Als Pelé im Dezember 2022 starb und die gesamte Fußball-Welt ihrem „König“ huldigte, konnte Bobby Moore nicht mehr kondolieren: „Sein Freund“, wie der Größte aller Fußballer Moore einst bezeichnet hatte, war schon lange vor ihm gegangen. Bereits zum 33. Mal jährt sich heute der Tag, an dem Englands bisher einziger Weltmeister-Kapitän mit 51 Jahren den kurzen, aber mutigen Kampf gegen den Darmkrebs verloren hatte. (Nachruf: Pelé bleibt ein Mythos)
Sein tragisch früher Tod machte ihn endgültig zum Fußball-Mythos
Ihn fürchtete sogar der Größte
Doch die Legende lebt: Der „beste Verteidiger, gegen den ich jemals gespielt habe“ - diesen Status hatte Pelé ihm posthum verliehen - ist im Mutterland des Fußballs so präsent wie eh und je.
Bobby Moore: Englands Ikone schlechthin
Vor allem im traditionsreichen Londoner East End und bei „seinem“ Klub West Ham United - für den er von 1958 bis 1974 aktiv war - ist das Vermächtnis des 108-maligen Nationalspielers groß.
Schulen, Wohnkomplexe, Parkplätze - etliche Einrichtungen tragen den Namen des stilbildenden Abwehrmanns, der sich zu aktiven Zeiten durch seine moderne Spielintelligenz von den oft vor allem durch Härte und Kopfballstärke definierten Positionskollegen abgehoben hatte.
Auf der Außenwand des London Stadiums, der heutigen Spielstätte der „Hammers“, prangt seine Silhouette, flankiert von jenem Pelé-Zitat und dem des legendären West Ham- und England-Teammanagers Ron Greenwood, der Moore bescheinigte, „für die größten Momente gemacht zu sein“.
Der Held der WM 1966 im eigenen Land
Einer dieser Momente war es auch, der den blonden Jungen aus dem Londoner Stadtteil Barking so einzigartig macht. 1966, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, schlugen die von ihm angeführten Three Lions in einem denkwürdigen Finale Deutschland mit 4:2 nach Verlängerung und krönten sich zum bisher einzigen Mal zum Weltmeister.
Moore hatte zwei der Finaltreffer seines Klub-Kollegen Geoff Hurst gegen das DFB-Team mit Uwe Seeler und dem jungen Franz Beckenbauer vorbereitet. Und Moore war es, der den Coupe Jules Rimet aus den Händen von Königin Elizabeth II. im Wembley-Stadion in die Höhe stemmen durfte.
Moores Weg zu seinen großen Erfolgen - auf Klubebene vor allem der Pokalsieg 1964 und der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger mit West Ham ein Jahr später - war schon damals nicht nur aus sportlichen Gründen inspirierend. Im Jahr 1964 überstand Moore unter großer öffentlicher Anteilnahme eine Hodenkrebs-Erkrankung - nicht zuletzt deshalb wurde er schon damals zu Englands Fußballer des Jahres gekürt. Im WM-Jahr wurde er Englands Sportler des Jahres - als erster Fußballer überhaupt.
Leben nach dem Fußball nicht immer glanzvoll
Moores Leben nach dem Fußball war nicht immer glanzvoll: Als Trainer war er nicht erfolgreich, auch diverse Geschäftsaktivitäten und eine Ehe gingen in die Brüche. In den achtziger Jahren zog der englische Verband FA vielfach Kritik auf sich, dass Moore nicht stärker als Vorzeigefigur eingebunden wurde.
Im Jahr 1991 schlug das Schicksal wieder zu: Er erkrankte an Darmkrebs, was er zwei Jahre später öffentlich machte - als er nur noch wenige Tage zu leben hatte. In seinem letzten öffentlichen Auftritt kommentierte er am 17. Februar 1993 ein Länderspiel zwischen England und San Marino. Sieben Tage später verstarb er.
Von seinem größten Triumph und der Legende Bobby Moore zeugt heute unter anderem auch eine bronzene Statue vor dem legendären Stadion, auf deren Inschrift unter anderem zu lesen ist: „Imperialer Verteidiger. Unsterblicher Held von 1966. Nationales Heiligtum. Meister von Wembley. Herr des Spiels. Außerordentlicher Kapitän. Gentleman für ewig.“
Dem ist auch 33 Jahre nach seinem tragischen Tod nichts hinzuzufügen.
-----
Mit Sport-Informations-Dienst (SID)