „extrem herzlich und menschlich, das ist in dem Business nicht alltäglich“.

Thomas Stamm steht seit dem 1. Juli 2014 beim SC Freiburg unter Vertrag.
Thomas Stamm steht seit dem 1. Juli 2014 beim SC Freiburg unter Vertrag.

Spannender Austausch mit Streich

Trotz der räumlichen Nähe gibt es aber nicht täglichen Kontakt zu Streich. Mit Julian Schuster ist da jemand beim Sportclub, der als Bindeglied zwischen der U23 und den Profis fungiert. Der 36-Jährige spielte von 2008 bis 2018 für die Freiburger und beendete mit 33 Jahren seine Profikarriere.

„Vieles läuft über Julian. In der Intensität, in der wir uns austauschen, ist das schon einmalig“, erzählt Stamm. Dennoch ist natürlich auch Streich immer wieder präsent. Der fachliche und inhaltliche Austausch einfach „sehr interessant“ ist.

Legende im Breisgau: Christian Streich begann am 2. Januar 2012 Dezember als Cheftrainer beim SC Freiburg. Er folgte damals Marcus Sorg (heute Co-Trainer von Hansi Flick in der Nationalmannschaft).
Legende im Breisgau: Christian Streich begann am 2. Januar 2012 Dezember als Cheftrainer beim SC Freiburg. Er folgte damals Marcus Sorg (heute Co-Trainer von Hansi Flick in der Nationalmannschaft).

Wird Stamm der nächste Streich?

Hat man in Freiburg schon jetzt den nächsten Streich gefunden? Darüber macht sich Stamm keine Gedanken. „Christians Fußstapfen sind riesig“, weiß der U23-Coach. „Ich will versuchen, meine eigenen Fußstapfen zu setzen, weil er vielleicht noch einige Jahre in Freiburg sein wird. Deshalb beschäftige ich mich noch nicht damit.“

Über die Zeit nach Streich müsse man sich im Breisgau ohnehin keine Gedanken machen. Den Sportclub würde schließlich auszeichnen, „dass verschiedene Bereiche erfolgreich zusammengefügt werden, um neue Reize zu setzen“.

Unabhängig von seiner Zukunft in Freiburg, zieht Stamm schon jetzt ein positives Fazit seiner Karriere. „Vor zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich mal da stehe, wo ich jetzt bin“. Seine Lust, mit jungen Menschen zu arbeiten, ist weiter ungebrochen. „Darum bin ich für jeden Tag dankbar, an dem ich meinen Beruf ausüben darf.“