Ponomarev reitet den KFC tiefer rein

Ponomarev reitet den KFC tiefer rein

Mihail Ponomarev hat seinen Rückzug beim KFC Uerdingen mit einer ordentlichen Verbalattacke garniert. Das ärgert den SPORT1-Kolumnisten Markus Höhner.
Das Vorgehen von Mihail Ponomarev (h.) gefällt SPORT1-Kommentator Markus Höhner nicht
Das Vorgehen von Mihail Ponomarev (h.) gefällt SPORT1-Kommentator Markus Höhner nicht
© SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
Markus Höhner
von M. Höhner
am 21. Jan

Mikhail Ponomarev hat also seinen Rückzug als Investor beim KFC Uerdingen angekündigt. Das ist nicht schön. Aber das ist sein Recht.

Zudem hat er seinen Rücktritt als Vorstandsvorsitzender des KFC Uerdingen e.V. eingereicht. Auch das ist gemäß Satzung legitim. Er hat viel investiert, Teilerfolge erreicht, aber nun will er nicht weitermachen. Soweit, so gut.

Teil einer geordneten Übergabe sollte es nun aber auch sein, das Nest, in das er selber wollte, nicht weiter öffentlich zu beschmutzen.

"Der KFC ist kein attraktives Investment, was haben wir denn schon? Eine Drittliga-Lizenz. Das ist alles!" polterte der Russe im Rahmen einer öffentlichen Erklärung und schädigt damit das Image des Traditionsvereins in der Öffentlichkeit noch mehr, als er es ohnehin schon durch seine publik gewordene Kabinenpolterei, Gerichtsprozesse, Trainerrauswürfe und nicht erfolgte Gehalts- und Mietzahlungen getan hat. Und er vergisst dabei etwas sehr Wesentliches.

Ponomarev fühlt nicht die Strahlkraft von Uerdingen

Man stelle sich doch einfach mal vor, es gäbe doch einen interessierten Investor. Dann ist eine Drittliga-Lizenz nicht nur eine ziemlich gute Grundlage für eine sportlich noch bessere Perspektive, sondern ganz besonders nicht "alles". Ponomarev spricht von seinem "Herz für den KFC", fühlt aber dabei offensichtlich nichts von der Strahlkraft eines Vereines, der schon in der ersten Bundesliga spielte, als Ponomarev noch ein Baby war.

1975 war Uerdingen erstmals Erstligist. Natürlich gibt es Klubs mit noch größerer Tradition, aber Uerdingen hat seit diesem ersten Bundesligajahr seine Geschichten geschrieben und wurde immer mehr zur Marke. Nicht zuletzt durch seinen legendären Triumph im DFB-Pokal, als großer Außenseiter, mit dem Endspiel-Sieg gegen den FC Bayern im Jahre 1985.

Lieber Mikhail Ponomarev, das "Wunder von der Grotenburg", als die Uerdinger im Europapokal gegen Dynamo Dresden einen 1:3 Halbzeit-Rückstand noch zum 7:3-Sieg drehten, ist ein Stück ganz großer Fußball-Geschichte aus dem Jahre 1986. Ich habe es live im Fernsehen verfolgt, noch nicht ahnend, dass ich nur einige Jahre später selber jede Menge Bundesliga-Spiele aus diesem Stadion kommentieren würde.

Und wenn nicht Wolfgang Schäfer, Rudi Bommer, die Funkel-Brüder oder Brian Laudrup und Stephane Chapuisat für die Highlights sorgten, dann halt das wohl ausgeflippteste Maskottchen der deutschen Fußball-Geschichte, der "Grotifant". Und Sie, Herr Ponomarev, schauen auf Uerdingen und verkünden, außer der Drittliga-Lizenz gäbe es dort nichts?

Tradition kann man nicht kaufen

Und deswegen ist der KFC Uerdingen meiner Meinung nach ein wohl wirtschaftlich schwieriges Investment, aber eines mit Potenzial, das Ponomarev nicht weiter öffentlich schlecht reden sollte. Die Vereinsmitglieder haben in ihrer Abstimmung einen ersten Schritt getan und mit klarer Mehrheit den Weg frei gemacht für einen neuen Investor.

Gesucht wird nun ein potenter Liebhaber mit Instinkt für Perspektive, der gemeinsam mit der Stadt Krefeld den Verein samt Stadion als Fußball-Standort renoviert. Ich drücke die Daumen.