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WM 2006: "Auf einmal stand da: 'Unbekannter Anrufer' - und er war es wirklich"

“War Wahnsinn, so etwas mitzuerleben“

Marcell Jansen war lange Zeit fester Bestandteil der Nationalmannschaft. Warum er es nicht bedauert, kein Weltmeister geworden zu sein, und wie besonders die Heim-WM 2006 war, erklärt er im SPORT1 Deep Dive.
Marcell Jansen (l.) und Michael Ballack nach dem gewonnenen Spiel um Platz 3 bei der WM 2006
Marcell Jansen (l.) und Michael Ballack nach dem gewonnenen Spiel um Platz 3 bei der WM 2006
© IMAGO / MIS
Marcell Jansen war lange Zeit fester Bestandteil der Nationalmannschaft. Warum er es nicht bedauert, kein Weltmeister geworden zu sein, und wie besonders die Heim-WM 2006 war, erklärt er im SPORT1 Deep Dive.

Die Nationalmannschaftskarriere von Marcell Jansen begann, wie es sich die meisten Fußballfans vermutlich vorstellen. Auch beim gebürtigen Mönchengladbacher schrillte in einem unerwarteten Moment das Telefon.

Er erinnert sich im SPORT1-Podcast DEEP DIVE: „Ich war in einem Café in Mönchengladbach mit meinen Kumpels, ganz normal Kaffee trinken und auf einmal stand da ‚Unbekannter Anrufer‘ und dann ging Klinsmann ran. Ich habe erst mal gedacht, das ist ein Telefon-Joke, aber das war er wirklich.“ So kam Jansen am 3. September 2005 zu seinem 45-minütigen A-Länderspieldebüt im Test in Bratislava gegen die Slowakei.

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Jansen überzeugte Trainer Jürgen Klinsmann und nach sechs weiteren Einsätzen, darunter fünf in der Startelf im Vorfeld des Turniers, sprang Jansen als jüngster Spieler auf den WM-Zug auf und konnte somit Teil einer aus seiner Sicht „unfassbar prägenden“ Weltmeisterschaft werden.

Sommermärchen war „Wahnsinn“

Trotz seines jungen Alters kam beim Youngster aber keine Nervosität auf. „Das geht dann einfach so schnell. Das ist vielleicht auch gut so, dass du keine Zeit hast, richtig darüber nachzudenken. Du tappst von einer Herausforderung in die nächste. Das war schon Wahnsinn, so etwas mitzuerleben“, erinnert sich Jansen.

Vor allem der Einfluss auf die Nationalmannschaft und das ganze Land war für den Ex-Profi etwas Besonderes: „Alle Nationen waren Deutschland-Fans, wenn die eigene Nation raus war. An diese Kraft und Aufmerksamkeit kommt für mich auch nichts mehr ran. Ein Teil davon gewesen zu sein, hat mich unfassbar geprägt.“

Er musste zwar bis zum Spiel um Platz drei auf seinen ersten Einsatz warten - Tristesse angesichts seiner persönlichen Situation oder des Ausscheidens im Halbfinale gegen Italien war aber nicht angesagt. „Es war total besonders auch im Umfeld mit dem Sommermärchen und du wolltest bei dem Turnier im eigenen Land dann auch auf dem Treppchen sein.“

Dank eines 3:1-Sieges über Portugal mit Luis Figo und Cristiano Ronaldo gelang der DFB-Elf das schließlich auch.

DFB: Millimeter-Entscheidung für WM

Vier Jahre später stand die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika für Jansen zunächst allerdings unter einem ganz anderen Stern. Lange war unklar, ob er überhaupt mitreisen könnte. Grund dafür war eine Verletzung am Syndesmoseband im März. Letztlich entschieden wenige Millimeter, ob eine Operation notwendig war oder nicht, wobei diese mit einem Risiko behaftet gewesen wäre. Bei einer Operation wäre die WM gelaufen gewesen.

„Und so war es […] wir haben mit dem Restrisiko nicht operiert und es ist voll aufgegangen. Ich habe praktisch erst während des Turniers meine Vorbereitung angefangen, um mein Level hochzukriegen“, beschreibt Jansen. Auch Trainer Joachim Löw ist er deshalb sehr dankbar: „Deshalb war das Turnier insgesamt für mich so besonders. Vor allem, dass ich überhaupt mitfahren durfte, weil Jogi Löw gesagt hat: ‚Den Marcel nehme ich auf jeden Fall mit. Selbst wenn der jetzt erst mal hier anfängt zu trainieren‘.“

Nicht nur deshalb hat der ehemalige HSV-Präsident das Turnier im Anschluss in bester Erinnerung: „Ich habe dort angefangen, zu trainieren und mich dann mit den guten Möglichkeiten ins Turnier reingespielt. Es war dann auch für mich persönlich Wahnsinn, weil ich eben mein erstes Tor bei einer WM gemacht habe.“

„Hätte mein Leben nicht verändert“

Auch bei dieser Weltmeisterschaft war es das Spiel um Platz drei, das Jansen in besonderer Erinnerung behielt. Es lief die 56. Minute, als Jerome Boateng vom linken Fünfereck flankte und Jansen im Zentrum zum 2:2-Ausgleichstreffer einköpfen konnte – sein erstes Länderspieltor bei einem großen Turnier. Dazu offenbart er bei DEEP DIVE eine weitere Anekdote: „Ich hatte noch nie ein Kopfballtor gemacht. Da war so ein Running Gag. Mein Berater hat gesagt: ‚Wenn du mal ein Kopfballtor machst, lade ich dich zum Essen ein.‘ Dass es dann bei der WM war, umso schöner.“

Für Jansen sollte es zu einer dritten Weltmeisterschaft aber nicht mehr reichen, obwohl er sich nach der verpassten Europameisterschaft 2012 noch einmal zurückgekämpft und sich sogar wieder einen Platz in der Stammformation der Nationalmannschaft erspielt hatte. Dann machte ihm jedoch eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung.

„Jogi wollte mich eigentlich mitnehmen, aber das wäre dann mit dem Klima und der erst abgeschlossenen Reha zu viel gewesen und hätte auch keinen Sinn gemacht“, erzählt er. Auf die Frage, ob er denn traurig war, dass es ausgerechnet 2014 ohne ihn zum WM-Titel für Deutschland gereicht hatte, fand Jansen durchaus erstaunliche Worte: „Natürlich wäre ich gerne dabei gewesen, am Anfang war es ein Schock. Es hätte mein Leben aber nicht verändert.“

Um zu ergänzen: „Ich konnte mir so viele Privilegien erfüllen. So wie ich erzogen und als Mensch bin, habe ich mich so gefreut, als wie ich dabei gewesen wäre. Ich habe mich auch trotzdem als ein Teil gefühlt, weil ich mit diesen Jungs auch lange zusammen war. Wir als Deutschland hatten es einfach verdient.“

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