Im dunkelsten Moment versteckte sich Daniel Bierofka nicht. Ganz im Gegenteil. Unvergessen sind die Bilder, wie der damalige Co-Trainer von 1860 München am Zaun der Allianz Arena steht und versucht, die wildgewordenen Fans zu überreden, keine Sitzschalen mehr aufs Spielfeld zu werfen. Doch die Wut des Löwen war nicht zu zügeln.
"Von Hasan Ismaik hörst du gar nichts mehr"
„Von Ismaik hörst du nichts mehr“
Ein 0:2 gegen Jahn Regensburg schickte den TSV 1860 München 2017 in die Dritte Liga – es war der sportliche Tiefpunkt eines zähen Absturzes und auch der Ära Hasan Ismaik. Im SPORT1-Podcast Deep Dive blickt Löwen-Legende Bierofka jetzt auf die Zeit mit dem Investor zurück.
2011 war Ismaik bei den Löwen eingestiegen, und das in „einer ganz schweren Stunde“, wie sich Bierofka erinnert. Beim damaligen Zweitligisten stand die Insolvenz kurz bevor. „Faktisch war der Verein tot. Es war eins vor zwölf“, meint Bierofka. 1860 drohte damals gar die Vereinsauflösung, ehe der jordanische Geschäftsmann mit knapp 18 Millionen Euro als Geldgeber einstieg. Heute gilt dieser in weiten Teilen des Sechzig-Fanlagers als absolut verhasst.
Ismaik versuchte, den Aufstieg zu kaufen
Bierofka, 2011 noch Spieler bei Sechzig, bewertet Ismaiks Ankunft bei SPORT1 hingegen durchaus positiv: „Dann kam die Meldung, dass ein Investor gefunden wurde und dass der Verein nicht in die Insolvenz geht – da fällt dir natürlich im ersten Moment ein Stein vom Herzen“. Die Grundstimmung im Verein habe er gegenüber Ismaik als „wohlwollend“ empfunden.
Doch diese positive Stimmung wandelte sich in den kommenden Jahren schleichend ins Negative. „Hasan Ismaik wollte immer, dass wir aufsteigen“, erzählt Bierofka. Doch tatsächlich blieb der sportliche Erfolg der Löwen zunehmend aus. Bierofka führt das vor allem auf eines zurück: „Die Mannschaft war ein zusammengekaufter Haufen“, erinnert er sich an die miserable Transferpolitik. „Du kannst dir im Fußball Erfolg nicht kaufen. Du kannst die Wahrscheinlichkeit erhöhen, mit besseren Spielern. Aber trotzdem brauchst du a: einen Trainer, der die Vereins-DNA versteht, und b: eine Mannschaft, die eine Chemie zueinander findet.“
Verhasster Investor hält sich zurück
Als Ismaik nach dem Abstieg 2017 den Geldhahn vorübergehend zudrehte und die Lizenzzahlungen für die Dritte Liga verweigerte, stürzte Sechzig folglich in die Viertklassigkeit. Das Band zwischen Fans und Investor war spätestens damals endgültig zerschnitten.
Trotzdem zahlte Ismaik danach weiterhin jährlich Geld ein, wie Bierofka erklärt: „Das vergessen auch wieder viele Leute.“
Im vergangenen Sommer scheiterte dann ein Verkauf von Ismaiks Anteilen in letzter Sekunde. Und heute? „Von Hasan Ismaik und seinen Mitarbeitern hörst du gar nichts mehr“, sagt Bierofka.