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Ex-FIFA-Mitarbeiter: "Trump und Infantino sind aus demselben Holz"

Infantino? Vergleich mit Putin

Mark Pieth ist Antikorruptionsexperte und ehemaliger Mitarbeiter der FIFA. Vor diesem Hintergrund vergleicht er Gianni Infantino nach dessen Investoren-Plänen mit Wladimir Putin und sieht eine Chance für die UEFA.
FIFA-Präsident Gianni Infantino verteidigt sein Vorhaben, Anteile an der Fußball-WM an private Investoren abzutreten. Der Plan scheint bereits fortgeschritten zu sein.
Lars Hinzberg
Mark Pieth ist Antikorruptionsexperte und ehemaliger Mitarbeiter der FIFA. Vor diesem Hintergrund vergleicht er Gianni Infantino nach dessen Investoren-Plänen mit Wladimir Putin und sieht eine Chance für die UEFA.

Die Fußballwelt läuft Sturm: Gianni Infantino steht mit seinen Plänen, die WM für Investoren zu öffnen, heftig in der Kritik. Der Schweizer Antikorruptionsexperte und Ex-FIFA-Mitarbeiter Mark Pieth sieht beim 56-Jährigen Parallelen zu den mächtigsten Männern der Welt und bringt eine unorthodoxe Lösung ins Spiel.

„Mein erster Gedanke war, dass Infantino sein Leben nach der FIFA plant“, versuchte der ehemalige Vorsitzende der unabhängigen Governance-Kommission der FIFA im Interview mit dem Schweizer Blick, das Verhalten Infantinos zunächst zu erklären.

FIFA will Teile der WM an Investoren verkaufen

Denn: Gemäß den Statuten des Weltverbandes endet die Amtszeit des FIFA-Präsidenten spätestens 2031, dann sind die maximal möglichen 15 Jahre erreicht. Anschließend könnte er den Vorsitz der Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE), über die Anteile am größten Sportereignis der Welt veräußert werden sollen, übernehmen.

Trotz des absehbaren Endes des gebürtigen Schweizers an der Spitze des Fußballverbandes schließt Pieth eine mögliche Ausdehnung der Amtszeit nicht aus: „Das hat er schon als UEFA-Chefjurist getan. Damals dachten wir, er mache das für Michel Platini.“

Trump und Infantino? „Aus demselben Holz geschnitzt“

Vor seiner Zeit als FIFA-Boss hatte Infantino als Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union gearbeitet. In diese Zeit fiel auch der Korruptionsskandal um den damaligen UEFA-Präsidenten Platini.

Dass Pieth bei Infantino ein so unangenehmes Bauchgefühl hat, liege für ihn vor allem an dessen Nähe zu Autokraten wie etwa im Umgang mit Donald Trump oder bei der WM 2018 mit Wladimir Putin.

Nach der WM in den von Donald Trump regierten USA befand der Basler Jurist etwa: „Trump und Infantino sind aus demselben Holz geschnitzt.“ Der Fall Balogun sei schlicht ein „No-Go“, wozu er sich gar nicht weiter äußern wollte, „weil das Ganze derart peinlich ist.“

„Es sind die gleichen Muster wie bei Blatter“

Das neueste Vorhaben des mächtigsten Mannes der Fußballwelt soll nun ein Teilverkauf der Weltmeisterschaft sein. 20 bis 30 Prozent der Anteile am Turnier sollen in die Hände von Investoren gehen, sofern die Mitgliedsverbände zustimmen. Genau diese Zustimmung will sich Infantino wohl durch großzügige Versprechen sichern: Für eine Ja-Stimme bietet er satte 35 Millionen.

„Es sind die gleichen Muster wie bei João Havelange und Sepp Blatter, nur, dass jetzt noch mehr Geld fließt“, konstatierte Pieth. „Das hat schon Blatter getan – es ist aber natürlich keine klassische Bestechung.“

Sicher kann sich die FIFA der nötigen Mehrheit noch nicht sein. Wer tatsächlich sein Kreuz für die Zustimmung setzt, sei laut dem Experten schlicht „selber schuld“.

Pieth sieht die UEFA am Zug

Dennoch könne sich Infantino trotz der kontroversen Pläne auf eine große Zahl an Unterstützern verlassen. Dafür sei das Geld – gerade für die kleineren Verbände – zu verlockend. Die größte Hoffnung müsse demnach auf dem größten Kontinentalverband, der UEFA, liegen.

„Da die meisten Fußballer aus Afrika und Südamerika ihr Geld in Europa verdienen, könnte so Druck aufgebaut werden. Oder die UEFA bietet ein attraktives Alternativformat an. Quasi eine EM mit Gästen. Auch die Gründung eines eigenen Verbands steht im Raum. Wie beim Boxen – doch das wäre höchst unglücklich.“